#Monotalk zum Thema Lehre"Suchen Sie eine Aufgabe, die zur Berufung wird!"

Hospitality-Gelehrter: Burkhard von Freyberg unterrichtet an der Fakultät für Tourismus der Hochschule München die Management-Themen der Hotellerie. (Bild: privat)

Wer sind die Hospitality-Studenten von heute? Was bringt die Akademisierung? Wie können Hoteliers Young Professionals anwerben? Das, und was Michael Jackson mit seiner ganz persönlichen Geschichte zutun hat, verrät Prof. Dr. Burkhard von Freyberg (Unternehmensberater und Professor für Hospitality Management an der Fakultät für Tourismus der Hochschule München) im exklusiven #Monotalk:

Anzeige

Tophotel: Professor von Freyberg, waren Sie ein fleißiger Student?
Burkhard von Freyberg: Ja, und ein glücklicher. Ich bin in der siebten Klasse des Gymnasiums einmal durchgefallen, war anschließend während eines Austauschjahrs in Amerika aber Klassenbester. Ich fand das toll, auch mal zu den Guten zu gehören, was mich anspornte.

Nach dem Abitur haben Sie eine Hotelfachlehre absolviert, im Anschluss aber BWL studiert. Warum?
Mein Vater hatte die Hotelfachlehre im Hotel Bayerischer Hof in den Raum gestellt, er kannte die Inhaberin und war sehr beeindruckt von ihrem Tun. Ich war von Anfang an begeistert von der guten und spannenden, aber auch harten Ausbildung. Da ich damals im Anschluss nicht sicher war, ob das Gastgewerbe meine Berufung ist, habe ich BWL in München studiert, um in den Semesterferien auch andere Bereiche der Wirtschaft kennenzulernen. Zudem habe ich in die Sportbranche reingeschnuppert. Das Gastgebertum hat mich aber nie losgelassen, ich habe immer sehr viel nebenher in der Gastronomie gejobbt.

Wie sind Sie schließlich an der Hochschule gelandet?
Über einen Zufall bin ich an Stephanie Zarges-Vogel und Professor Stephan Gerhard von der Treugast geraten. Dort bin ich weiter gereift. Über eine Begegnung mit Professor Axel Gruner und einen Gastvortrag kam ich schließlich an die Hochschule.

Also muss man manchmal einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um erfolgreich zu werden?
Ja, es sind oft Begegnungen, die ein Leben verändern.

Wo hatten Sie bisher Ihre spannendste Begegnung?
Im Bayerischen Hof. Dort durfte ich ab und an Michael Jackson betreuen. Einmal musste ich um drei Uhr morgens Spaghetti mit Tomatensauce organisieren und Inhaberin Innegrit Volkhardt höchstpersönlich aus dem Schlaf klingeln.

Ziehen solche Wow!-Geschichten auch heute noch junge Menschen in die Hotellerie?
Definitiv. Die Faszination geht immer noch von den Grandhotels aus. Sie sind die Wiege des Gastgebertums.

Sind diese altehrwürdigen auch die neuen Leuchttürme der Ausbildung?
Nach wie vor ist der Bayerische Hof ein Leuchtturm, und auch andere Grandhotels. Mittlerweile sind aber viele weitere hinzugekommen. Lifestyle-Hotelgesellschaften wie 25hours Hotels sind wegweisend, auch Privathoteliers wie Ritter von Kempski oder der immer noch stets innovative Schindlerhof.

Machen überhaupt noch viele junge Menschen eine Ausbildung? Oder gibt es stattdessen zunehmend Studenten?
Die Zahl der Hofa-Auszubildenden ist in den vergangenen Jahren bei etwa 20.000 stabil geblieben. Doch immer mehr interessieren sich auch für ein Studium im Tourismus. Bei uns kommen beispielsweise jedes Semester zwischen 2.500 und 3.500 Bewerbungen auf 200 Studienplätze. Die Akademisierung hat also voll gegriffen.

Woran liegt es, dass immer mehr junge Leute das Fach studieren?
Es gibt mehrere Gründe. Zum einen beispielsweise die profunde praxisnahe Managementlehre, die ein hervorragendes Rüstzeug darstellt. Zum anderen bietet sich für viele auch die Möglichkeit, neben dem Studium verschiedene touristische Arbeitgeber kennenzulernen und sich diverse Wege offenzuhalten. Darüber hinaus ist Studieren auch ein Lebensgefühl, das viele nicht missen wollen.

Profitiert die Hotelbranche von der Akademisierung?
Ja, sofern Akademiker auch richtig eingesetzt werden. Im Studium lernt man, Probleme schnell zu durchleuchten und effiziente Lösungen zu entwickeln. Diese Gabe ist nicht zu unterschätzen – auch und vor allem, weil die Prozesse in der Hotellerie komplexer geworden sind.

Doch wenn immer mehr Junge ins Management ­gehen, wer macht dann noch die Arbeit am Gast?
Es wird nach wie vor Menschen geben, die das reine Handwerk am Gast lieben. Vielfach verschwimmen auch die Grenzen, auch ein ‚Manager‘ ist Dienstleister und sollte bei den Gästen sein. Die Hotellerie muss in Summe neue kreative Wege finden, die Arbeit attraktiver zu gestalten. Dafür gibt es sehr viele Ansatzpunkte.

Geben Sie uns einen Einblick. Wer sind Ihre Studenten?
Rund 80 Prozent der Erstsemesterstudenten sind Frauen. Sie sind oft tourismus- und sprachaffiner. Etwa zehn Prozent aller Studenten haben eine abgeschlossene Lehre. Alle sind Digital Natives. Ich habe es mit einer Generation zu tun, die sich nicht so viele Sorgen macht wie wir früher. Die selbstbewusster und nicht so karriereorientiert ist. Die den richtigen Arbeitgeber finden will, der zu ihrem Lifestyle passt.

Und für welchen Arbeitgeber entscheiden sich diese jungen Menschen nach dem Studium?
Wir bilden für die gesamte Wertschöpfungskette des Tourismus aus: Destinations- und Airline-Management, Reiseveranstalter, Hotellerie und Gastronomie. Etwa die Hälfte der 150 Absolventen geht in die Industrie. Diese Unternehmen schätzen vor allem die Dienstleistungsorientierung. Rund 30 Studierende eines jeden Jahrgangs entscheiden sich für die Hospitality-Branche. Sie arbeiten bei Hotelkonzernen, Beratungsunternehmen, übernehmen einen Betrieb oder starten ein eigenes Business.

Was können Hoteliers tun, um die jungen Professionals anzuwerben und zu halten?
Erst einmal müssen sie sich selbst fragen: An welcher Stelle brauche ich wen? Was kann ich den Mitarbeitern bieten? Hoteliers sollten attraktive ein- bis zweijährige Management-Trainee-Programme aufsetzen und Perspektiven aufzeigen. Gehalten wird die heutige
Generation, wenn das Unternehmen klare Werte vertritt. Ich kenne leider noch Unternehmer, die insbesondere aus lauter Profitgier nicht erkennen wollen, dass man in junge Kräfte und sehr gute Arbeitsbedingungen investieren muss. Und dass Führen auch eine Dienstleistung ist.

“Es wird immer Menschen geben, die das reine Handwerk
am Gast lieben.“

Auch Kooperationen mit der Hochschule können hilfreich sein – wie sehen diese aus?
Besonders gut sind diese aktuell mit Motel One, Ruby, Accor, 25hours Hotels, Upstalsboom und Meininger. Inhalte von Kooperationen sind gemeinschaftliche Projekte, das Bereitstellen von Praktikaplätzen und Lehrbeauftragungen. So lernen unsere angehenden Branchenprofis potenzielle Arbeitgeber schon während des Studiums kennen.

Blick in die Zukunft: Inwiefern werden die Gastgeber von morgen die Betriebe beeinflussen?
Sie werden andere Managementansätze einbringen, flache Hierarchien, mehr Work-Life-Balance einfordern. Es gibt viele neue Denkweisen. Wie etwa von Marco Nussbaum, der in seinen Hotels den Direktoren-Posten abgeschafft und dem Team die Aufgabe übertragen hat. Das kann funktionieren. Ich sage meinen Studenten aber immer: Bei aller Lockerheit darf man die achtsame Dienstleistung nie aus den Augen verlieren.

Was raten Sie Ihren Studierenden noch?
Suchen Sie eine Aufgabe, die zur Berufung wird. Wenn man das findet, was einen begeistert, gibt es kein Arbeitsleid. Unsere Branche hat vieles zu bieten!

Und was wünschen Sie sich 2020 für die Branche?
Dass es nicht so weitergeht mit ‚höher, schneller, weiter‘. Sondern dass mehr Unternehmer intensiv über den enkelgerechten Umgang mit Ressourcen nachdenken. Wie man ökologisch, ökonomisch, sozial gut agiert – auch in Kooperation mit dem Umfeld.

Wer sind heute die Vordenker der Branche?
Motel-One-Gründer Dieter Müller ist für mich die herausragende und prägende Gestalt, auch mein Freund Christoph Hoffmann mit den 25hours Hotels. Und Upstalsboom-Visionär Bodo Janssen mit seiner Philosophie, Wertschöpfung nicht durch Ressourcenausnutzung zu erzielen, sondern durch Potenzialentfaltung. Diese Vorbilder setzen nicht auf kurzfristige Gewinne, sondern sind nachhaltige Arbeitgeber. Wer nur auf den eigenen Profit aus ist, wird am Ende das Nachsehen haben. Interview: Verena Usleber

Zur Person Burkhard von Freyberg

Prof. Dr. Burkhard von Freyberg, gelernter Hotelfachmann und Dipl.-Kaufmann, studierte BWL, war im Controlling eines Automobilzulieferers tätig und schrieb seine Promotion über Transfergeschäfte im Fußball. Anschließend war der 46-Jährige als Seniorberater bei der Treugast tätig. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des auf die Individualhotellerie spezialisierten Beratungsunternehmens Zarges von Freyberg Hotel Consulting, Mitgründer der Agentur für Hotel-Onlinemarketing Online Birds sowie Aufsichtsratsmitglied bei Travel Charme. Seit 2009 hat er zudem eine Professur für Hospitality Management an der Fakultät für Tourismus der Hochschule München inne.

 

Anzeige