Mobile Access »Der nächste ­logische Schritt«

Hotelbird-Geschäftsführer Geschäftsführer Juan A. Sanmiguel (Foto: Hotelbird)

Innerhalb kürzester Zeit hat die Hotelbird-App zahlreiche Anhänger in der Hotellerie gefunden und sich zu einem Benchmark entwickelt. Immer neue Services wie zuletzt eine In-App-Direktbuchungsfunktion helfen dem Münchner Unternehmen dabei, die Akzeptanz kontinuierlich zu steigern. Für die Zukunft sollen mit Blick auf Datenbrillen oder Alexa aber noch ganz andere Kanäle geöffnet werden.

Erst im April 2015 wurde die Hotelbird GmbH gegründet, den Status eines Start-ups hat das Münchner Unternehmen aber längst abgelegt. Vielmehr sei man Marktführer in der gesamten digitalen Gästejourney, erklärt der 30-jährige Geschäftsführer Juan A. Sanmiguel. Dieser stand einst in Miami in der Check-in-Schlange eines Hotels und hatte dort die Idee zu einer App, in der direkte Buchung, Check-in, Zimmerschlüssel, Bezahlung und Check-out automatisiert ablaufen. Das, was in den vergangenen drei Jahren folgte, kann man ohne Weiteres als Erfolgsstory bezeichnen: Hotelketten wie die weltweit größte Budgetgruppe Super 8, die Lindner Hotels oder Novum Hospitality nutzen die Hotelbird-Services mittlerweile und setzen sie zur Digitalisierung ihrer Prozesse ein.

Einen prominenten Zuwachs verzeichnete Juan A. Sanmiguel unlängst mit den Steigenberger Hotels & Resorts: Der Roll-out der Hotelbird-Gesamtlösung in den mehr als 60 Steigenberger-Häusern auf drei Kontinenten hat im April begonnen. »Bislang ist die App bereits für einige Hotels unserer Marken IntercityHotel und Jaz verfügbar und wird sukzessive weiter ausgerollt. Mit der Einführung der App in unser Luxus-Segment können wir die mobile Lösung fortan als wichtige digitale Neuerung für alle Marken der Deutschen Hospitality anbieten«, erklärte CEO Thomas Willms nach der Bekanntgabe.  Nicht unwichtig dürften für die Frankfurter Gruppe die jüngsten Weiterentwicklungen seitens Hotelbird gewesen sein, zu denen einerseits stationäre Tablet-Kiosks gehörten, die fest im Hotel installiert werden können, sowie andererseits die provisionsfreie In-App-Direktbuchungsfunktion. Die Idee dahinter: Gäste, welche die App im Hotel nutzen, können bereits vor Ort ihr Zimmer für den nächsten Besuch reservieren.

Die aktuellen Zimmerpreise sämtlicher Standorte sind dabei live abrufbar und bieten dem Gast einen entsprechenden Mehrwert. Die Hotels sparen sich wiederum Kommissionen an die Online Travel Agencies. Alle Transaktionen werden in diesem Szenario – unabhängig davon, über welches Gerät sie ausgeführt werden – über die offenen Schnittstellen direkt an die IT-Systeme angebunden. Die bestehende Software im Haus bleibt unverändert.   Visionäre Weiterentwicklungen Sich auf dem bereits Erreichten auszuruhen, kommt für Juan A. Sanmiguel nicht in Frage, weshalb der Unternehmer vielfältigste Entwicklungen vorantreibt. Kern der Lösung bleibt die App und Bring-Your-Own-Device orientierte, mobile Hotelbird-Lösung mit mobilem Check-in, Check-out, Digital Key und In-App-Payment. Diese wurde bereits im Sinne eines »Multichannel«-Angebots um eine – ohne App-Download nutzbare – Browserlösung für beliebige Endgeräte ergänzt.

Dieser Kanal soll sukzessive ausgebaut werden, gleiches gilt für die damit einhergehenden Payment-Lösungen, bei denen Hotelbird seit vergangenem Jahr mit Concardis zusammenarbeitet. Die einzelnen Zahlmethoden werden dabei vollständig in die Hotelbird-Services integriert, sodass der Endnutzer keinen Unterschied mehr zwischen der App und dem dahinterliegenden Bezahlsystem bemerkt. Auf diese Weise kann die komplette Hotelrechnung per Smart- phone bezahlt werden: das Zimmer, der Restaurantbesuch, aber auch Zusatzbuchungen wie Wellnessanwendungen oder die Minibar-Rechnung. Für Juan A. Sanmiguel ist das aber erst der Anfang. Für ihn spielen offene Technologieplattformen in den kommenden Jahren eine wesentliche Rolle (siehe Interview). »Wir haben eine eigene Techologieplattform entwickelt und können unsere Services über verschiedenste Kanäle anbieten. Beispiel: Wenn sich eines Tages die Apple Watch durchsetzt, können wir ad hoc reagieren und unsere Services über diesen Kanal offerieren. Gleiches gilt für Alexa oder Datenbrillen«, so der Hotelbird-Gründer.

Drei Fragen an: Juan A. Sanmiguel

Tophotel: Mit der kommissionsfreien In-App-Buchungsfunktion haben Sie Hotelbird unlängst nochmals aufgewertet. Ist die Idee dahinter gänzlich uneigennützig?
Juan A. Sanmiguel: Aufgrund der großen Nachfrage haben wir zusätzlich zu unseren bestehenden Services diese Neuerung entwickelt. Außerdem war es für uns der nächste logische Schritt in unserer Produkt-Roadmap – auch um die Hotels zu unterstützen. Mittels der App können die Gäste einerseits an das Haus gebunden werden, andererseits werden Direktbuchungen forciert. Von unseren Kunden wird dies bereits gut angenommen. 

Tophotel: Staffless-Konzepte wie in den Box Hotels werden auch dank Ihrer Apps zunehmend populärer. Aber: Funktioniert der Workflow in der Praxis wirklich gänzlich ohne Personal?
Sanmiguel: Nicht ganz. Zunächst benötigt man für den Fall der Fälle eine Fallback-Lösung. Bei uns wird dies über den Tabletkiosk realisiert, an dem sich der Gast eigenständig seine Keycard erstellen kann. Darüber hinaus ist die Branche nicht soweit, dass man sich das Personal wegdenken könnte – und meines Erachtens ist dies auch nicht der richtige Ansatz. Denn: Eine Digitalisierung von heute auf morgen würde auch der Gast gar nicht mittragen. Step by step muss das Management diesen Prozess zur Unterstützung seines Personals vorantreiben.

Tophotel: Wohin geht die Reise für Hotelbird?
Sanmiguel: Wir wollen in Zukunft auch mit verschiendenen Drittanbietern zusammenarbeiten, um die Kundenreise zu vereinfachen. Aus diesem Grund gibt es derzeit Gespräche mit der Deutschen Bahn, mit Service-Providern und einigen anderen Unternehmen. Über unsere offene Technologieplattform könnten beispielsweise Gäste in Hotels ohne Restaurant etwas zu essen bestellen. Auch an dieser Stelle wollen wir Hoteliers unterstützen, um neue Umsatzkanäle zu erschließen – beispielsweise in Form von Provisionen.