Messegeschäft Absagen treffen gebeutelte Stadthotellerie

Eine der letzten Messen, die im Frühjahr 2020 veranstaltet wurde: Die Intergastra in Stuttgart. Über 100.000 Besucher informierten sich auf der Intergastra in Stuttgart über Neuheiten aus der Welt der Hotellerie und Gastronomie. (Bild: Messe Stuttgart)

UPDATE – Nicht nur die Messeindustrie, auch die Hotellerie fiebert dem Neustart des Messegeschäfts entgegen. Denn gerade in den Metropolen tragen Besucher und Aussteller nicht unerheblich zur Nachfrage bei. Die coronabedingte Verunsicherung ist vielerorts allerdings noch hoch, weshalb sich der Re-Start aktuell schwierig gestaltet.

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Bund und Länder haben am 17. Juni 2020 vereinbart, dass Großveranstaltungen bis zum 31. Oktober 2020 grundsätzlich untersagt bleiben. Gemeint sind damit beispielsweise Volks-, Straßen- und Schützenfeste sowie Kirmes-Veranstaltungen. Für Messen gilt diese Vereinbarung nicht. Das haben Bund und Länder in ihrer Vereinbarung vom 6. Mai 2020 festgelegt. Trotzdem wurden in jüngster Vergangenheit – analog zum Frühjahr – namhafte Messen abgesagt, obwohl die Gesundheitsämter auf Basis von professionellen Hygienekonzepten, grünes Licht gegeben haben.

Beispiel Südback: Die Messe wäre im Herbst die erste Veranstaltung der backenden Branche gewesen, die seit den Coronabeschränkungen geplant war und nach den gegenwärtigen Lockerungen unter Auflagen hätte stattfinden können. Dazu wurde ein Hygiene- und Sicherheitskonzept entwickelt. Dennoch herrscht große Unsicherheit bei vielen Ausstellern, die sich zuletzt in Absagen bemerkbar machte. Eine Ausstellerbefragung der Messe Stuttgart hat gezeigt, dass keine hinreichende Basis für eine Südback in diesem Jahr besteht, sodass die für den 17. bis 20. Oktober geplante Messe abgesagt wurde. „Die Entwicklungen bedauern wir sehr, denn damit verliert die backende Branche in diesem Jahr ihre zentrale Plattform zum Austausch, die nach diesen schweren Monaten der Coronakrise nötig gewesen wäre“, so Andreas Wiesinger, Mitglied der Geschäftsleitung der Messe Stuttgart.

Beispiel Beauty und Top Hair: Das Düsseldorfer Messe-Doppel war zunächst von Frühjahr 2020 auf Herbst verschoben worden, um nun gänzlich abgesagt zu werden. Neuer Termin: Freitag, 28. Mai, bis Sonntag, 30. Mai 2021. “Obwohl in NRW seit dem 31. Mai 2020 die Ausrichtung von Fachmessen und Fachkongressen wieder möglich ist, müssen wir jedes einzelne Projekt individuell bewerten. Durch die Auswirkungen von Corona und den zusätzlichen Auflagen im Kosmetikbereich, können unsere beiden Lifestyle-Messen zum momentanen Zeitpunkt nicht wie gewohnt durchgeführt werden“, erklärt Werner M. Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf GmbH.

Ganz ähnlich erging es den Messen Light+Building in Frankfurt oder der international führenden Umwelttechnologiemesse IFAT in München. Und in Köln wurden die Gartenmesse Spoga + Gafa, die Kind + Jugend sowie die Dmexco gecancelt.

Update: Auch FIBO und Interbad gestrichen

Die FIBO 2020, die weltweit größte Messe für Fitness, Wellness und Gesundheit, die vom 1. bis 3. Oktober in Köln stattfinden sollte, geht aufgrund der gravierenden Folgen der Covid-19-Pandemie im gleichen Zeitraum als reines Online-Event an den Start. Und auch die Messe Stuttgart meldet einen Messeausfall: Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen e. V. und in Rücksprache mit Ausstellern und engen Partnern hat die Messe Stuttgart sich dazu entschieden, die Interbad auf den 21. bis 24. September 2021 zu verschieben.

Auch der Blick ins kommende Jahr zeigt, mit welcher Vorsicht die Aussteller derzeit noch ihre Beteiligung an einer Messeschau prüfen. So findet die nächste ISH – Weltleitmesse für Wasser, Wärme und Klima zwar erst im März kommenden Jahres statt, schon jetzt aber hat mit Grohe ein Schwergewicht unter den Ausstellern seine Teilnahme abgesagt. Drei Gründe seien hierfür ausschlaggebend gewesen: Erstens habe Gesundheit und Sicherheit für das Unternehmen nach wie vor oberste Priorität, für Mitarbeiter, Kunden und alle an der ISH-Beteiligten. Zweitens sei die COVID-19-Situation in Deutschland und vor allem im Ausland nach wie vor fragil, und Großveranstaltungen stellen ein nahezu unkalkulierbares Risiko dar. Drittens sei das von der ISH vorgeschlagene Hygienekonzept für Grohe nicht zufriedenstellend gewesen.

Auch aus der Schweiz kam vor wenigen Tagen eine Hiobsbotschaft: Wie schon Anfang dieses Jahres wurde der Genfer Autosalon 2021 komplett gestrichen. Das Komitee und der Stiftungsrat leiten diese Entscheidung aus einer Umfrage ab, wonach eine Mehrheit der Aussteller abgegeben hat, dass sie wahrscheinlich an einer Ausgabe im Jahr 2021 nicht teilnehmen würden und dass sie eine Veranstaltung im Jahr 2022 bevorzugten.”

Messen könnten für Rückenwind sorgen

Die deutschen Messegesellschaften werden aufgrund dieser Entwicklung Verluste in Millionenhöhe schreiben, aber auch für das Gastgewerbe löst sich mancherorts ein Hoffnungsschimmer in Luft auf. Gerade der stark gebeutelten Stadthotellerie könnte das Messegeschäft neuen Rückenwind geben, denn allein eine Light + Building lockt 220.000 Besuchern (fast jeder zweite aus dem Ausland) und knapp 3000 Aussteller nach Frankfurt. Derzeit allerdings hat es den Anschein, dass es durch das vorsichtige Agieren vieler Aussteller und Besucher kein schnelles Comeback für das Messegeschäft geben wird.

 

 

 

 

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