Markus Luthe im Interview "....wettbewerbsschädliche Bestpreisklauseln per Gesetz verbieten"

Markus Luthe (Bild: Julia Baumgart Photography)

Der IHA-Hauptgeschäftsführer stand im Tophotel Interview Rede und Antwort zu aktuell diskutierten Branchenthemen – an denen es derzeit nicht mangelt. Speziell zum Booking-Urteil und dem “Anachronismus von händischen Unterschriften auf Papier-Meldescheinen” vertritt Luthe eine deutliche Meinung.

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Tophotel: Der IHA-Kongress 2019 fand in innovativer Atmosphäre mit neuen Diskussionsformaten statt. Wie lautet Ihr Fazit?

Markus Luthe: Die Resonanz auf unser neues Format für die Durchführung unserer Jahreskongresse war überwältigend positiv seitens unserer Mitglieder. Der lockerere Rahmen, die Pitch-Präsentationen der Start-ups und der Preferred-Partner und vor allem unser morgendliches „Barcamp“ mit den Mitgliedern ohne jedwede Themenvorgabe, dafür aber mit viel direkter Kommunikation, kamen sehr gut an. Auch unser Workshop-Konzept war ein voller Erfolg, sowohl hinsichtlich der Qualität der Impulsgeber als auch der Akzeptanz bei unseren Mitgliedern. Wir sind zuversichtlich, insgesamt ein rundes Bild von der Leistungsfähigkeit des Hotelverbandes vermittelt und den Teilnehmern konkreten Mehrwert für die betriebliche Praxis geboten zu haben.

Wie fällt generell Ihre Bilanz der Verbandsarbeit im ersten Halbjahr 2019 aus? Welche Themen haben sich positiv entwickelt? Wo sehen Sie Nachbesserungsbedarf?

Wir ziehen ein positives Fazit der Verbandsarbeit, da wir bei einigen unserer Schwerpunkte gerade im Vorfeld der Europawahl große Fortschritte erzielen konnten. Dies betrifft insbesondere das neue Regelwerk für Online-Buchungsportale, die nicht zuletzt auf unser Dringen mit der Platform-to-Businessregulierung („P2B“) und dem „New Deal for Consumers“ zumindest engere Grenzen im beidseitigen Interesse von Gästen und Hoteliers aufgezeigt bekommen haben. Wichtig ist in diesem Kontext für uns auch gewesen, eine Einigung mit HRS zu Bestpreisklauseln erzielt zu haben.

Großen Handlungsbedarf sehen wir seitens der Politik weiterhin im Bereich der Infrastruktur und Rahmenbedingungen der Digitalisierung: Die miserable Breitband- und Mobilfunknetz-
infrastruktur Deutschlands ist zu einer veritablen Standortbedrohung für die Hotellerie in ländlichen Räumen geworden und muss endlich als Top-Thema in der Politik ankommen. In diesen Kontext gehört auch, dass wir heute noch über den Anachronismus von händischen Unterschriften auf Papier-Meldescheinen beim Check-in im Hotel mit dem Bundesinnenministerium reden müssen…

Ganz konkret, nach dem Urteil pro Booking.com: Welche Maßnahmen kann der IHA bei der Causa „enge Ratenparitätsklauseln“ jetzt noch in Angriff nehmen?

Auch wenn das Urteil des OLG Düsseldorf noch keine Rechtskraft entfaltet, scheint es ja zumindest eines zu belegen: Das deutsche Wettbewerbsrecht ist nicht fit für die disruptiven Herausforderungen einer mehr und mehr digitalisierten Wirtschaft. Also bedarf unser in analogen Zeiten entstandenes Wettbewerbsrecht offensichtlich eines Updates durch die Gesetzgeber in Brüssel und Berlin, damit wettbewerbsschädliche Bestpreisklauseln eben expressis verbis per Gesetz verboten werden, so wie sie es heute schon in Frankreich, Österreich, Italien und Belgien sind. Aus unserer Sicht könnte dies als konkrete Maßnahme z.B. durchaus noch Eingang in die Nationale Tourismusstrategie der Bundesregierung finden, die derzeit ohnehin im Deutschen Bundestag diskutiert wird.

Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für die Hotellerie wurde jüngst vom deutschen Finanzminister als „ärgerliche, steuerliche Subvention“ bezeichnet. Wie sicher kann die Mehrwertsteuersenkung für die Branche aktuell und in Zukunft noch sein?

Diese peinlich-populistische Panikattacke der SPD im Wahlkampfendspurt hat eine ganze Branche diskreditiert. Wir werden dem immer wieder die Fakten, Fakten, Fakten entgegenhalten und setzen darauf, dass sich wirtschaftspolitische Vernunft auf Dauer durchsetzt: In 26 von 28 EU-Mitgliedsstaaten wird ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz auf die Hotellerie angewendet. Deutschland beschreitet hier also keinen Sonderweg, vielmehr ist der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für die Hotellerie der Regelfall. Er hat in Deutschland massive und nachhaltige Investitionen der Hotellerie ausgelöst und zusätzlich zehntausende sozialversicherungspflichtige Jobs gebracht. Auch für den Fiskus hat sich die Investition in die Leistungsfähigkeit der Hotellerie gelohnt, denn die Mehrwertsteuereinnahmen aus der Hotellerie lagen zuletzt eine halbe Milliarde Euro ÜBER dem Aufkommen des Jahres 2009 bei noch vollem Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent.


Das gesamte Interview mit Markus Luthe lesen Sie in der Juni Ausgabe von Tophotel

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