Management Abenteuer Unternehmensnachfolge

(Foto: iStock)

Die große Mehrheit der Hotels in Deutschland sind Familienbetriebe. Hier rollt in den nächsten Jahren eine wahre »Pensionierungswelle« auf die meisten Unternehmer zu. Das bedeutet, schwierige Fragen rund um die Betriebsnachfolge müssen gelöst werden. Die wenigsten von ihnen sind darauf vorbereitet. Beitrag mit Checkliste zur Unternehmensnachfolge.

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Besonders inhabergeführte Hotels stellt der Nachfolgeprozess vor große Herausforderungen. Viele Unternehmer glauben, mit der Klärung von rechtlichen, steuerlichen, betriebswirtschaftlichen Fragen sei es getan. Doch besonders die psychologische und emotionale Seite der familieninternen Altersnachfolge verlangt nach Antworten und Lösungen – z.B. Verfügbarkeit eines bestmöglichen internen Nachfolgers, Fortbestand des Lebenswerkes, Zeitplan der Übergabe, »Loslassen« des Senioren, finanzielle Unabhängigkeit der Elterngeneration, Erhalt der Führung in Familienhand (oder nicht), gerechte Verteilung des Erbes, Vermeidung von Konfliktpotenzial etc. Kurz: Bei der Nachfolge in Familienunternehmen geht es um Macht, Geld und Liebe oder Neid.

Das Hauptproblem vieler Betriebe besteht darin, dass sie die Nachfolge gar nicht oder viel zu spät planen. Unsere Erfahrung aus entsprechenden Nachfolge-Mandaten: Nur selten wird Expertenrat eingeholt. »Das regeln wir schon alleine« oder »Das hat Zeit, darum kümmern wir uns irgendwann noch«, heißt es oft. Dabei steht Expertise auf den verschiedensten Gebieten von externen Spezialisten zur Verfügung. Während Steuerberater, Rechtsanwälte, Banker sich in der Regel um die betriebswirtschaftlichen, finanziellen, steuerrechtlichen, erbschaftbezogenen Fragen kümmern, stehen Personal- und Unternehmensberater, Coaches und Mediatoren für die Regelung der zwischenmenschlichen Prozesse zur Seite. Einerseits sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen schwer zu durchschauen, andererseits werden die Beziehungen innerhalb der Eigentümerfamilie unterschätzt. Viele schieben das Thema vor sich her, weil sie nicht den Mut haben, proaktiv vorzugehen. Zahlreiche Studien belegen: Wenn die Seniorengeneration nicht frühzeitig die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Übergang schafft, ist das Risiko des Scheiterns groß. Fast jede zweite Nachfolgeregelung in Familienunternehmen gerät zum Flop, weil sie unprofessionell und zu spät angefasst wurde. Das belegen zahlreiche Studien von Industrie- und Handelskammern und des Dehoga.

Dies erfuhr auch Hotelier K. aus Bayern am eigenen Leibe. Von seiner Hausbank erhielt er die Nachricht, dass die Überziehungszinsen auf seinem Geschäftskonto »mit sofortiger Wirkung« um fünf Prozent erhöht werden. Erbost über so viel Unverfrorenheit fragte der 64-jährige Hotelier seinen Banker nach der Begründung: »Vor zwei Jahren hatten wir Sie um ein Übergabekonzept für Ihre Altersnachfolge gebeten, um die spätere Rechtsnachfolge der Gesamtverbindlichkeiten des Betriebes geklärt zu sehen«, so die lapidare Antwort. Die Bank müsse schließlich daran interessiert sein, zu erfahren, von wem und mit welchem Betriebskonzept die verlässlichen Zins- und Tilgungsraten abgetragen werden. Dieses Konzept liege bis heute nicht vor. Panik brach aus. »Wer soll das noch erwirtschaften?« In anderen Fällen reagieren Großlieferanten bei langfristigen Verträgen mit dem Wunsch nach Vorauszahlungen, um ihr Risiko beim Scheitern einer Nachfolgeregelung ihres Kunden abzusichern.

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