HotelzimmerLogis ohne Handicap

Barrierefreiheit ist nicht nur für behinderte Menschen eine wichtige Vor­aussetzung für ein ungetrübtes Urlaubsvergnügen, auch immer mehr ältere Gäste nehmen sinnvolle Erleichterungen dankend in Anspruch. Die Branche reagiert bereits auf die steigende Nachfrage, gleichzeitig setzt die Politik das Gastgewerbe unter Druck.

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Die Nachfrage nach Angeboten für Menschen mit Handicap wird Studien zufolge in den kommenden Jahren und Jahrzehnten infolge des immer höheren Lebensalters kontinuierlich steigen. Zur Zielgruppe zählen dabei nicht nur die rund neun Millionen Menschen mit Behinderungen in Deutschland, sondern auch ältere oder erkrankte Menschen, Familien mit Kindern oder Schwangere. Experten gehen von insgesamt 20 Millionen Menschen aus, für die barrierefreie touristische Angebote interessant sein könnten – dies entspricht fast jedem vierten Deutschen.

Doch einfach mal so in den Urlaub zu fahren, bleibt für Menschen mit spezifischen Bedürfnissen oft ein unerfüllter Wunsch. Zu groß sind ihre Ängste oder Erfahrungen, unterwegs Überraschungen zu erleben, die ihr Urlaubsvergnügen einschränken. Eben diese Negativerfahrungen aus dem Weg zu räumen, haben sich in jüngster Vergangenheit immer mehr Hotels zum Ziel gesetzt. So beispielsweise das neue HotelSportforum, welches der Verein »Ohne Barrieren« am 2. August in Rostock eröffnet hat und das als größtes integratives Hotel Europas vermarktet wird. Neben optimalen Trainings- und Erholungsbedingungen für Athleten mit oder ohne Behinderung bietet es 166 Betten in 92 Zimmern, darunter neun barrierefreie Übernachtungsmöglichkeiten mit höhenverstellbaren Betten, speziell ausgestatteten Bädern und einer zusätzlichen Sofaecke. Des Weiteren können beispielsweise in der »Paralympics Suite« nach Absprache Duschhocker, Pflegebett oder Lifter hinzugebucht werden.

Auch in Kempten wird der Hotelmarkt künftig um ein Hotel belebt, das seinen Schwerpunkt auf Menschen mit Behinderung setzt. 18 von insgesamt 57 Doppelzimmern sind für Rollstuhlfahrer ausgelegt; in einigen Einheiten gibt es zudem noch eine Küchenzeile oder ein Extrazimmer für eine Begleitperson. Hinter dem Projekt steht der Verein Körperbehinderte Allgäu, dessen Geschäftsführer Reinhold Scharpf der Meinung ist, dass mehr behinderte Menschen verreisen würden, wenn es das entsprechende Angebot gäbe.

Unterfahrbarkeit bringt ­Pluspunkte

Dass man als spezialisierter Hotelbetrieb durchaus erfolgreich wirtschaften kann, zeigt das HausRheinsberg Hotel am See in Brandenburg, eines der größten komplett barrierefreien Hotels in Deutschland. Rund 40.000 Übernachtungen erzielt das 107-Zimmer-Haus im Ruppiner Land pro Jahr, was weit über dem Durchschnitt der Region liegt. Das von der Fürst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin errichtete Hotel gilt als Modellprojekt für barrierefreie Hotellerie, was vor allem an der durchdachten Konzeption des Gebäudes liegt. »Für Menschen im Rollstuhl sind Details wichtig, die oftmals übersehen werden und nur in wenigen Häusern gewährleistet sind: höhenverstellbare Betten, keine versteckten Schwellen vor Dusche und Balkon oder Zimmergrößen, die auch für größere Rollstühle Freiraum bieten«, erklärt Gründungsdirektorin Corinna Fritz. Hinzu kommen in allen Räumen automatische Türen, zahlreiche Handläufe sowie befahrbare Balkone und Terrassen. Wie so oft sind es aber die Details, die den Aufenthalt für behinderte Gäste erst richtig angenehm machen. So wurden die Zimmerkarten-Systeme auf niedrigerer Höhe angebracht, als es der Norm entspricht, die Einhandmischer in den Bädern sind mit einem verlängerten Griff ausgestattet worden, und da auch gehörlose Menschen zur Klientel des Hauses zählen, wurden in den Zimmern Telefone mit optischem Signal installiert.

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