Hotelaktienbörse 3/2012Liquidität treibt die Kurse

Die Aktienbörsen schwimmen derzeit im »Meer der Liquidität«, das die Notenbanken in den vergangenen Monaten durch ihre generöse Geldpolitik geschaffen haben. Hinzu kommt, dass auch zahlreiche Unternehmen auf einem riesigen Liquiditätsberg sitzen. Dieser wird jetzt vor allem für Fusionen und Übernahmen eingesetzt, was die Fantasie der Aktien-Anleger zusätzlich beflügelt. Die Gefahr einer durch die Staatsschuldenkrise verursachten rezessiven Entwicklung in Europa und den USA ist in den Aktienkursen aktuell nicht eingepreist, schließlich sind die repräsentativen Aktienindizes sind zuletzt auf den höchsten Stand seit sieben Monaten geklettert. Auch Hotel- und Tourismusaktien profitierten von der zunehmenden Kaufbereitschaft.

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Nichtsdestotrotz gehen zahlreiche Experten davon aus, dass die Entschuldungswelle in den westlichen Industrieländern – in der Fach­sprache als »Deleveraging« bezeichnet – eine Schrumpfwirkung auf die Weltkonjunktur haben wird. Denn zahlreiche hoch verschuldete Staaten fallen auf der Nachfrageseite praktisch aus, was die Wachtumskräfte vor allem in Europa und den USA negativ beeinflussen wird.

Dass das globale Luftfracht-Aufkommen im Jahr 2011 nach Angaben der International Air Transport Association (IATA) um 0,6 % gefallen ist, könnte ebenso ein Zeichen für eine Abschwächung der globalen Aufschwungkräfte sein wie der Fakt, dass der globale Frachtraten­index auf den Weltmeeren zuletzt auf den nied­rigsten Stand seit 25 Jahren gefallen ist. Andererseits wird der von der IATA gemeldete 6,9%ige Anstieg des weltweiten Flugpassagier-Aufkommens als Zeichen der konjunkturellen Stabilität gewertet. Allerdings kommt diese Entwicklung nicht überraschend, denn angesichts der zunehmenden Reiselust der Chinesen und Inder war ein entsprechender Wert bereits erwartet worden.

Deutschland

Nach wie vor geben die von der Tourismus- und Hotelbranche in Deutschland vorgelegten Zahlen keine klare Indikation auf eine kommende Rezession. So hat das Gastgewerbe im Gesamtjahr 2011 in Deutschland nominal 3,8 % und real 2,4 % mehr umgesetzt als im Vorjahr und konnte – nach dem durch die Wirtschaftskrise bedingten Umsatzrückgang im Jahr 2009 – zum zweiten Mal in Folge eine nominale Umsatzsteigerung gegenüber dem jeweiligen Vorjahr erzielen.
Europas führender Touristikkonzern, die TUI AG, wird ihre Beteiligung an Hapag-Lloyd – vorbehaltlich der Zustimmung durch die Gesellschafter des Albert Ballin Konsor­-tiums – weiter reduzieren, dadurch gleichzeitig die Hybrid-Finanzierung beenden und bis zum 30. Juni 2012 einen Barmittel-Zufluss in Höhe von 700 Mio € verbuchen.

Um den vollständigen Ausstieg aus der Containerschifffahrt zu vollziehen, erhält TUI das Recht, jederzeit ab Ende Juni 2012 einen Börsengang mit vorrangiger Platzierung der von TUI gehaltenen Hapag-Lloyd-Aktien zu verlangen. Die Hannoveraner bleiben daneben unverändert berechtigt, die verbleibenden Hapag-Lloyd-Anteile an Dritte zu verkaufen. Der Mittelzufluss soll zur weiteren Schuldenreduzierung genutzt werden und damit dem TUI-Management höhere Handlungsfreiheit im Kerngeschäft Touristik ermöglichen.

Positive Nachrichten hatte auch das Management der Hotel.de AG für die Aktionäre parat, denn das Unternehmen verzeichnete im Geschäftsjahr 2011 einen erneuten Umsatzanstieg im Kerngeschäft um 13,4 % auf 41,02 Mio €. Dabei profitierte die Gesellschaft vor allem von der stabilen wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland und dem damit verbundenen Anstieg der Hotelübernachtungen. Vor dem Hintergrund der erschwerten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch die europäische Schuldenkrise entwickelte sich das Auslandsgeschäft indes schieriger. Mit einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern in Höhe von 1,19 Mio € wurde der Vorjahreswert von 2,03 Mio € und damit auch die eigene Prognose verfehlt. Der Jahresüberschuss wird nach vorläufigen Zahlen bei 1,1 Mio € (nach 1,78 Mio €) liegen.

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