EnergiemanagementKomfort mit grünem Gewissen

Im sri-lankischen Dschungel ohne Strom, im griechischen Hochsommer ohne Klimaanlage und auf der Zugspitze im Winter ohne Heizung. Kein Wunder, dass man hierdurch Energie spart, mag man sich denken – doch zu welchem Preis? Ausgewählte Beispiele der Eco Hotels of the World zeigen, dass die Gäste hier trotzdem nicht auf Luxus und Komfort verzichten müssen

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»Highend camping« hört sich nach einem Widerspruch in sich an. Doch wer einmal die 25 kuppelförmigen Zelte des EcoCamp Patagonia im Herzen des Torres del Paine, dem bekanntesten Nationalpark Chiles, betreten hat, weiß, was gemeint ist: bequeme Betten, heiße Duschen, gutes Essen und Wein – alles da. Die Unannehmlichkeiten des Zeltens entfallen, das aufregende Erlebnis bleibt. Und das bei minimalem Einfluss auf das empfindliche Ökosystem der Umgebung. »Wir beziehen 100 Prozent der Energie aus natürlichen und erneuerbaren Ressourcen. 40 Prozent stammen aus Solaranlagen, 60 Prozent aus Wasserkraft«, erklärt EcoCamp-Mitbegründer Yerko Ivelic. Nur um Wasser zu erhitzen, werde Gas verwendet. Alle Zelte sind über Holzpfade, die nachts mit Solarlampen beleuchtet sind, miteinander verbunden, damit Flora und Fauna so wenig wie möglich beeinträchtigt werden. Aufgrund dieser und zahlreicher weiterer Maßnahmen ist das Camp seit vier Jahren ISO 14001-zertifiziert. »Wir sind stolz auf die internationale Anerkennung, die unser EcoCamp durch unser Engagement für die Umwelt erfährt«, erklärt Yerko Ivelic. »Wir haben es geschafft, ein Hotel zu führen, das die Umwelt schützt und keine Fußabdrücke hinterlässt.« Seit 2008 ist es CO2-neutral. In naher Zukunft soll das Camp vollkommen CO2-frei sein.

Einen ähnlich ehrgeizigen Vorsatz verfolgt Michael Heaver, Sales & Marketing Manager im Kewarra Beach Resort & Spa im nördlichen Queensland, Australien: »Unser langfristiges Ziel ist es, komplett autark zu sein, was den Energiebedarf angeht. Wir sind uns bewusst, dass das schwierig wird, aber es ist nicht unmöglich.« Als das Resort 1985 mitten im tropischen Regenwald eröffnet wurde, galt der damalige Besitzer des Resorts als »Front-Runner«. Heaver stieß zwei Jahre später dazu. Zusammen mit Sean Howard, dem heutigen Eigentümer, gilt für ihn seitdem die Philosophie, die Identität der Region zu schützen. Beispielsweise seien die neun Köche des Resorts darauf getrimmt, nur Lebensmittel zu verwenden, die aus einem Umkreis von unter 100 Kilometern stammen. Viele weitere Maßnahmen – wie der Einsatz von Solarenergie und von möglichst energiesparenden Geräten – tragen dazu bei, dass »diese kleine Oase« die ursprüngliche Natur Queenslands widerspiegelt.

Auch an anderen Orten der Erde legt man Wert darauf, die Umgebung zu erhalten bzw. die natürlichen Energiequellen zu nutzen. So auch im Best Western Plus Kamloops Hotel im Westen Kanadas: Aufgrund seiner Lage am »Ring of Fire« verfügt Kanada über enorme geothermische Energie – und diese macht man sich im Best Western zunutze. Alle öffentlichen Bereiche, Warmwasser und der Pool werden durch Erdwärme erhitzt. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Heizung können so nach eigenen Angaben über 35 Prozent Energie gespart werden.

Im sonnenverwöhnten Griechenland ist es dagegen wichtiger, für Abkühlung zu sorgen. Und das gelingt im Levendis Estate auf der ionischen Insel Ithaka ganz ohne Klimaanlage. »Die vier Gebäude der Anlage sind komplett isoliert und die Böden mit Schieferplatten ausgelegt. Außerdem sind die Häuser so ausgerichtet und gebaut, dass sie sich die passive Kühlung der Meereswinde zunutze machen«, erläutert Marilyn Raftopulos, die das Hotel gemeinsam mit ihrem Mann Spero leitet. Hinzu kämen Kletterpflanzen, die auf der Veranda Schatten spenden, und zahlreiche Bäume rund um die Gebäude, um die direkte Sonneneinstrahlung auf ein Minimum zu reduzieren. Der Plan für die kommenden zwölf Monate: Der gesamte Energieverbrauch des Hotels soll durch Solar- und Windenergie abgedeckt werden.

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