Kolumne zum Thema GlutenAlternativlose Alternativnahrung

Tophotel-Autor Frank Puscher hat in diversen Hotels ganz eigene Erfahrungen bei der Bestellung glutenfreier Speisen gesammelt. Diese waren zum Teil grenzwertig.

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“Das war knapp: In einem sehr schönen Vier-Sterne-Hotel mit beeindruckendem Abendbuffet entschied man sich aus gesundheitlichen Gründen für die vegetarische, glutenfreie Suppe – dem Schild nach eine Möhren-Ingwer-Essenz mit Möhren-Ingwer-Klößchen. Der Nachbartisch folgte der Entscheidung. Plötzlich entstand Unruhe. Der Nachbartisch zitierte die Servicekraft heran, worauf eine hitzige Diskussion folgte. Auch bei uns wollte man den Klößchen nicht vertrauen, da diese eine sehr feste Konsistenz hatten und eher Huhn ähnelten als Möhre-Ingwer.

Vom Nachbartisch erfuhren wir, dass das ein Kennzeichnungsfehler sei und es sich um Griesklößchen handelte. Glutenfreie Griesklößchen? Nun verlagerte sich die Diskussion an unseren Tisch. Ja, es sei Maisgries gewesen. Und die fast weiße Farbe habe man erreicht, in dem man ganz viel Butter und Milch zugesetzt habe. Dann war es wohl ein zweiter Kennzeichnungsfehler, dass die Suppe auf dem Schild auch als »laktosefrei« gekennzeichnet war.

Liebe Hoteliers. Verpasst nicht diese einmalige Chance, die darin liegt, dass die Zahl der Gäste mit Unverträglichkeiten kontinuierlich steigt. Rund ein Prozent aller Deutschen haben ein Problem mit dem Weizenkleber Gluten. Und knapp 15 Prozent vertragen kein Milcheiweiß. Von den Gästen, die sich »freiwillig« diätisch ernähren, wollen wir nicht erst sprechen. Die Chance für die Hoteliers liegt im individuellen Service, mit dem man sich zum Beispiel von der Kettenhotellerie differenzieren kann. Wer seinen bedürftigen Gästen Entsprechendes anbietet, erarbeitet sich neue Stammkunden.

Und es geht nicht um das überbordende – und kostenseitig schwer darstellbare – Vollsortiment. Viele Allergiker sind sehr genügsam, denn sie sind es gewohnt, dass man sich eher gar nicht darum kümmert. Doch selbst das wäre nicht das entscheidende Problem. Viel schlimmer wiegt eine falsche Kennzeichnung. Bei Gluten-Allergikern kann falsche Ernährung zu Blutungen führen und mit einem sonntäglichen Krankenhausbesuch enden. Bei Nichtkennzeichnung bleibt die Verantwortung beim Gast und er weiß damit umzugehen.

Glutenfrei? “Das hat uns der Bäcker so geliefert”

In einem Fünf-Sterne-Wellness-Hotel wurde uns glutenfreies Brot aus Dinkelmehl angeboten. Auf den Hinweis, dass Dinkel das glutenreichste Mehl überhaupt ist, kam die Antwort: Das hat uns der Bäcker so geliefert. Und die Unwissenheit kulminiert, wenn es im gleichen Körbchen wie normales Brot gereicht oder mit den gleichen Messern geschnitten wird. Falsche Kennzeichnung ist kein Kavaliersdelikt, es ist handwerkliche oder organisatorische Inkompetenz und zieht absoluten Vertrauensverlust nach sich.

In oben genanntem Vier-Sterne-Haus hatte die Küche es vorgezogen, das fragwürdige Schild vom Buffet zu entfernen. Der Hoteldirektor wurde unterdessen nicht informiert. Zumindest nicht gleich und nicht von seinem Team, sondern etwas später von einem verstörten Gast.”

Autor: Frank Puscher

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