Gastronomie-KonzepteKochen für Kinder: Spagat statt Spaghetti

Es ist fast 18:30 Uhr, seit einer Stunde ist nichts los, der Abendbetrieb beginnt heute offensichtlich etwas später als sonst. Die Tür geht auf, ein älteres Ehepaar kommt herein, dahinter die Tochter nebst Ehemann und drei Kindern im Alter von zwei bis neun Jahren. Für die Servicemitarbeiter ist das das volle Programm. Besser jetzt als später, alle Gäste werden einzeln begrüßt, vor allem die Kinder …

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Die Frage nach dem Namen ermuntert zu weiteren Gesprächen. Während die Kinder bereits ihren Drink am Tisch haben, sinnieren die Eltern noch, wer Auto fährt, und, und, und … Hauptsache, die beiden älteren Kinder fühlen sich wohl. Die Frage, was sie essen wollen, wird von der Mutter unverzüglich beantwortet. Jetzt ist Geschicklichkeit gefordert, denn eine Großfamilie steigert den Umsatz – und um den geht es.

Der Schlüssel dazu liegt in den Herzen der Kinder. Sie sind offen und wissbegierig, fürchten aber Langeweile und suchen stetig Anregung. Das ist es, was Kinder als Gäste aber auch interessant macht. Vor allem die Eltern staunen nicht selten, wenn anstelle der Speisekarte den Kindern der Weg in die Küche gezeigt wird. Große Kinderaugen zwischen dampfenden Töpfen, dahinter der Koch, der den Nachwuchs freundlich begrüßt. Von Natur aus sind Kinder in einer fremden Umgebung vorsichtig, der Koch mit seiner weißen Jacke nebst Kochmütze wird eher respektvoll beäugt. Kein Zweifel, die Kinderherzen schlagen höher, die Neugier obsiegt und das Eis ist gebrochen, wenn sich der Chef persönlich ihrer annimmt.

Viel gibt es zu sehen, zu riechen, aber auch anfassen sollte erlaubt sein und vor allem probieren – denn es gibt hier viel mehr zu schmecken, als es die Kinder aus ihrem Alltag kennen. Die Speisekarte wird zur Nebensache, berichtet Martin Schlösser, der in seiner Kochschule auch Kinderkochkurse gibt: »Die haben sich schon ein Sieben-Gänge-Menü zusammengestellt – und auch aufgegessen!« Diese Erlebnisse bleiben haften, Kinder erinnern sich sehr gut und die Frage, wo die Familie demnächst essen gehen soll, stellt sich künftig nicht mehr.

Eine offene Küche, wie bei Martin Schlösser, hat Vorteile, aber eine Expedition ins Reich der Kochkunst ist auch in kleineren Küchen möglich – allerdings nicht immer und auch nicht immer wieder. Das Erlebnis Küche muss etwas Besonderes bleiben, zumal bei Hochbetrieb sowieso wenig Zeit bleibt. Aber der Blick hinter die Kulissen ist immer ein Highlight, weiß Küchenmeister Gerhard Krütten zu berichten. Seine Küche ist zwar klein, dennoch bittet er seine jungen Gäste gern herein.

In seinem Restaurant hat er ein Konzept verwirklicht, das nicht nur kindgerecht, sondern auch familiengerecht sein soll. »Schließlich bringen die Kinder die Eltern mit«, sagt er. »Schwierig ist es, für alle Altersgruppen etwas zu bieten, der Wickeltisch gehört dazu, eine fantasievolle Spielecke und natürlich auch ein paar Gesellschaftsspiele.«

Denn nach dem Besuch in der Küche und der Bestellung gilt es, die Zeit bis zum Hauptgang zu überbrücken. Ein Brettspiel ist für Alt und Jung eine willkommene Abwechslung. Aber auch einen Malblock und Buntstifte nehmen die kleinen Racker gern an. Martin Schlösser berichtet aus seiner Erfahrung: »Heute ist das doch nicht mehr teuer, ein eigenes Malbuch zu drucken. Das kostet nicht mehr, als eine Anzeige in der örtlichen Zeitung.« Ein wenig Kreativität gehört dazu, aber das sollte Köchen nicht unbekannt sein. Vielleicht findet sich unter den Bekannten und Freunden ein Grafik- oder Kunststudent, der gern ein paar Ideen umsetzt – auch das muss nicht teuer sein. Verhandlungssache eben. Die Auflage sollte im Idealfall eher klein sein und häufiger wechseln.

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