Klimakonzept im Arborea Marina Resort NeustadtFrüh einsteigen lohnt sich

Das Arborea Marina Resort Neustadt verfügt über eine Klimaanlage, die jedes Zimmer individuell mit Wärme, Kälte und frischer Luft versorgt. (Bild: Arborea)

Das im Sommer 2018 eröffnete Arborea Marina Resort in Neustadt in Holstein hat mit seinem Nachhaltigkeits-Konzept den Daikin-Wettbewerb „For F.R.E.E.“ gewonnen und wurde kostenlos mit Klima- und Lüftungstechnik ausgestattet. Eine erste Bilanz mit Johann Kerkhofs, Managing Director der Arborea Hotels und Resorts GmbH, und Thomas Graupensberger, Leiter Vertrieb Gewerbe bei Daikin.

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Hotel+Technik: Herr Kerkhofs, Sie sind ein Verfechter von Klima- und Lüftungstechnik im Hotel. Warum?

Johann Kerkhofs: Ich würde heute jedes Hotel klimatisieren. Die Gäste genießen so vor allem während der besonders heißen Tage einen Mehrwert. Manche Sommerurlauber buchen das Arborea Resort an der Ostsee aus diesem Grund. Auch eine aktive Belüftung ist wichtig. In Zimmern, die nicht aktiv belüftet werden, setzt sich oft ein merkwürdiger Geruch fest.

Arborea hat sich beim Wettbewerb „For F.R.E.E.“ von Daikin durchgesetzt. Was wurde im Zuge dessen im Hotelbau integriert?

Thomas Graupensberger: Im Arborea Resort ist die Kerntechnik die Luft-Luft-Wärmepumpe. Jedes Zimmer, die Lobby und andere öffentliche Bereiche verfügen über ein Klimagerät, das kühlt und heizt. Die Klimatisierung oder die Beheizung kann über die Luft realisiert werden, Fußböden oder Wände können auch als Heizfläche dienen. Darüber hinaus haben wir den Bereich der Lüftungstechnik. Das ist ein separater Baustein, der die Frischluftversorgung im Gebäude sichert. Diese Geräte werden auch mit Wärme und Kälte von den Daikin-Systemen versorgt. Die Gewerbekälte kommt ebenfalls aus unserem Unternehmen. Die Abwärme wird zum Beispiel zum Vorwärmen von Warmwasser oder für die Fußbodenheizungen genutzt.

Konnten Sie an das Projekt anders herangehen als sonst?

Graupensberger: Ja, denn wir waren dieses Mal wirklich von Beginn an dabei. Das ist die ideale Ausgangssituation bei Hotelbauprojekten. Meist wurden wir erst dann hinzugezogen, als schon verschiedene Planungen abgeschlossen waren, so dass wir nur noch bedingt eingreifen konnten. Das Ergebnis war dann nicht das, was sich der Auftraggeber gewünscht hatte, weil an vielen Stellen ‚abgespeckt‘ wurde, da der Investitionskostenfaktor mehr im Fokus stand als der Betriebskostenfaktor. Für uns hat sich durch die Auslobung des Wettbewerbs eine völlig neue Chance der Einflussnahme ergeben. Voraussetzung für das Gewinnerprojekt war, dass das Konzept so viel erneuerbare Energien nutzt wie möglich. Dabei hat Arborea überzeugt.

Kerkhofs: Wir bei Arborea stellen fest, dass sich einige Planungsbüros nicht nach innovativen Lösungen umsehen. Dabei liegt das doch im Interesse der Investoren und der Betreiber. Ich unterstreiche unbedingt, so früh wie möglich gemeinsam nach der besten Lösung zu streben.

Und wie verlief hier die Abstimmung?

Graupensberger: Bei solchen Projekten müssen immer erstmal alle Beteiligten auf einen Nenner kommen. Der Planer musste sich mit uns abstimmen, Ideen sowie Konzepte anpassen und auch unsere Vorschläge übernehmen. Das hat mit der Unterstützung des Betreibers und des Auftraggebers aber dann auch gut funktioniert. Wenn alle schlussendlich an einem Strang ziehen, so wie es bei diesem Projekt war, steht einer erfolgreichen Umsetzung nichts im Wege.

Kerkhofs: Innovation tut manchmal weh. Alles, was neu ist, ist schwierig und unbequem. Am Ende steht dann aber ein gutes Ergebnis und alle Beteiligten sind zufrieden.

Welche Maßnahmen zur Energieeffizienz haben Sie – auch als Vorgabe von Daikin – bei Arborea umgesetzt?

Kerkhofs: Ursprünglich hatten wir Geothermie für das Hotel geplant. Aber Probebohrungen haben ergeben, dass das Gestein zu hart ist, und wir mussten von der Idee Abstand nehmen. Entstanden ist dafür ein Blockheizkraftwerk, das das System mit Strom versorgt. Die ganze Beheizung sollte über erneuerbare Energien mit Wärmepumpe realisiert werden. Das haben wir auch geschafft. Einzig die Warmwassererzeugung wird nicht über das System realisiert, sondern über das BHKW. Generell wird die Nutzung fossiler Energien bei Arborea so niedrig wie möglich gehalten. Die gesamte Technik musste schließlich verknüpft werden, um einen reibungslosen und effizienten Ablauf zu gewährleisten. Die Schnittstellen dafür hat Daikin geliefert.

Gibt es bereits Ergebnisse, wie energieeffizient das System läuft?

Graupensberger: Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) erhebt während des laufenden Hotelbetriebs alle energierelevanten Verbrauchsdaten, um die Energieeffizienz und -ersparnis des Hotels zu bewerten. Die Ergebnisse basieren auf den Standardzählern für Strom, Wasser und Wärmemenge. Zu diesem Messtechnikkonzept gehören auch Messwerte der Energieversorgungsunternehmen und des BHKWs. Die ersten Zahlen von Januar bis März 2019 liegen uns vor. Das ist eine Zeit, die sehr energieintensiv ist. Noch weicht die Hochrechnung auf ein Jahr von den erwarteten Werten ab, was aber ganz normal ist. Die Optimierung startet immer im Betrieb.

An welchen Stellen justieren Sie nach?

Graupensberger: Das sind glücklicherweise nur ganz banale Dinge. Es haben nicht alle Schnittstellen von Anfang an funktioniert wie geplant, weil zum Teil gewerkübergreifend nicht aureichend kommuniziert wurde. Zum Beispiel sollte sich die Fußbodenheizung ausschalten, wenn das Klimagerät aktiviert wird. Das war noch nicht perfekt aufeinander abgestimmt, das haben wir allerdings schon behoben.

Herr Kerkhofs, wie lautet Ihre Bilanz nach dem ersten Jahr?

Kerkhofs: Ich bin sehr froh, dass wir die Technik installiert haben. Ein Jahr nach der Eröffnung läuft das meiste schon sehr gut. Wir stehen jetzt vor der spannenden Aufgabe, gewisse Gegebenheiten zu optimieren. Das Konzept hat Potenzial. Manches müssen wir im Nachhinein machen, weil es in der Bauphase nicht umgesetzt wurde. Das hängt aber auch damit zusammen, dass das Planungsbüro noch nie mit einem solchen Konzept gearbeitet hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Kollegen beim nächsten Hotel dieses Konzept sogar vorschlagen.

Soll das Konzept eine Blaupause für die kommenden Arborea Resorts werden?

Kerkhofs: Ich werde dafür plädieren, auch bei anderen Projekten dieses Konzept umzusetzen. In anderen Häusern würde ich auch gern zusätzlich mit Photovoltaik und Geothermie arbeiten. Photovoltaik war in Neustadt nicht möglich, da durch die Hochwassergefahr die Haustechnik aufs Dach gesetzt werden musste.

Wie lautet das Fazit bei Daikin?

Graupensberger: Dieses Projekt hat deutlich gemacht, dass es sich gelohnt hat, zu diesem frühen Stadium einzusteigen. So bekommen wir mit, falls am System etwas nicht rund läuft und können schnell entgegensteuern. Außerdem schätze ich die Nähe zu den Betreibern und Auftraggebern. Enge Abstimmungen sind von Vorteil, daher lief das Projekt auch so erfolgreich, auch jetzt in der Optimierungsphase. Gern möchten wir die Projekte aber im Nachhinein noch begleiten und schauen, wie wir das System verbessern können und wissen, was besonders gut funktioniert hat. Deshalb haben wir ein Team gegründet, das im Vorfeld mit Betreibern, Investoren und Hoteliers spricht, aber auch nach Abschluss des Projekts einen Service zur Optimierung bietet.

Interview: Mareike Knewitz

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