Kike Sarasola / Room Mate ValeriaPlanet Farbe

Individualistisch kreiert die spanische Kette Room Mate weltweit ihre Hotels und ist seit 2006 schon auf 4.000 Zimmer angewachsen. Das Erfolgsgeheimnis für das Konzept »Zu Besuch bei Freunden« basiert auf drei Faktoren: bequeme Betten, begehbare Dusche mit Tropenregen und »Likes« im Netz.

Der Ausblick von der Dachterrasse des Room Mate Valeria ist atemberaubend: Ein freier Rundumblick auf die Stadt und den Hafen von Málaga. Rechts dreht sich das Riesenrand, links erhebt sich stolz die Kathedrale. Gastgeber ist Enrique »Kike« Sarasola, 54 Jahre alt und Liebling der spanischen Medien. Das Magazin »GQ« wählte ihn 2015 zum »Mann des Jahres«. Er war als Vielseitigkeitsreiter dreimal bei den Olympischen Spielen, danach als Motivator tätig und anschließend legte er einen Höhenflug als Senkrechtstarter in der Hotelbranche hin. Acht Boutiquehotels hat er 2015 innerhalb von zehn Monaten eröffnet, zugleich sein zweites Buch veröffentlicht und nebenbei noch eine TV-Show aus dem Ärmel geschüttelt. Der Titel: »Hotel Hölle«. Hauptdarsteller: Sarasola. 

Der Grund, warum er Hotelier wurde, ist ganz banal: »Unter den Modemachern, Designern und Fotografen haben wir sehr viele Freunde. Sie ärgerten sich immer wieder, dass die Hotels unter der Woche nach zehn Uhr kein Frühstück mehr anbieten.« Diesen Nachtmenschen beschloss er zu helfen. In seinen Hotels kann man bis zwölf Uhr mittags frühstücken. Zu den Annehmlichkeiten gehört auch ein Late-Check-out für Langschläfer. »Keine Bank wollte meine Hotelidee finanzieren«, berichtet Sarasola weiter. Da seine Mutter aber aus einer reichen kolumbianischen Familie stammt, konnte sich das Unternehmen aus Privatkapital finanzieren. 70 Prozent gehören Sarasola gemeinsam mit drei weiteren vermögenden Freunden. Die restlichen 30 hat eine gute Freundin übernommen – Sandra Ortega, deren Vater das Textilunternehmen Zara gründete. »Eine Hotelkette aufbauen, ist fast wie Monopoly spielen«, meint Sarasola. »Erst würfeln und dann Schritt für Schritt das nächste Haus dazu kaufen.« Sarasolas Leben als öffentliche Person sei ein maßgeblicher Grund für den Erfolg seiner Hotels: »Die Macht der sozialen Netzwerke ist unglaublich. Vom ersten Tag an rennen uns die Gäste die Bude ein. Jeder scheint begeistert zu sein und teilt es im Netz. So können wir expandieren, wohin wir wollen.« Bisher ist die Weltkarte mit 24 Room Mate Hotels markiert, unter anderem in Istanbul, Amsterdam, Barcelona, Florenz, Rom und New York. Jahr für Jahr sollen es mehr sein. Mexico City, Milano, Oviedo, Salamanca warten schon und auf der bunten Meile des Art-Déco-Viertels von Miami Beach wurden kürzlich zwei Nostalgieobjekte erworben: Waldorf Towers und Lord Balfour. 

Jedem Hotel wurde neben dem Brand Room Mate noch ein Vorname gegeben. Giulia in Milano, Leo in Granada. Die Objekte sind personifiziert, um sich individuell in sie verlieben zu können. Für jedes Haus lässt sich Sarasola etwas PR-Wirksames einfallen. »Wollen Sie mit mir schlafen?«, heißt es auf dem Fassadenbanner beim Room Mate Laura in Madrid. Und Óscar Madrid fragt zurück: »Wollen Sie mit mir aufwachen?« 

Bei Valeria in Málaga ist Kike Sarasola allgegenwärtig. An der Rezeption liegt sein Motivationsbuch aus: »Más Ideas y menos Másters« (sinngemäß: Ideen statt Sklaventreiber). Beim Einchecken erhalten die Gäste ein WLAN-Passwort; nicht nur im Hotel ist damit das Surfen kostenlos, sondern sogar in der ganzen Stadt – ein weiterer Baustein des Room-Mate-Konzepts. Im Aufzug flimmert in der Endlosschleife das Video mit seinem kahlen Kopf. Bevor man den vierten Stock erreicht, hat das System schon erklärt, wie das Hotel funktioniert: »Erfreut Euch an Farben, Formen und Flair.« Auf dem kleinen, bunten Hotel-Planeten dominiert vor allem Grün. Im Flur ziert ein tropischer Blätterprint die Tapeten und erweckt beim Gast fast den Eindruck, er würde durch ein Gewächshaus schreiten. Im Zimmer empfängt ihn andalusischer Frohsinn mit breiten Streifen in Grün, Blau oder Türkis, die sich vom Boden bis über die Decke ziehen und den glänzenden, schwarzlackierten Möbeln ihre Strenge nehmen. Dazu: typisch andalusische Laternen mit Ornamenten, die effektvolle Schatten werfen. Das Bad mit seinen leuchtend bunten Kacheln verbreitet bereits am Morgen gute Laune. Den Gästen gefällt‘s: Die Bewertungen fallen zu 88 Prozent positiv aus. 

»Er ist ein Mann, der morgens immer mit dem rechten Fuß aus dem Bett steigt«, beschrieb El Pais, Spaniens größte Tageszeitung einmal in einer Wochenendbeilage Enrique Sarasola. Über Business und Privates spricht er fast in einem Atemzug: »Eine Million Übernachtungen im vergangenen Jahr, 68 Millionen Euro Umsatz, eine Steigerung von 34 Prozent.« Und weiter: »Unser zweites Baby trug eine Leihmutter aus, wir sind glücklich.« Wir – das sind Kike und sein Mann Carlos Morrero. Sarasola war einer der ersten Spitzensportler in Spanien, der sich als schwul geoutet hat. Nun setzt er sich für die Rechte Homosexueller ein. Leihmütter seien ein guter Weg, um auch als schwules Paar eine Familie zu gründen. Kike und Carlos leben seit 24 Jahren zusammen. Als Paradebeispiel standen sie mit ihrer Musterehe schon mal auf dem Titel des trendigen Magazins »Zero«. Sein Leben plant Kike Sarasola in seiner Penthouse-Suite auf dem Dach des Hotels Óscar in Madrid – nicht selten in der freistehenden Badewanne im Schlafzimmer. »Mindestens vier Jahre im voraus«, wie er sagt.

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