Interview mit Otto Ambagtsheer Hotel als „Basecamp“ für Shoppingtouristen

Otto Ambagtsheer Via Outlets
Otto Ambagtsheer leitet seit September 2018 das operative Geschäft der Via Outlets. (Bild: Via Outlets)

Otto Ambagtsheer managt elf Outlet-Center in Europa. Er sieht viel Potential für Hoteliers bei der stetig wachsenden Zielgruppe der Shoppingtouristen und hat sieben Trends identifiziert.

Anzeige

Attraktive Einkaufsmöglichkeiten machen Deutschland zur Top-Destination für Shoppingtrips. In den letzten zehn Jahren hat sich deren Anzahl laut dem EHI Retail Institute fast verdoppelt. Jedes Jahr zieht es Reisende aus aller Herren Länder in die Shopping-Paläste deutscher Städte. In den vergangenen zehn Jahren hat sich deren Zahl fast um die Hälfte vergrößert. Bei den Nicht-EU-Touristen, die in den Genuss von Tax-Free-Shopping kommen, beträgt das Wachstum sogar 75 Prozent, so die Studie „Shopping-Tourismus“, die das EHI Retail Institute im Auftrag von Global Blue durchgeführt hat.

Dies gibt nicht nur dem Einzelhandel Aufwind: Otto Ambagtsheer, COO der Via Outlet-Center, über die Wünsche dieser Zielgruppe und das Potenzial des Trends für die Hotellerie.

Tophotel: Herr Ambagtsheer, wie definieren Sie Shoppingtourismus?

Otto Ambagtsheer: Shoppingtourismus zieht sich durch verschiedene Bereiche, Produkte und Dienstleistungen der Reisebranche. Diese spezielle Form des Tourismus beginnt bereits bei der Wahl des Reiseziels, setzt sich während des Aufenthalts fort und beinhaltet, wieder zu Hause angekommen, sogar das Gefühl, das beim Shopping hervorgerufen wurde. Mittlerweile ist Einkaufen einer der Hauptgründe, warum sich Urlauber für einen speziellen Ort entscheiden. Shoppingtourismus ist außerdem ein starker und nachhaltiger Entwicklungsmotor für Regionen: Er sichert Arbeitsplätze und stärkt Unternehmen sowie die lokale Wirtschaft.

Welche Rolle spielt diese Art des Reisens heute und in Zukunft?

Der Shoppingtrip im Urlaub wird immer häufiger im Reisebudget berücksichtigt, vor allem bei Touristen, die genau deshalb ein bestimmtes Ziel besuchen wollen. Das schließt traditionelle Reisenationen wie Italien, Frankreich, Deutschland und Großbritannien ein, aber auch aufkommende Reisemärkte wie Lateinamerika, China oder Russland, die viel Geld im Ausland ausgeben.

Warum wird Shoppingtourismus immer beliebter?

Einkaufen erfüllt den Wunsch, landestypische Erfahrungen zu machen, dazu zählt das Kennenlernen der lokalen Mode, des Designs und der Gastronomie. Diese Souvenirs können das Urlaubsfeeling und die Erinnerungen an den Ort zuhause wieder entfachen. Außerdem haben sich europäische Reiseziele stark als Mode-Metropolen etabliert. Daher sollten – aus Sicht der Reiseindustrie – Shopping-Destinationen ein breites Spektrum an Premiumdienstleistungen und regionstypischen Angeboten bereitstellen, die auf die Bedürfnisse der Urlauber zugeschnitten sind.

Wie können Hotels von der steigenden Bedeutung des Shoppingtourismus profitieren?

Unsere Outlet-Center arbeiten mit Hotels sowie nationalen und lokalen Zimmervermittlern zusammen, um die natürlichen Synergien zwischen Reise- und Einzelhandelsbranche zu nutzen. Wir wollen Gästen während ihres Aufenthalts eine 360-Grad-Erfahrung ermöglichen. Wenn Shoppen der Hauptgrund der Reise ist, sind Empfehlungen von Einheimischen sehr wichtig, um den Besuch zu planen und die besten Optionen zu wählen. In diesem Zusammenhang sind Hotels Schlüsselpartner an den jeweiligen Destinationen, denn sie fungieren als Berater für die Urlauber und nutzen das Marketing-Potenzial, das dem Hotel und der jeweiligen Shopping-Area zugutekommt.

Bis jetzt hat sich das Einkaufen eher auf Stadtzentren konzentriert. Wie können diese Einkaufsgewohnheiten auf Outlet- Center transferiert werden?

Als Experten im Einzelhandel sind wir überzeugt, dass der Preis der entscheidende Faktor ist, der Outlet-Center so erfolgreich macht. Es ist jedoch noch wichtiger, das Shoppingerlebnis mit dem typisch lokalen Charakter unserer Destinationen in Einklang zu bringen – genauso wie ein breites Dienstleistungsangebot, das die Shopping-Tour so bequem und sicher wie möglich macht. Dazu zählen VIP-Lounges, Wi-Fi-Verbindung, Kinderbetreuung, Schneiderservice, Transport, Gepäckaufbewahrung, mehrsprachiges Personal, Entertainment und Unterstützung bei der Mehrwertsteuer-Erstattung, die wir dank der Zusammenarbeit mit ‚Planet Tax Free‘ und ‚Global Blue‘ anbieten können.

Sieben Trends im Shoppingtourismus

Das ultimative Souvenir: Einheimische und handgefertigte Designerobjekte werden zu Erinnerungsstücken, die eine Reise wiederaufleben lassen.

Je näher, desto besser: Die Erreichbarkeit der Location ist einer der Hauptgründe, warum sich Touristen für eine Shoppingdestination entscheiden.

Einkaufen im Nachbarland: Drei Viertel der Reisenden wählen laut der World Tourism Organization (UNWTO) lieber ein Ziel, das in ihrer Nähe liegt. Wer seine Destination vermarkten will, sollte vorausplanen und auf Feiertage der Nachbarländer achten.

„Lokal genial“: Beim Einkaufen geht es – wie beim Reisen – um einzigartige Erfahrungen mit Erlebnischarakter.

Gastro-Faktor: Die lokale Gastronomie kennenzulernen ist einer der Hauptgründe, warum sich Reisende für ein bestimmtes Ziel entscheiden. Das zeigt die hohe Bedeutung der kulinarischen Angebote in den jeweiligen Ländern, vor allem während eines langen Shoppingtrips.

Einfach Shoppen: Shopping auf Reisen sollte einfach und bequem sein. Dafür sind Vereinbarungen mit Partnern entscheidend, wie zum Beispiel bei der Mehrwertsteuerrückerstattung.

Technologie für mehr Zufriedenheit: Zahlungsoptionen in internationaler Währung, mehrsprachige Chatbots und Treueprogramme gehen beim Shoppingerlebnis auf die unterschiedlichen Bedürfnisse ein

Anzeige