Interview mit Bernhard Bohnenberger„Luxus in Flip-Flops“

"Wenn wir Hotels führen wie große Ketten, verlieren wir uns selbst und bald auch unsere Gäste", ist Bernhard Bohnenberger überzeugt. (Bild: Six Senses)

Ein Gespräch mit Bernhard Bohnenberger, Präsident der Luxushotelgruppe Six 
Senses, über die Vorreiterrolle von Back-
packer, neue Spas in den Städten und Spaß an der Arbeit.

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Tophotel: Herr Bohnenberger, erinnern Sie sich an den Beginn Ihrer Six-Senses-
Reise?
Bernhard Bohnenberger: Natürlich, obwohl es in diesem Herbst bereits 27 Jahre her ist, dass ich mir meinen Traum erfüllte. Ich kannte die Luxushotellerie aus dem Effeff, arbeitete mit Top Brands in Genf, Zürich, München und Hongkong und beherrschte alle Themen. Aber irgendwie war es immer dasselbe, sehr standardisiert, auch festge-
fahren.

Wie nahmen Sie das wahr?
Anfang der 1990er-Jahre gab es die alten und traditionellen Palace-Hotels. Wunderschön, aber alle irgendwie ohne Innovation oder positive Energie. Ich war damals unter anderem im F&B tätig, und wir überlegten uns Jahr für Jahr, mit neuen Menüs oder Tischdekorationen den sich stetig wiederholenden Ablauf zu durchbrechen. Ich sehnte mich nach richtiger Kreativität und begann deshalb, mit Gleichgesinnten vor allem das Thema Resort-Hotellerie näher zu betrachten.

‚Resort‘ hieß damals primär ‚Badeferien für die Massen‘.
Genau. Im Prinzip waren es City-Hotels, die man an einen Strand ‚geworfen‘ hat. Und solche Hotels gibt es auch heute noch. Aber warum soll ein Gast um die halbe Welt fliegen, um dann in einer Art Stadt-Hotel in Phuket, Bali oder Brasilien zu übernachten? Bei den Luxushotels musste man zudem am Abend ein Jackett anziehen, eine Krawatte, und dinierte dann in einer edlen, aber steifen Atmosphäre, wo man von der Destination nichts mehr spürte.

Wie lautete Ihr Gegenentwurf?
Wir wollten für die Gäste die Destination zum Erlebnis machen, und zwar nicht nur mittels ein paar einheimischer Menüs, sondern richtig, mit voller Energie und kulturellem Austausch. Wir überlegten, ob es überhaupt noch klassische Zimmer brauchte, oder ob die Gäste auf dem Schiff, in einem Zelt oder sogar im Freien unter dem Sternenhimmel nächtigen könnten. Also gründeten wir in Bangkok die Firma Pavillon-Resorts; vorerst aber ohne Hotels. Es wurde ziemlich schnell klar, dass wir viel Geld brauchten, sprich Investoren, um unsere Träume zu verwirklichen. Ohne es an die große Glocke zu hängen, führten wir zwischenzeitlich sogar kleine Gasthäuser oder übernahmen Beratungsmandate, einfach, damit Geld reinkam.

Und dann trafen Sie den indisch-britischen Hotelier Sonu Shivdasani.
Ja. Er besaß zusammen mit seiner Frau Eva eine Insel auf den Malediven, brauchte jedoch für das Resort professionelle Begleitung im Management. Fast gleichzeitig engagierten wir uns in einem ersten Resort in Vietnam – dem heutigen Evason Ana Mandara. Und ab 1994 ging es dann richtig los.

Warum gibt es heute zwei Brands, Evason und Six Senses?
Wir fingen mit Evason an, dann kam für ein höheres Segment Evason Hideaways hinzu. Alle Resorts boten ein schönes Spa an. Und so suchten wir nach einem eigenen Brandnamen für die Spas und kamen während eines Brainstormings mit den Füßen im Sand am Strand der Malediven auf den Begriff ‚Six Senses‘. Wir sprachen über die fünf Sinne, und weil wir noch besser sein wollten, ergab sich die Zahl sechs. Man kritisierte uns damals, der Name sei nicht brauchbar. Aber wir zogen es durch und nannten später das gesamte Unternehmen so.

Interview: Daniel Tschudy

Das ganze Interview mit Bernhard Bohnenberger lesen Sie in der aktuellen Dezember-Ausgabe von Tophotel.

Bernhard Bohnenberger gründete 1991 mit Gleichgesinnten die damals revolutionäre Luxusresortmarke Six Senses. Heute Präsident der Gruppe, sieht er die Zeit gekommen, die Philosophie der Marke auch ins Zentrum pulsierender Metropolen zu transportieren.

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