Internet Trends aus dem Silicon Valley

Was kommt nach Airbnb? Welche Industrie muss sich als nächstes vor dem digitalen Wandel fürchten? Antworten auf diese Fragen sucht Trendscout und Buchautor Daniel Kellmereit direkt in Kalifornien.

Seit ca. zehn Jahren wohnt Daniel Kellmereit in San Francisco. Er hat Tausende von Start-ups kommen und viele davon wieder gehen sehen. Und Kellmereit ist ein kritischer Beobachter. Längst nicht alles, was im Valley erfunden wird, taugt auch, um die User zu begeistern. Und selbst wenn, ist nicht alles erlaubt, was technisch machbar ist. Eine kritische Meinung hat Kellmereit zum Beispiel gegenüber Airbnb. »Es wird immer Leute geben, die lieber ins Hotel wollen und die Annehmlichkeiten dort genießen.« Deshalb ist es für den Wahl-Amerikaner auch keine Überraschung, dass es dem deutschen Gastgewerbe trotz der Parahotellerie keineswegs schlecht geht. »Aber man kann die Reichweite nicht wegdiskutieren. Die ist immens«, sagt Kellmereit. »Und natürlich kann das System Airbnb viel schneller auf sich verändernde Nachfrage in Regionen oder Stadtteilen reagieren, als die Hotelbranche.«

Weitere Innovatoren, die unmittelbar das Geschäftsmodell der Hotellerie betreffen, sieht Kellmereit derzeit wenige. »Den Start-ups ist es zu mühsam, in die schwerfällige Hotelbranche zu verkaufen. Es gibt schon Experimente im Bereich Check-in, aber die tun sich schwer.« Dafür zeichnen sich neue Trends im Marketing ab. Für den Buchautor und Berater steht derzeit Virtual Reality (VR) ganz hoch im Kurs. »Wenn demnächst die VR-Brille »Oculus Rift« auf den Markt kommt, wird das Thema einer breiten Nutzerschaft zugänglich gemacht.« Dem könnte allerdings der Preis von 700 Euro in die Quere kommen. Da ist Samsung mit der abgespeckten VR-Lösung schon viel weiter. Die »Gear VR« kostet nur 150 Euro und wird dann mit einem Samsung-Smartphone aufgerüstet. Das System ist so gut, dass Audi bereits begonnen hat, Händler mit einem Paket auszustatten, das dem Kunden die virtuelle Probefahrt im eigenen Wunschauto in höchster Qualität ermöglicht.

Auch Marriott setzt auf die »Galaxy Gear VR«. Unter dem Titel »VRoomService« bietet man dem Gast ähnlich wie Audi einen kompletten Koffer mit VR-Utensilien an. Der Gast kann damit drei unterschiedliche Destinationen in Chile, Afrika und China virtuell bereisen und erkunden. Den ersten Testern gefällt dabei vor allem der Aspekt des Geschichtenerzählens und die Einfachheit der Bedienung. Absehbar ist zudem, dass VR in Zukunft auch dazu benutzt werden kann, Hotels selbst zu besichtigen. Bei Konferenzräumen ist es bereits der Fall.

Unmittelbar nutzbar ist für Kellmereit auch das Thema Digital Signage. Neben den klassischen Hotelnachrichten werden hier auch Gästebilder, Kommentare und Reviews eingeblendet. Leicht vorzustellen, dass das Thema Gästebewertungen auch zum Beispiel auf die Speisekarte im Restaurant ausdehnbar sei. Kellmereit: »Ein wichtiger Aspekt des digitalen Wandels ist der Wechsel von technologischen Insellösungen zu einem vernetzten Ökosystem.«

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