Immer mehr Stornos in der Hotellerie Wie der Coronavirus die Branche belastet

Die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland hat massive Auswirkungen auf das Gastgewerbe. Ein Überblick.

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Quasi in allen Bundesländern werden Hotellerie und Gastronomie durch den Ausbruch des neuartigen Coronavirus massiv getroffen. Beispiel Bayern: „Die Absage von Großveranstaltungen wie der Internationalen Handwerksmesse führt zu ausbleibenden Gästen sowie massenhaften Stornierungen“, berichtet Angela Inselkammer, Präsidentin des Dehoga Bayern aus München. Auch wenn sich der Schaden noch nicht seriös beziffern lasse, zeigen Rückmeldungen aus Betrieben, dass Hotelgesellschaften und Eventgastronomen Einbußen im hohen sechs- bis siebenstelligen Bereich zu verkraften haben. Denn: Leere Betten bedeuten dabei immer auch leere Restaurants.

In Berlin, wo derzeit die ITB für volle Betten sorgen sollte, sieht die Lage nicht anders aus. Aufgrund der Stornierungswelle sind in diesen Tagen Kampfpreise (ab 39 Euro pro Zimmer) keine Seltenheit. Hoteliers wie Zeèv Rosenberg halten es für einen völlig falschen Weg, in der jetzigen Situation die Rate zu senken.

In einem Video-Statement spricht sich Haakon Herbst (Hotel Friends / ehemaliger HSMA-Präsident) mit Blick auf Stornierungen und Veranstaltungsabsagen für eine “harte Linie” aus. Argumente für Hoteliers liefern unter anderem die laufenden Kosten in den Betrieben, sei es in Bezug auf die Personalkosten oder die Pachtzahlungen. “Die Argumentation, den Leuten zu erzählen, wie hoch unser Fixkostenapparat in der Branche ist, ist der seriöseste und vernünftigste Weg”, so Herbst.

MICE-Absagen sorgen für teils massive wirtschaftliche Einbußen

Zwar sollen Messen die Internorga, die Light + Building oder die FIBO zu einem anderen Zeitpunkt durchgeführt werden, sodass das Geschäft nicht gänzlich verloren ist. Die Frage aber bleibt, zu welchem Zeitpunkt dies stattfinden soll und ob einzelne Hotels in diesem Zeitraum nicht anderweitig belegt sind.

Schwerer als die entgangenen Einzelbuchungen wiegen vielerorts ohnehin die abgesagten Meetings, Events und Veranstaltungen. Prof. Dr. Stephan Gerhard von der Treugast hält in diesem Kontext den Verlauf der nächsten vier Wochen für entscheidend, wie stark die Branche in Mitleidenschaft gezogen wird. Staatliche Hilfen beziehungsweise Förderungen hält Gerhard zudem für unabdingbar. Dieser Meinung ist auch der Dehoga. Der bayerische Landesverband fordert beispielsweise eine Änderung der Kurzarbeitergeldregelung, die eine 100-prozentige Erstattung der Sozialabgaben sowie den Verzicht auf die Drittelregelung beinhaltet und nicht erst ab Antragstellung gilt, sondern ab dem Zeitpunkt des Arbeitsausfalls.

Bereits vor einigen Tagen forderte Dehoga-Präsident Guido Zöllick: „Jetzt kommt es darauf an, dass die Bundesregierung effektive Liquiditätshilfen und Fördermaßnahmen verabredet, die schnell und unbürokratisch wirken.“ Dazu sollten auch steuerliche Entlastungen der gastgewerblichen Betriebe zählen, die mittel- und langfristig wirken.

Der Dehoga Bundesverband hat heute eine Umfrage in der Branche gestartet, um sich ein konkretes Bild zu verschaffen. Darüber hinaus wird das vom Dehoga bereitgestellte Merkblatt zum Coronavirus mittlerweile täglich aktualisiert.

“Ende der Krise ist bei Weitem nicht abzusehen”

Aus aktuellem Anlass fordert Dr. Michael Frenzel, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft, dass die Tourismuswirtschaft Teil eines Konjunkturprogramms der Bundesregierung werden muss. Unmittelbar notwendig ist es zudem, die Kriterien für Liquiditätshilfen betroffener Betriebe deutlich zu vereinfachen. Ein Ende der Krise sei seiner Ansicht nach “bei Weitem nicht abzusehen”.

 

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