F&B-KonzepteProfitcenter: die hoteleigene Kaffeerösterei

Rund 1200 Kilogramm Röstkaffee pro Jahr werden im 70 Zimmer großen Hotel Vier Jahreszeiten Iserlohn benötigt, um den Kaffeedurst von Tagungsteilnehmern, Restaurantbesuchern und Mitarbeitern zu stillen. Nur einer von vielen Gründen für das Tagungsdomizil, Ende 2011 eine eigene Kaffeerösterei zu eröffnen. Ein Projekt, das Schule machen könnte.

Geht nicht? Gibt’s nicht. Das Team rund um Geschäftsführer Klaus-Peter Fiebig hatte schon häufiger unkonventionelle Ideen in die Tat umgesetzt. Zum einen, um die Gäste immer wieder aufs Neue zu begeistern. Zum anderen, um das 1999 eröffnete Vier-Sterne-Superior-Hotel zu einer Top-Adresse in der Region zu machen. Und nicht nur im Märkischen Sauerland – auch bundesweit sorgt das Haus regelmäßig für Furore. Seit Jahren gehört es zu den Top 20 der »Ausgewählten Tagungshotels zum Wohlfühlen«.

Dass die Führungsmannschaft offen für Neues ist und gern über den Tellerrand schaut, zeigt beispielsweise der japanische Trakt »Hagakure« inklusive Meditationsgarten, der seit 2008 das Angebot des Veranstaltungs- und Tagungszentrums um »authentische asiatische Kultur« bereichert und den Businessgästen Raum für Kreativität lässt. Kurz nach der Eröffnung des »Hagakure« kam Fiebig die Idee für das nächste Projekt – nämlich eine eigene Kaffeerösterei im Hotel einzurichten. Es folgten ers­te Sondierungsgespräche mit großen und kleinen Röstereien; während der Fachmessen sammelte der Hotelchef unzählige Informationen rund um das Thema Kaffee und Rösten.

Der Besuch einer Gastromesse in Hamburg und eines der ältesten Kaffeehäuser der Hansestadt gab schließlich den Ausschlag, das Projekt in Angriff zu nehmen. Fiebig: »Eine antike, liebevoll gepflegte Probat-Röstmaschine mit Gasbetrieb, die im vorderen Bereich des Kaffeehauses – im Shop – platziert war, ließ mich gedanklich nicht mehr los. Der angenehme Geruch, das Ambiente und die Menschen in diesem Café bestärkten meinen Wunsch nach der Umsetzung der Idee.« Auch der Kaffee schmeckte »völlig anders« als der in seinem und vielen anderen Hotelbetrieben angebotene. »Mit der Umsetzung einer hoteleigenen ­Rösterei wollte ich die Qualität unseres Kaffees spürbar ­verbessern.«

»Je intensiver wir uns damit ­beschäftigten, umso mehr Fragen ­kamen auf.«

Der Entschluss war gefasst. Vor der Umsetzung galt es, eine ganze Reihe wichtiger Fragen zu beantworten: Wie erreicht man die gewünschte Kaffeequalität? Wie sieht die Ausbildung zum Röstmeister aus? Was muss man bei der Rohkaffeebeschaffung beachten? Wie wird dieser gelagert und wie geht man generell mit dem sensiblen Lebensmittel um? Wer muss die Anlage genehmigen? Und welcher Standort innerhalb des Hotels wäre für die Rösterei ideal – auch in Hinblick auf die Aspekte Abluft und Geruch? Der Arbeitsaufwand, den Wartung, Reinigung und Pflege der Röstanlage mit sich bringen würden, musste ebenfalls vorher kalkuliert werden. Ganz wichtig für den Hotelbetrieb war natürlich die Frage nach der Finanzierung des Projektes, also der Wirtschaftlichkeit und den steuerlichen Aspekten – Stichwort: Kaffee als Verbrauchssteuer und Anmeldung eines Kaffeelagers beim Zoll.

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