IHG / Amadeus-Studie Der Anfang vom Ende der Zimmerkategorien?

Sind Zimmerkategorien bald überflüssig? Diese Frage wirft eine aktuelle Studie auf. (Bild: Shutterstock)

Weniger Standardisierung, mehr maßgeschneiderte Zusatzleistungen, die konventionelle Elemente der Hotellerie wie Zimmerkategorien oder Verkaufsmodelle aufbrechen. Diese Entwicklung sagt eine Studie von IHG und Amadeus voraus. Gleichzeitig wird eine Verdoppelung der Reisenden bis 2036 prognostiziert.

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Seit jeher galten die traditionellen Zimmerkategorien: Einzel-, Doppel-, Zweibett-, Familienzimmer oder Suite – ein bewährtes Format, beliebt bei Hotels und verständlich für Gäste in der ganzen Welt. Die jüngste Studie von Amadeus und IHG legt jedoch nahe, dass sich dies grundlegend ändern wird. So wurde der Anfang vom Ende der Zimmerkategorien als ein wegweisender Trend identifiziert. Künftig können Gäste dann beispielsweise ihren Schreibtisch gegen eine Yogamatte tauschen, ihre eigenen Inhalte auf dem Fernseher im Zimmer streamen oder genau das ganz bestimmte Zimmer im dritten Stock mit der Aussicht buchen, die ihnen schon immer gefallen hat.

„Die Beherbergungsbranche steht am Anfang eines neuen Kapitels.“
Chris K. Anderson, Direktor des Center for Hospitality Research an der Cornell University

Verbraucher sind mittlerweile daran gewöhnt, bei Musik, Unterhaltung, Mode und Reisen genau das zu kaufen, was sie wünschen und brauchen. Hotelunterkünfte, die bisher in einer standardisierten, einheitlichen Weise gebucht wurden, werden sich anpassen müssen, da 61 Prozent der Reisenden weltweit angeben, Hotels vorzuziehen, deren Angebot die Möglichkeit vorsieht, maßgeschneiderte Zusatzleistungen hinzuzubuchen. Dies wird die Buchung nach Produktattributen einleiten, bei der die Gäste individuelle Merkmale ihres Zimmers auswählen – uns es wird das Ende der herkömmlichen Zimmertypen besiegeln. Außerdem werden sich neue Verkaufsmodelle durchsetzen, bei denen Gäste Zimmer für genau den benötigten Zeitraum buchen können, statt für die bisher üblichen Übernachtungsaufenthalte.

Technologie bringt die Hotelbranche voran: Gastgeber werden Leistungen deutlich stärker vernetzt erbringen müssen, wobei das richtige Gleichgewicht zwischen automatisierten Lösungen und menschlicher Interaktion von großer Bedeutung sein wird. Die Studie führt aus, wie Technologie künftig so eingesetzt wird, dass sie das Personal dabei unterstützt, den Dienst am Kunden durchgängig auf ein nie dagewesenes Niveau zu heben. Dabei legt die Untersuchung nahe, dass Technologie menschliche Interaktion unterstützen – und nicht ersetzen – muss, denn die Mehrheit der Gäste (67 %) gibt an, wegen der emotionalen Interaktion lieber von Menschen bedient zu werden. Beispielsweise könnte der Einsatz von Kopfhöhrern zur Übersetzung in Echtzeit und von Smart-Brillen es ermöglichen, dass Rezeptionisten Gäste problemlos in ihrer Muttersprache bedienen.

Kultstatus erlangen: Die Art von Status, die bislang Luxus- oder Boutique-Hotels oder bestimmten Marken vorbehalten war, wird für alle Anbieter erreichbar, wenn sie in der Lage sind, eine treue Fangemeinde aufzubauen, die sich dem Haus emotional verbunden fühlt. Im Wettbewerb um Gästetreue müssen Anbieter von Hotelleistungen herausfinden, wie sie ihren Kunden durch das Erschaffen unvergesslicher und teilbarer Gästeerfahrungen echte Wertigkeit bieten. Dazu müssen Hotels die individuellen Bedürfnisse der Gäste auf jeder Reise erfassen und eine Reihe einzigartiger Überraschungen bereit halten. Denn 70 Prozent der Reisenden weltweit würden im Hotel gern mehr Ratschläge und Tipps erhalten, wogegen nur 20 Prozent angeben, dass sie vom Hotel Anregungen für Unternehmungen und Aktivitäten bekommen.

„Die Beherbergungsbranche steht am Anfang eines neuen Kapitels“, sagt Chris K. Anderson, Direktor des Center for Hospitality Research an der Cornell University. „Gäste suchen intensivere zwischenmenschliche Kontakte und eine nahtlose Kundenerfahrung bei ihrer Unterkunft und sie sind bereit, mehr Daten und Einblicke in ihr Verhalten zu gewähren als jemals zuvor.“

Nachfrage wächst überproportional

„Bis 2036 wird weltweit eine Verdoppelung der Reisenden erwartet – und damit auch eine entsprechende Nachfragesteigerung im Beherbergungsgewerbe“, sagt Clodagh Brennan, Senior Trend Analyst bei der Foresight Factory. „Die Studie, zu der sowohl Verbraucherbefragungen als auch Stellungnahmen von Branchenexperten ausgewertet wurden, identifiziert mehrere wesentliche Einflussfaktoren und aufstrebende Trends, die Gästeerfahrung, Markentreue und die Rolle der Technologie beeinflussen werden.“

Was sämtliche in der Studie ausgeführten Trends untermauert ist der Fortschritt in Sachen Datenanalyseverfahren und der Einsatz künstlicher Intelligenz. Ohne starke und leistungsfähige Backend-Systeme, die fähig sind, vielfältige Datensätze aufzuschlüsseln, Information dort bereitzustellen, wo sie gebraucht wird, und die Implementierung neuer Modelle einfach zu gestalten, werden es Unterkunftsanbieter schwer haben, die künftigen Ansprüche ihrer Gäste zu erfüllen.

Hintergrund: Amadeus hat in Kooperation mit der InterContinental Hotels Group (IHG) eine Studie veröffentlicht, die unter dem Titel „Drivers of Change in Hospitality“ die Veränderungen untersucht, die zu erwarten sind, wenn wir über immer bessere Einblicke in das Gästeverhalten, über optimierte Technologie und weitere Möglichkeiten der Hyper-Personalisierung verfügen. Weltweit wurden Stellungnahmen von mehr als 7.500 Verbrauchern und Branchenexperten ausgewertet und im Ergebnis drei Trends identifiziert, der die Branche aktiv begegnen muss, um die Verbraucherwünsche der Zukunft befriedigen zu können.

Download der Studie „Drivers of Change in Hospitality” unter:
https://amadeus.com/en/insights/white-paper/drivers-of-change-in-hospitality

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