IHA zu Liquiditätshilfen: "Bazooka kommt noch als Luftpumpe daher"

IHA-Vorsitzender Otto Lindner (l.) und Hauptgeschäftsführer Markus Luthe werden in der Sprechstunde ihr Expertenwissen teilen. (Bild: IHA)

Es räche sich jetzt, dass alle Hilfen für den Mittelstand über den Flaschenhals der Hausbanken konzipiert wurden, beklagt der Hotelverband Deutschland (IHA). Zudem werde der zeitliche Druck immer größer. Der Vorsitzende Otto Lindner hat klare Vorstellungen, was die Politik jetzt zu tun hat.

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Die Hotellerie war die erste Branche in Deutschland, die von der Ausbreitung des neuartigen Corona-Krise schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde, und sie könnte die letzte sein, die zur Normalität zurückfinden kann. Die durch und durch mittelständische geprägte Hotellerie benötigt daher dringend staatliche Hilfe, doch ausgerechnet sie scheint in die
Mittelstandslücke der Förderprogramme festzustecken.

„Bundesfinanzminister Scholz hat die Banken aufgefordert, bei der Kreditvergabe ‚Fünfe grade sein zu lassen‘. Doch genau das tut ein Großteil der Banken nicht. Die Kredite der Hausbanken werden an nicht zu erfüllende Auflagen geknüpft oder es werden zusätzlich zu den 80% Staatshaftung noch einmal 100% private Absicherung durch den Hotelier verlangt,“ berichtet Otto Lindner, Vorsitzender des Hotelverbandes. „Es rächt sich jetzt, dass alle Hilfe für den Mittelstand über den Flaschenhals der Hausbanken konzipiert wurde. Die aber entwickeln ein unbeabsichtigtes Eigenleben oder stecken in ihrem aufsichtsrechtlichen Korsett fest. Die groß angekündigte Bazooka kommt für uns derzeit jedenfalls noch als Luftpumpe daher – und die Zeit rinnt uns durch die Finger!“

„Nur mit Krediten kann die unverschuldet in Not geratene Hotellerie nicht wieder auf die Beine kommen. Wir benötigen als eine Branche, die ausgefallene Umsätze nach der Krise eben nicht wieder aufholen kann, nicht nur Kredite, sondern auch nicht zurückzuzahlende Zuschüsse, mithin einen Nothilfefonds,“ fordert Otto Lindner. Die bisher beschlossenen Maßnahmen sind für die Hotellerie zudem nicht passgenau.

Hilfe erreicht neun von zehn Hotels nicht

Es klafft trotz des Wirtschaftsstabilisierungsfonds, der Sofort- und Liquiditätshilfen des Bundes eine Unterstützungslücke für Betriebe mit mehr als 10, aber weniger als 250 Mitarbeitern bzw. 50 Millionen Euro Umsatz. „Aber gerade hier schlägt das Herz der mittelständischen Hotellerie. Neun von zehn Hotels, Hotels garni, Gasthöfe und Pensionen in Deutschland haben 10 und mehr Beschäftigte und nur 0,6% von ihnen erzielen einen Umsatz von mehr als 10 Mio. Euro. Dies belegt unser heute vorgelegter Branchenreport ‚Hotelmarkt Deutschland 2020‘“, erläutert IHA-Hauptgeschäftsführer Markus Luthe.

Dieser weist aus, dass die deutsche Hotellerie eigentlich zufrieden auf das zehnte Rekordjahr in Folge zurückblicken könnte. Mit 495,6 Millionen Gästeübernachtungen aus dem In- und Ausland meldeten die Beherbergungsbetriebe 2019 insgesamt 3,7% mehr Übernachtungen als im Vorjahr. In der klassischen Hotellerie wurden 306,8 Millionen Übernachtungen getätigt, ein Plus von 3,1 Prozent gegenüber 2018.

 

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