Hoteltest im Roomers Baden-Baden: Flamingo im Schwarzwald

Housekeeping – Turndownservice

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Ein Turndownservice wird im Roomers nur auf ausdrücklichen Wunsch durchgeführt. Da ich dieses Angebot erst spät im Suitepad entdecke, wird es nicht geprüft. Und nicht gewertet.

19:45
Restaurant »Moriki«

Als ich am Abend am Eingang des »Moriki« stehe, kommt fröhlich winkend ein Mitarbeiter auf mich zu – und biegt kurz vor mir rechts ab in die Küche. Das Winken hat wohl jemandem hinter mir gegolten. »Wie geht es Ihnen?« – Strahlend und mit Handschlag begrüßt mich stattdessen der bemühte Mitarbeiter vom Roomservice und fragt mich, wo ich sitzen möchte. Der Tisch am Fenster ist bis auf ein Teelicht nicht eingedeckt, doch das wird schnell erledigt. Eine Tischdecke gibt es eh nicht – Stoffserviette, ein Besteck, das war’s. »Ich brauche Hilfe bei der Auswahl«, sage ich zu dem Mann, der mir die Speisen- und Weinkarte bringt. Ali hat, wie ich beobachten kann, hier das Sagen. Und dass er Ali heißt, erfahre ich erst viel später. »Gerne«, lächelt er. »Aber darf ich Sie vielleicht erst einmal auf ein Glas Crémant einladen?« Da bin ich sprachlos. »Menschlichkeit ist wichtig«, freut sich der Restaurantleiter über mein Staunen. Und betreut mich für die Dauer meines Aufenthalts überaus aufmerksam. Wie alle anderen Mitarbeiter auch. Drei Männer agieren in schwarzen Hosen und Stehkragenhemden, drei vermutliche Azubis tragen schwarze Hosen und T-Shirts mit einem japanischen Schriftzeichen darauf. Aus der äußerst umfangreichen Speisekarte habe ich mir »Lammkoteletts mit 5-Spices-Gewürz und Pak Choi« ausgesucht und bitte Ali, mich mit der Vorspeise zu überraschen. Die Chance, mich nun mit der panasiatischen Küche vertraut zu machen und mir beispielsweise eine Sushi-Sashimi-Variation zu kredenzen, nutzt Ali leider nicht. Lieber geht er auf Nummer sicher und lässt mir Gyoza servieren – hauchdünne Teigtaschen mit Hühnchen und Gemüse. Dieses Gericht dürfte jedem schmecken, und mir schmeckt es ebenfalls. Auch das Lamm ist köstlich und bildschön angerichtet. Zum Nachtisch nehme ich Matcha & Mochi, ein Dessert, das seinen herben Geschmack aus dem Eis des Matcha-Tees in Verbindung mit roter Bohnenpaste zieht. Für manche Gaumen eher gewöhnungsbedürftig, wie auch die Mochi, ein zäh zu kauendes japanisches Reisgebäck. Mein Platz mit dem Rücken zum Fenster erlaubt es mir, das Treiben im Restaurant zu beobachten. Es ist wie Kino. Stylishe Atmosphäre, coole Musik, angenehme Beleuchtung, beautiful people. Viel Englisch, Spanisch und Russisch. Küsschen hier, Küsschen da, auch zwischen Personal und Gästen. Man kennt sich. Auch hier ist der Umgangston ausgesprochen locker, man merkt den Mitarbeitern an, dass sie Spaß haben, und den Gästen, dass sie sich wohlfühlen. Hinter dem hohen Tresen sieht man die Köche, die alle nach hinten geknotete Viereck-Tücker tragen. Alle schauen auf und nicken mir zu, als ich beim Rausgehen grüße. Mit 54,50 Euro für drei Gänge, Wasser und ein Glas Rotwein bin ich im »Moriki« günstig dabei gewesen. Und würde ich in Baden-Baden wohnen, käme ich sicher öfter her.
Wertung: sehr gut

24/01, 08:36
Zimmerfrühstück

Der Vorteil eines Suite-Pads gegenüber einer Zimmerfrühstückskarte besteht darin, dass man unendlich viele Variationen von Frühstück darin unterbringt. Ich entscheide mich für ein Wellnessfrühstück mit Milchkaffee und Apfel-Karotten-Ingwersaft. Doch statt einer Bestellungsbestätigung zeigt das Suite-Pad eine Fehlermeldung an. Also doch wieder beim Roomservice anrufen und die Bestellung durchgeben. Dass am Morgen eine halbe Stunde vor der genannten Servicezeit eine Dame telefonisch nachfragt, ob es auch ein frisch gepresster Orangensaft sein dürfe, verwundert. Äpfel, Karotten und Ingwer hat man doch in einer panasiatischen Küche eigentlich immer parat? Mit sechs Minuten Verspätung klopft es an meine Zimmertür. Eine fröhliche junge Frau erkundigt sich, ob ich gut geschlafen habe und wo sie den schmalen Servierwagen hinstellen darf. Dieser passt zwar exakt zwischen Bett und Fernsehmöbel durch, ist aber zum Dransitzen vom Sofa aus zu hoch. Selbst um am runden Couchtisch zu essen, muss ich mir beide Sofakissen unter den Po schieben. Ein Wärmeschrank unter dem Wagen hat das »Omelett mit Fetakäse, Spinat und Kräutern« auf Temperatur gehalten, welches mir die Mitarbeiterin jetzt auf den Tisch stellt. Dann lässt sie mich den Beleg unterschreiben und wünscht mir noch einen schönen Tag. Meinen Frühstückstisch decke ich mir selbst mit Kaffee und Saft sowie »Vollkornbrot und -brötchen, Frischkäse, Butter, Konfitüre und Honig aus der Region, Naturjoghurt mit Granola und Früchtetopping, Putenschinken, Grillgemüse und Kombucha«. Alles wäre prima, wären die Brötchen nur nicht so unterschiedlich aufgebacken: Eines ist knallhart, das andere weich wie Gummi. Und die Butter fehlt. Und wie fast immer beim Zimmerfrühstück gibt es von allem zu viel.

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