Hoteltest im Roomers Baden-Baden: Flamingo im Schwarzwald

MI. 23/01, 07:00
Weckruf

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»Hello, this is your wake-up call. Have a nice day!« sagt die Computerstimme am Telefon. Und wiederholt das Gleiche in vier weiteren Sprachen. Wo als Credo im Roomers doch »Persönlich – locker – serviceorientiert« angesagt scheint, ist ein so unpersönlicher Weckruf ein bisschen dürftig.
Wertung: befriedigend

09:30
Frühstücksbuffet

»Geht’s euch gut?« fragt die Serviceleiterin munter in die Tischrunde. »Dann geht’s mir auch gut.« Der Umgangston beim Frühstück ist genauso leger wie die Kleidung der Mitarbeiter. Schwarze Jeans und schwarzes T-Shirt beim Azubi, graue Jeans und graue Stehkragenbluse bei der Frühstückschefin. »Das ist unsere Uniform«, erklärt diese lachend, als ich sie nach einer Kleiderordnung frage. Nur welche Art Sneakers man dazu trägt, ist offenbar egal. Der fünf Meter hohe, L-förmige Raum mit seiner ebenso hohen Glasfront nach draußen wirkt auch an einem grauen Tag licht und freundlich. Dazu trägt sicherlich das meterhohe Wandtattoo bei, das ein schwarz skizziertes Schwarzwaldmädel mit einem bunten Disney-Bambi im Arm zeigt. Ein niedlicher Antipol zur hohen, schwarzlackierten Rückwand hinter dem ebenfalls schwarzlackierten Buffet, auf dem ein Teil des Frühstücks aufgebaut ist. In der offenen Showküche dahinter hantieren am Abend die Köche des Restaurants »Moriki«, jetzt am Morgen werden dort Extras aus der Frühstückskarte zubereitet. »Today is the perfect day to be wild« ist diese betitelt und listet die Dinge, mit denen man sein Frühstück aufmotzen soll – »Pimp up your breakfast«. Diverse Eierspeisen sind das, Smoothies, Waffeln und Pfannkuchen und drei Sorten Sandwiches, die, warum auch immer, mit dem Begriff »Porn« überschrieben sind. Man kann es mit der Zweideutigkeit auch übertreiben. Ansonsten handelt es sich hier eindeutig um ein sehr gutes Frühstück mit allem, was das Herz begehrt, und einem Extra-Schwerpunkt auf »Superfood«: frisch gepresste Säfte, Kombucha und frisch gepresster Ingwer, Salate mit Qinoa, Rote-Bete-Apfel-Walnuss oder Kichererbsen mit Karotten. 20 verschiedene Nüsse, Kerne, Beeren, Samen und Saaten, die gerade voll im Trend liegen, sind im Angebot, darunter Aronia-Beeren, Macadamia-Nüsse und Acai-Pulver. Erstaunlich, dass da ausgerechnet das aufgeschnittene Frischobst in der Auswahl eher stiefmütterlich daherkommt. Lachs, Räucherfisch und Thunfischsalat gibt es auch, ebenso wie Roastbeef und eine ordentliche Weichkäseauswahl; Antipasti werden ebenso angeboten wie Milchreis mit Apfelmus, Honig aus der Wabe und hausgemachte Marmeladen. Süßmäulchen finden zwei frischgebackene Kuchen, Mini-Muffins und diverse Teilchen. Und das Roomers wäre nicht das Roomers, wenn neben dem Crémant im Kühler nicht auch die Flasche Wodka stünde – wie ich mir habe sagen lassen, das Lieblingsgetränk der Eigentümer. Ich würde mich eigentlich beim Frühstück sehr wohlfühlen, müsste ich nicht unfreiwillig die Privatgespräche der Mitarbeiter anhören, die diese ausgiebig und nicht eben leise führen. Bei aller Lässigkeit – das finde ich störend.
Wertung: noch sehr gut

Housekeeping – Remake

Zimmer und Bad präsentieren sich nach der Reinigung sehr unterschiedlich. Das Zimmer ist ordentlich wiederhergerichtet, die Riesenbettdecke fest in den grauen Bettrahmen gestopft. Meine Kleidung wurde zusammengelegt, die Schuhe paarweise geordnet, alle Markierungen auf den Möbeln beseitigt. Nur zwei Fäden auf dem Teppich hat das Housekeeping übersehen. Eine frische Flasche Wasser steht neben dem Bett, die Minibar ist aufgefüllt, das Glas gespült und poliert. Das Geld auf dem Nachttisch blieb unberührt. Im Bad hingegen wurde weder die Toilettenbrille geputzt noch der Fußboden. Um den Rand des Waschbeckens sauberzumachen, hätte man meine Utensilien wegräumen müssen, das ist nicht passiert. Also prangt dort noch ein fetter Zahnpasta-Fleck. Die Handtücher wurden alle ausgetauscht – auch das, was eigentlich weiter benutzt werden sollte.
Wertung: befriedigend

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