Hoteltest im Roomers Baden-Baden: Flamingo im Schwarzwald

22:10
»Roof Top Bar«

Anzeige

Für ein Hotel wie das Roomers, in dessen Selbstverständnis das Thema »Verführung« eine wichtige Rolle spielt, ist eine gute Bar von essenzieller Bedeutung. Das Roomers Baden-Baden hat gleich zwei davon. Die »Roof Top Bar« im sechsten Stock des Hauses bespielt sommers auch die Dachterrasse und dient als Ganztages-, Pool- und Snackbar von 7 bis 1 Uhr. Die eigentliche »Roomers Bar« liegt im Erdgeschoss, ist der preisgekrönten Frankfurter »Mutter« nachempfunden und als Raucherbar konzipiert. Hier sind auch Nachtschwärmer willkommen – die Bar ist bis 4 Uhr morgens geöffnet. Ich starte am Abend um kurz nach zehn mit der »Roof Top Bar«. Dort fläzen sich vier Jugendliche auf den gemütlichen Polstern um ihre Colas, haben keinen Blick für das nächtliche Panorama, das sich vor den Fensterfronten erstreckt, sondern hacken wild auf ihre Smartphones ein. Zwei Männer nippen am Rotwein und unterhalten sich übers Geschäft. Ansonsten ist nichts los. Ich nehme Platz und studiere die Karte, die erstaunlich überschaubar ist. An Mixgetränken werden nur eine Reihe »Winterdrinks« angeboten, die mir in den Ingredienzien zu schwer und mächtig sind. »Worauf hast du denn Lust?«, fragt mich mit herausforderndem Lächeln eine junge Frau in Jeans und Turnschuhen. Wie bitte? Kennen wir uns? Verdattert ob des »Du« nuschele ich etwas von frisch und herb und Gin und das Jeansmädchen schlägt mir den Gin Basil Smash vor, der tatsächlich zu meinen Lieblingsgetränken gehört. Obwohl der Drink nicht auf der Karte steht, sind alle Zutaten vorhanden und der Cocktail wird perfekt gemixt. Der Barmann in weißem Hemd mit Vollbart verzieht beim Schütteln schmerzgeplagt das Gesicht – ob es ein Barkeeper-Schultersyndrom gibt? Vielleicht sind es ja die Schmerzen, die den jungen Mann etwas unlustig erscheinen lassen. Jedenfalls scheint es weder ihm noch meiner neuen Duzfreundin aufzufallen, dass mein Glas leer ist. Drei Neuankömmlinge werden freundlich bedient, doch dann unterhalten sich die beiden hinter der Bar wieder angeregt miteinander. Während ich darauf warte, ob sich daran noch etwas ändert, studiere ich die wilden Fotos aus dem Berliner Schwesterhotel Provocateur, die wie in einer Diashow wechselnd und großformatig an die aus Projektionsflächen bestehende Rückwand der Bar geworfen werden. Schrille Typen! Und offenbar ein schrilles Hotel. An meiner Situation ändert sich jedoch nichts und so begebe ich mich an den Tresen und bitte um die Rechnung.
Wertung: befriedigend

23:15
»Roomers Bar«

Ab nach unten und in die »richtige« Bar. Die schmale hohe Metalltür, an der man auch glatt vorbeilaufen könnte, ist geschlossen und macht so einen fast abweisenden Eindruck. Doch offenbar kokettiert man nur mit dem »Only for Special Guests«-Gehabe vieler Top-Bars, die von außen als solche überhaupt nicht zu erkennen sind und bei denen man klingeln muss, um eingelassen zu werden. Klingeln muss ich hier nicht, die Tür lässt sich aufdrücken. Der hohe, rechteckige Raum wird dominiert von einer langen, rechteckigen Bar, über der ein starkes Abluftsystem dafür sorgt, dass die Luft in der Raucherbar erträglich bleibt. Dunkle Farben, gedämpftes Licht, ein raumhohes Wandregal voll grüner Flaschen, diskrete Sitznischen aus beigem Leder. Im Sommer gibt es wohl auch eine Terrasse. Ich setze mich an die Bar und studiere die Karte. Paul – schwarzes Sakko, schwarze Brille, schwarze Ohrringe – erklärt mir bereitwillig das System, wonach die Cocktails nach den vier Elementen gegliedert sind. »Brauchst du dir aber nicht merken – wir machen eh eine neue Karte.« Huch. Da ist es wieder. »Duzt ihr eigentlich alle eure Gäste?« frage ich Paul, dessen Namen ich wieder einmal nur deshalb weiß, weil ich ihn danach frage. »Nö« sagt er, »nur wenn wir das Gefühl haben, dass es passt.« Das darf ich dann wohl als Kompliment auffassen. Wann immer der Barkeeper kurz Zeit hat, unterhalten wir uns, zum Beispiel darüber, warum es kein gezapftes Bier gibt. »Wir brauchen den Platz in der Kühlung für edle Spirituosen.« – Ha ha. Ich trinke einen hervorragend gemixten Gin Gin Mule (16 Euro) und kriege, weil ich so nett bin, ein Gläschen von Pauls mit Whiskey, Honig und Trüffelöl selbst gerösteten Mandeln. Am Ende habe ich drei Bar-Tipps für Berlin in der Tasche und werde sehr cool verabschiedet. So geht Bar heute. – »Alles gut bei dir?« werde ich am nächsten Abend begrüßt. Zum zweiten Mal da und schon bin ich Stammgast. Kein Wunder, dass die Bar brummt.
Wertung: sehr gut

Schuhputzservice

Drei Augenpaare sehen mich entgeistert an. Schuhputzservice? Nachts? Davon haben die Mitarbeiter an der Rezeption – Rezeptionsspätdienst, Nachtportier und Hausdiener – ganz offenkundig noch nie gehört. Fast schäme ich mich für mein Ansinnen, als sei es irgendwie unsittlich. Ich solle mich doch bitte am Morgen noch einmal melden, sagt die Rezeptionistin schließlich, dann werde man meine Schuhe abholen und säubern lassen. Ich schaue im Suite-Pad nach: Tatsächlich listet es das Schuheputzen unter Concierge Services. Aber der nette Philipp wird doch nicht selbst … Nein, ich erwähne am nächsten Vormittag im Gespräch mit ihm die schmutzigen Stiefel und er verspricht Erledigung. Zwar gibt es keine dunkelblaue Schuhcreme im Hotel, aber auch mit farbloser werden die Stiefel schließlich ordentlich geputzt.
Wertung: gut

Anzeige