Hoteltest im Roomers Baden-Baden: Flamingo im Schwarzwald

Lage

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In der beschaulichen Kur-Idylle Baden-Badens, wo die Hotels so alte, klassische Namen tragen wie Badischer Hof, Europäischer Hof und Brenners Park-Hotel, wirkt das Roomers zwischen den pastellfarbenen Villen wie ein UFO auf dem Marktplatz eines Städtchens aus dem 19. Jahrhundert: Das kastenförmige Gebäude in L-Form ist schneeweiß mit schwarzen, schachbrettartig anmutenden Verschattungsgittern vor den Fenstern, vier Stockwerke hoch plus zweistöckige, schwarze Dachaufbauten. Geographisch fast in der Mitte der langgezogenen Kurstadt gelegen, schräg gegenüber vom Festspielhaus, markiert das Roomers den Startpunkt der Kunst- und Kulturmeile, auf der sich auf einer Strecke von dreieinhalb Kilometern diverse Museen und Kultureinrichtungen aneinanderreihen. Das Zentrum mit Spielbank, Kurhauskolonnaden und Geschäften ist in zehn Minuten zu Fuß zu erreichen, zum schönen Park entlang der Lichtenthaler Allee mit dem Museum Frieder Burda und dem LA8 Kulturhaus läuft man ein Viertelstündchen. Der Bahnhof ist knapp fünf Kilometer, der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden 15 Kilometer entfernt. Mit dem Auto ist man schnell auf der A5 und in einer Dreiviertelstunde in Straßburg.
Wertung: sehr gut

MO. 22/01, 12:34
Anreise / Check-in

Die dicke, fette Limousine muss ich gar nicht suchen. Ein großer, dünner Mensch, der in seinem grauen Wollmantel mit zweireihigen Goldknöpfen und den schwarzen Converse-Turnschuhen, die er dazu trägt, ein eher ungewöhnliches Bild abgibt, wartet vor der Bahnhofstür und spricht mich an. Gut, dass ich selbst einen Schirm dabei habe, denn der Zweireiher läuft mir mit meinem Gepäck durch den Schnürlregen zügig voraus zu einem dunklen Audi S 8. Dort öffnet er die hintere Beifahrertür und lässt mich einsteigen. Die Fahrt zum Hotel dauert kaum zehn Minuten. Vor dem mächtigen, zweiflügligen Holzportal lässt mich Antonio, der Fahrer, aussteigen, begleitet mich nach drinnen und kümmert sich dann ums Gepäck. Einen klassischen Rezeptionstresen sucht man in der Lobby vergebens. Von einem der vier runden Tische links erhebt sich eine junge Frau im grauen Hosenanzug und begrüßt mich strahlend mit meinem Namen. »Herzlich willkommen! Hatten Sie eine gute Anreise? Nehmen Sie Platz, darf ich Ihnen etwas zu trinken anbieten? Ein Gläschen Rosé-Sekt vielleicht?« Es ist die Dame mit dem vielen Charme in der Stimme und sie ist auch in natura ungeheuer herzlich. Während ich am Sekt nippe, erfahre ich das Eine oder Andere zum Hotel und nebenbei erledigen wir den Check-in. Dann bringt mich die junge Frau zum Aufzug, zeigt mir unterwegs die Tür zur Bar und den Weg zum Restaurant und verabschiedet mich mit den Worten: »Scheuen Sie sich nicht mich anzurufen, wenn Sie noch Fragen haben. Ich heiße Caroline. Schönen Aufenthalt!« Vor meiner Zimmertür holt mein portugiesischer Chauffeur mich ein, demonstriert, wie die Tür aufgeht, und trägt meinen Koffer ins Zimmer. Er erklärt, wo Licht, Temperatur und Verschattung sich regeln lassen, zeigt mir Safe und Minibar und verabschiedet sich schließlich freundlich.
Wertung: ausgezeichnet

Zimmer 328

Die Tür könnte auch einen Hochsicherheitstrakt schließen, so schwer und massiv ist sie. Doch das Gute an dieser Tür ist: Kein Mucks dringt vom Flur ins Zimmer, nicht einmal ein Mückschen. Drinnen erwartet mich eine hochglanzlackierte weiße Schrankwand, deren eine Tür – Überraschung! – ins Bad führt. Weißer Hochglanzlack auch im Zimmer gegenüber dem Bett, wo ein minimalistisch designtes Möbel die Nespresso-Station und den Fernseher versteckt. Apropos minimalistisch: Das Wort fällt oft, wenn die Handschrift des Roomers Innenarchitekten und italienischen Star-Designers Piero Lissoni beschrieben wird. Minimalistisch, eklektisch, »ein fantasievolles Zusammenspiel von Dimension und Licht, verblüffenden Materialien und überraschenden Details.« Das trifft den Stil des Roomers gut und den Stil des Zimmers ebenso. Weiß, Grau, Braun, ein paar messing- und zitronengelbe Farbsprengsel in den Sofakissen und den gläsernen Nachtkästen, der bereits erwähnte Hochglanzlack in Weiß und Schwarz, ein Eichenholzboden und dicke Wolle bei Sofa, Teppich und Vorhängen. Das bodentiefe Fenster zur Dusche wie auch das Zimmer zum Flur hin lassen sich durch hohe Rauchglaselemente verschließen, die, wenn sie nicht genutzt werden, an der Wand lehnen. Das Bett unterscheidet sich vom gängigen Hotelbettentrend dadurch, dass es zum einen kein Boxspringbett ist und zum anderen nicht über ein hochgezogenes Betthaupt verfügt. Die Kopfseite liegt – etwa 20 Zentimeter von der Wand abgerückt – auf einem Holzpodest auf, in das beidseitig Nachtkästen aus farbigem Glas eingelassen sind. Die riesige Bettdecke ist festgezurrt in die Bettumrandung, die wollene Dekoration von Maison Margiela hat Armlöcher, sodass man sie auch als Stola benutzen kann. Neben den beleuchteten Schrankelementen im Flur bietet eine schwarze Lack-Kommode Stauraum – für Minibar und Gästekleidung. »If you don’t love our minibar, we‘ll eat our hats« (»Wenn Sie unsere Minibar nicht lieben, fressen wir einen Besen« – sinngemäß). Das Schildchen macht neugierig und fordert zu einer genaueren Inspektion heraus. Tatsächlich: Mit dem Minibarinhalt lässt sich eine veritable Party feiern. Single Malt Whiskey, Gin und zwei Sorten Wodka werden in Flaschen zu 0,2 l oder 0,375 l bereitgehalten, auch Wein und Champagner gibt es in halben Flaschen, dazu zahlreiche Spirituosen im Miniformat. Zum Mixen oder Purtrinken dient Alkoholfreies wie Fever Tree Tonic, Black Forest Ginger Lemonade oder Big Tom Tomatensaft. Wer knabbern oder schnuckeln will, kann sich an Ibiza Chips mit Flor de Sal oder White Truffle Geschmack gütlich tun, an Beef Chips, Oreo-Keksen und Gummibärchen. 15 Streifen Kaugummi kosten 3 Euro, ein Tannenzäpfle Pils 5 Euro. Wer die Minibar zu sehr liebt, der kann sich tags drauf das Zimmerfrühstück »Hangover« bestellen. Das Roomservice-Menu findet sich wie alle anderen wichtigen Informationen zum Haus in einem Suite Pad – gedruckt gibt es nur noch das Spa Menü, den Playboy, GQ und die Vogue. Trotz des reduzierten Stils ist die Atmosphäre des Zimmers wohnlich, woran die stufenlos dimmbare Beleuchtung einen erheblichen Anteil hat. Und die Bilder. Der Schwarzwald in der Kunst – von Schwarzwälder Künstlern gestaltet – ist Thema im ganzen Hotel. In meinem Zimmer hängen ein paar schwarzgerahmte, gänzlich kitschfreie Naturfotos, auf dem Barmöbel stehen Fotos exotischer Mädchen in Schwarzwälder Tracht und mit Bollenhut. Komfortabel ist das Zimmer nicht zuletzt wegen seines bequemen Sofas, das vor dem Fenster steht. Wenngleich das Fernsehen von ebenda nicht so ganz gelingt. Der Bildschirm lässt sich zwar ein wenig aus seinem Schrankgehäuse herausziehen und zur Seite drehen – wirklich gute Sicht hat man jedoch nur vom Bett aus. Dafür kann man über Bluetooth seine Musik anschließen. Dass Design nicht immer praktisch ist, merkt man daran, dass im Zimmer auf eine Garderobe verzichtet wird – auch der regennasse Mantel muss in den Schrank gehängt werden. Dort finden sich ausreichend gute Bügel, ein Schirm, der Safe, der Haartrockner, Badeschlappen und ein Tablett mit Wäschebeutel, Wäschezettel, Kleiderbürste, Schuhlöffel und Schuhputzschwämmchen. Außen vor der bodentiefen Fensterfront steht ein metallenes Panel, das sich auf Knopfdruck vor das gesamte Fenster ausfahren lässt. Es dient wohl zum Sichtschutz und zur Beschattung. Für Verdunkelung sorgt ein beschichteter Vorhang. – Die gründliche Überprüfung meines Zimmers fördert nur ein paar Kratzer an der Wand zutage und den Rest eines Reinigungsetiketts im Abfalleimer. Ach ja: Die Fenster müssten mal wieder geputzt werden. Ansonsten aber ist das Zimmer einwandfrei sauber.
Wertung: sehr gut

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