Hoteltest im Bülow Palais Dresden: Schmuckstück mit genug Brillanz?

Sicherheit

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Ob sich amerikanische Gäste mit ihrem hohen Sicherheitsbedürfnis im Bülow Palais gut aufgehoben fühlen? Die Zimmertür ist weder mit Spion noch mit Sicherheitskette ausgestattet, die Aufzüge lassen sich von jedem Besucher jederzeit ohne Karte bedienen und Kameras auf den Fluren sind nicht vorhanden. Immerhin: Die Hausdame
erkundigt sich nach meinem Namen, ehe sie mir die Zimmertür öffnet, und auch meine Zimmernummer wird einem Anrufer nicht genannt. In der Gästemappe finden sich ausführliche Hinweise zum Verhalten im Brandfall. Doch sollte dieser während meines Aufenthaltes eintreten, hätten die Einsatzkräfte wohl ein Problem: Im Erdgeschoss des Treppenhauses sind fahrbare Buffets und Kinderstühlchen geparkt und verengen den Durchgang vor dem Notausgang auf ein unzulässiges Maß. Und mein Drücken des Sauna-Notrufknopfes am helllichten Nachmittag? Bleibt ohne Reaktion.
Wertung: mangelhaft

Message-Transfer

Als ich am Empfang vorbeikomme, sagt Frau S., dass sie noch eine Nachricht für mich habe. Tatsächlich sind zweieinhalb Stunden vergangen, seit der Anrufer die Rezeptionistin bat, mir die Bitte um dringenden Rückruf auszurichten. Eine schriftliche Nachricht wurde nicht ins Zimmer gelegt. Frau S. hielt das für unnötig. „Der Herr meinte nur, wenn ich Sie sehe, soll ich Ihnen ausrichten, dass er angerufen hat.“ Das ist schlichtweg falsch.
Wertung: mangelhaft

17:30
Front Office / Handling der ­gebuchten Leistungen

Am Vormittag erkundigte ich mich an der Rezeption danach, wann ich denn das Opernmenü zu mir nehmen dürfe und wann der Shuttleservice zur Semperoper startet. Die erstaunte Antwort: „Sie haben das Opernmenü gebucht? Dann um 17:30 Uhr zwei Gänge, und das Dessert, wenn Sie zurückkommen. Der Shuttle fährt um 18:30 Uhr.“

Um 17:30 Uhr bin ich in „Bülow’s Bistro“ der einzige Gast. Die Servicemitarbeiterin fragt liebenswürdig, ob mir das Menü recht sei. Es ist exakt das Gleiche, wie es auch auf der Speisenkarte des Bistros steht. Drei Gänge zu 44 Euro. Ich habe allerdings  58 Euro bezahlt. Klar, ist ja auch noch ein Glas Champagner dabei, denke ich. Doch mir wird als Aperitif ein Sekt angeboten und später auch berechnet. Suppe und Entenbrust schmecken gut. Pünktlich um 18:30 Uhr finde ich mich am Empfang ein und erkundige mich nach dem Shuttle. „Der kommt sicher gleich“, sagt die Rezeptionistin. Doch der Shuttle kommt nicht und die Rezeptionistin blättert ebenso rat- wie ergebnislos in ihren Unterlagen. „Vielleicht rufen Sie einmal an?“, versuche ich ihr auf die Sprünge zu helfen.

Mittlerweile ist es 18:40 Uhr. Um 19:00 Uhr beginnt die Vorstellung. Beim Shuttleservice geht erst niemand ans Telefon, dann will man wissen, wann das Ganze gebucht wurde, und so weiter. Mir geht die Geduld aus und ich informiere die Rezeptionistin knappen Wortes darüber, dass ich jetzt die Beine in die Hand nehmen und zur Semperoper rennen werde. In 15 Minuten beginnt die Vorstellung, zehn Minuten muss ich wohl laufen.  „Soll ich Ihnen nicht ein Taxi rufen?“ Nein, das dauert alles viel zu lang.
Wertung: mangelhaft

Besuch der Semperoper

84 Euro berechnet das Hotel für die Karte in der Semperoper, vor Ort hätte sie
66 Euro gekostet. In anderen Luxushotels wird der Ticketservice als Service empfunden, sprich: kein Aufschlag berechnet. Ich erreiche das Opernhaus um 18:57 Uhr und meinen Platz um 18:59 Uhr. Doch als um 19:00 Uhr die Musik einsetzt, ist aller Ärger vergessen. „Carmen“ als modernes Ballett in der Semperoper, live begleitet von der Sächsischen Staatskapelle Dresden – das ist ein großartiges Erlebnis in einem großartigen Rahmen.

21:30 

Bar

Zurück aus der Semperoper bin ich erfüllt von Musik und Bildern und strahlend guter Laune. Ein Dessert mag ich jetzt nicht mehr, das Glas Champagner, das man mir plötzlich offeriert, auch nicht, aber gern ein wohlschmeckendes Mixgetränk. Die Ledersessel in der Bar sehen gemütlich aus, ihre Lehnen sind jedoch so hoch, dass man sich fühlt wie eine Ente mit gehobenen Flügeln. Außerdem stehen die Sessel und Tische äußerst eng beieinander. Ich entscheide mich deshalb für einen Platz an der Bar. Mit Barkeeper L. verstehe ich mich prächtig. Den Gin Basil Smash wie auch einen Singapore Sling mixt er ausgezeichnet. Der ebenso kommunikative wie kompetente junge Mann weiß die Drinks gut zu erklären und wirkt überaus gastorientiert.

Den Gin Basil Smash beispielsweise berechnet er nicht – „sozusagen ihr Dessert“, sagt er augenzwinkernd. Umso erstaunter bin ich, als die Servicemitarbeiterin vier externe Gäste, die die Bar betreten, wieder wegschickt und die anwesenden Gäste – immerhin vier Paare und zwei Einzelgäste – darüber informiert, dass die Bar um 22 Uhr schließt.  „Wir haben heute Betriebsfeier“, erläutert mir der Barkeeper ein wenig kleinlaut, „und wir zwei sind die Einzigen, die noch arbeiten müssen. Da hat der Chef gesagt, wir dürfen um zehn zumachen.“ Zwei Gäste artikulieren ihren Unmut, woraufhin eine letzte Bestellrunde noch akzeptiert, ausgeführt und abkassiert wird. „Sie dürfen ja so lange hier sitzen wie Sie wollen“, heißt es seitens der beiden Mitarbeiter. Trotzdem: Das Verständnis dafür, dass die Bar eines Luxushotels um 22:30 Uhr nicht mehr geöffnet ist, tendiert bei der Mehrzahl der Anwesenden gegen null.
Wertung: noch gut

MO 28/01, 07:30
Weckruf


Auf die Minute pünktlich, allerdings sehr gehetzt, rattert der Empfangschef sein Sprüchlein
herunter: „Rezeption, H. (Anm.: sein Name), es ist 07:30 Uhr, Ihr Weckruf. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag!“ Schade, dass er mich nicht mit Namen angesprochen hat.
Wertung: gut

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