Hoteltest im Bülow Palais Dresden: Schmuckstück mit genug Brillanz?

Bad

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Auch das Bad zeigt sich kompakt: bodentiefe Dusche mit Schiebetüren, Marmorwaschtisch mit Mahagoniunterbau. Die Beleuchtung erfolgt durch Downlights. Der Vergrößerungsspiegel ist weder beleuchtet noch höhenverstellbar, ein Handtuchwärmer fehlt. Luxuriös geht anders. Zwar tragen die Handtücher eine Logoeinwebung, doch gibt es nur Dusch- statt Badetücher. Die kleinen Flakons mit Amenities sind von Molton Brown. Auch das Bad ist bis in den letzten Winkel blitzblank geputzt, das Housekeeping scheint einwandfrei zu arbeiten. Nur dass der Duschschlauch der Regenbrause leckt, ist übersehen worden.

Ein ausgelegter Gutschein bietet 10 Euro Preisvorteil bei einer Spa-Behandlung. Gern hätte ich diesen in Anspruch genommen (siehe „Spa-Behandlung“).
Wertung: gut

14:10

Wäscheservice

Unter der Housekeeping-Kurzwahltaste meldet sich die Rezeption. Ich hätte ein Hemd zu waschen, einen Pulli zu bügeln und einen Mantel zu entfusseln. Wäscheservice am Wochenende? Die Antwort kommt zögerlich: „Wir geben die Sachen außer Haus, und am Wochenende wird ein Aufschlag von 100 Prozent auf die Preise erhoben.“ Auch der Pulli kann offenbar nicht im Hotel aufgebügelt werden. Und das Entfusseln des Mantels? „Das bekommen wir hin.“ Ich beschränke meine Wünsche auf das Hemd und
den Mantel. 12 Euro soll das Waschen des Hemdes kosten. Erstaunt bin ich aber vor allem über den abschließenden Satz der Rezeptionistin: „Dann bringen Sie mir die Sachen doch bitte an die Rezeption …“ Am folgenden Vormittag informiert man mich darüber, dass „leider niemand erreicht“ und das Hemd deshalb nicht gewaschen werden konnte. Auch den Mantel hat man noch nicht bearbeitet. Doch bei meiner Heimkehr hängt er schließlich säuberlich abgebürstet an der Außenseite des Schranks. Genau wie der Wäschebeutel mit dem schmutzigen Hemd.
Wertung: mangelhaft

Concierge I

Im Vorfeld meiner Reise hat ein wohlmeinender Mensch unter Angabe seiner Kreditkartennummer ein Glas Champagner zur Begrüßung für mich bestellt. Eine Viertelstunde, nachdem ich mein Zimmer bezogen habe, klopft es an der Tür und eine lächelnde junge Frau überreicht mir das Getränk – mitsamt der exakt formulierten Grüße. Das hat gut funktioniert. Auch meine Bitten um ein härteres Kissen und die um eine Stunde vorzuverlegende Saunaöffnungszeit werden erfüllt. Deutlich weniger erfolgreich verläuft jedoch mein Besuch in der Lobby. Weder hat man am Front Office ein Brillenputztuch für mich – „Im Zimmer ist Seife!“ –, noch ist die Concierge anwesend, die ich hinsichtlich eines Sonntagsprogramms in Dresden befragen wollte. Am Samstagnachmittag bei vollem Haus kein(e) Concierge? „Nein. Sie finden Frau B. morgen in unserem anderen Haus, der Bülow-Residenz, nur 60 Meter die Straße hinunter. Wir müssen zwei Häuser abdecken.“ Die Rezeptionistin fragt nicht, ob sie mir vielleicht weiterhelfen kann.
Wertung: befriedigend

19:00
Abendessen 
Gourmetrestaurant „Caroussel“

Angenehme Beleuchtung, leise französische Chansons, bequeme Stühle und ein schön gedeckter Tisch. All das schafft genügend Wohlfühlatmosphäre, um das etwas angestaubte Ambiente des Wintergartenrestaurants vergessen zu lassen. Hinzu kommt die unaufgeregte, herzliche Betreuung durch Restaurantleiterin und Sommelière Jana Schellenberg sowie der eifrige Service des jungen Herrn G. und das ansteckende Strahlen der dritten Mitarbeiterin. Das Trio erledigt den Service an diesem Abend im „Caroussel“ praktisch allein – und zwar perfekt. Der Flüsterton der überwiegend pärchenweise speisenden Gäste ändert sich schlagartig, als eine Familie mit acht Erwachsenen und drei Kindern am großen Tisch Platz nimmt. Doch nachdem die Kinder ein „Obstgesicht“ als Amuse-Gueule und anschließend zügig ein Wiener Schnitzel verspeist haben, verschwinden sie mit einer eigens engagierten Kinderbetreuerin nach nebenan – und alle Gäste können in Ruhe speisen. Chapeau für dieses gleichermaßen familien- wie gastfreundliche Handling.

Überhaupt gefällt hier vieles: Der Aufsteller beispielsweise, der auf dem Aperitifwagen dezent über die Preise informiert. Das heiße, gerollte Tüchlein, das vorab für die Hände gereicht wird. Oder die Speisekarte, die zwei Menüs listet, aus denen man sich vier bis sieben Gänge kreuz und quer zusammenstellen kann. Am wunderbaren Sauvignon-Blanc-Sekt von Bassermann-Jordan nippend, studiere ich die Karte und entscheide mich für vier Gänge zu 110 Euro: ein Blaukrautsüppchen mit Apfel, Safran und Entenleber, die Kürbispraline mit Birne, Feldsalat und Ziegenjoghurt, die Languste mit schwarzem Knoblauch und Pak Choi und ein Dessert, das mit „Whiskyholz, Dinkel, Honig & Apfel“ umschrieben ist. Vorab gibt es Grissini und einen Seeigelschaum mit Parmesan-Espuma, dann hausgebackenes Kartoffelbrot mit Salzbutter und spanischem Olivenöl sowie schließlich eine Jakobsmuschel mit getrockneten Tomaten und Algensalat. Die vier Gänge begleitet Jana Schellenberg mit bestens dazu ausgesuchten Weinen und weiß mir deren Besonderheiten unterhaltsam zu erläutern. Die Speisen schmecken allesamt köstlich, wobei mein Favorit das süßsäuerlich-fruchtige Blaukrautsüppchen ist. Die Languste, eigentlich
ein Zwischengang, wird mir problemlos in größerer Portion als Hauptgang serviert. Vor meinem Dessert darf ich ein Karotteneis mit Cranberry-Mousse und Cheesecake-Creme kosten, bevor Whiskyeis und Apfelkompott meinen Magen endgültig schließen. Nicht nur ich lasse mir das Schokoladenmacaron und den Mini-Windbeutel „einpacken“, die es zum Espresso gibt. Wobei „einpacken“ bedeutet, dass die Süßigkeiten auf ein einfaches Tellerchen umgeschichtet werden; ansonsten werden alle Speisen auf feinstem Meißener Porzellan serviert.
Wertung: ausgezeichnet

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