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StartBusiness & ManagementHoteltestLuxushotel-Test in Andermatt :: Wie performt das erste europäische Chedi?

Luxushotel-Test in Andermatt  Wie performt das erste europäische Chedi?

 

Housekeeping / Remake

Zimmer und Bad wurden ordentlich aufgeräumt, die Kleidung zusammengelegt und die Schuhe paarweise ausgerichtet. Kleingeld und Wertsachen blieben unberührt. Mein auf einem Zettel hinterlassener Wunsch das Bett betreffend wurde zu zwei Dritteln erfüllt: Statt der einen übergroßen Bettdecke hat das Housekeeping zwei einzelne Decken bezogen und ein härteres Kopfkissen bereitgelegt. Der weiche Matratzentopper, den ich entfernt haben wollte, liegt jedoch noch immer auf. Im Bad liegen die privaten Kosmetikartikel adrett geordnet auf weißen Frotteetüchlein; Spiegel, Toilette und Dusche wurden geputzt, alle verbrauchten und angebrochenen Guest Supplies großzügig aufgefüllt. Lediglich ein Fleck auf dem Boden im Bad und einer auf dem Tablett der Kaffeestation wurden übersehen.
Wertung: gut

Öffentliche Bereiche

An den Fluren habe ich einen Narren gefressen. Massives Eichenholz und dicker Teppichboden treffen hier auf schlichte Stablampen, die ein orientalisches Muster an die Wände werfen. Mich begeistert aber auch, wie picobello sauber Flure und Teppichböden sind. Und nicht nur sie, sondern auch die vielen Sitzgruppen im Erdgeschoss, die Lobby, die Lounge, der Eingangsbereich – es müssen wohl Heinzelmännchen sein, die hier agieren, denn nie »erwische« ich jemanden bei der Arbeit. Die fünf Meter hohen, einem Boudoir gleichenden, fantastischen Toiletten sind selbst um 23 Uhr frisch gecheckt, das Toilettenpapier gefaltet. Meine Hochachtung.
Wertung: sehr gut

14:00 – Message-Transfer

Während ich im Spa bin, wird um 14 Uhr an der Rezeption ein wichtiger Anruf für mich entgegengenommen. Der Mitarbeiter gibt der Anruferin zwar korrekterweise nicht meine Zimmerdurchwahl, aber er leitet die Nachricht – die Bitte um dringenden (!) Rückruf – auch nicht unmittelbar weiter. Um 16 Uhr dar-
auf angesprochen, meint der junge Mann, er habe in regelmäßigen Abständen im Zimmer angerufen, um mir die Nachricht persönlich zu übermitteln. Sein Kollege bestätigt das. Als ich den Mitarbeiter frage, warum er mir keine entsprechende Notiz aufs Zimmer gelegt hat, antwortet er, das sei eigentlich nicht üblich. Aus der Gästeinformation: »Der Valet Attendant liefert Nachrichten unverzüglich nach Empfang bei Ihnen im Zimmer ab.«
Wertung: mangelhaft

Sicherheit

Im Chedi lassen sich die Aufzüge nur mit der Zimmerkarte bedienen. Auch die sonstigen Brandschutz- und Fluchtwegebestimmungen sowie die Richtlinien zur Wahrung der Diskretion gegenüber dem Gast werden eingehalten.
Wertung: sehr gut

Front Office / Concierge / Ski Butler

Ricardo ist spitze. Er weiß alles und wenn nicht, weiß er, wo er die Information herbekommt. Alles rund um das im Package enthaltene Kammerkonzert bringt der Concierge in Erfahrung, organisiert die Karten und den Transfer. Er kennt die besten Spazierwege und weiß, auf welchen wie lange die Sonne scheint. Außerdem ist er immer guter Laune und zu einem Schwätzchen aufgelegt. Auch am Front Office wird uns weitergeholfen. Als mein Brillenbügel abzufallen droht, wird kurzerhand der IT-Experte des Hauses gerufen, weil er über filigranes Werkzeug verfügt. Die Wintersportler unter den Hausgästen sind zudem voll des Lobes über den hervorragenden Ski-Butler-Service – eine Truppe sportlicher junger Menschen, die sich um alles kümmert, was den weißen Sport angeht – vom Vorwärmen der Skischuhe über den Transport der Ausrüstung bis hin zu Insidertipps, wo der beste Pulverschnee zu finden ist.  
Wertung: sehr gut

16:15 – Tea Time

Eine original englische Tea Time ist etwas Köstliches und ersetzt eine Mahlzeit. Ideal also am Nachmittag vor unserem Konzertbesuch. In der Lobby wird zwischen 15 und 17 Uhr der »The Chedi Afternoon Tea« angeboten, wahlweise mit Tee und/oder Champagner für 35 oder 55/60 Schweizer Franken. Zuerst wird mir der bestellte Champagner serviert, den ich zurückgehen lasse, weil er nicht mehr frisch ist. Die neue Flasche wird vor meinen Augen geöffnet. Nach einer Weile kommt der Tee, bei dem ich nachfragen muss, wie lange er schon zieht, da der Beutel im heißen Wasser hängt, aber kein Tea Timer mitgeliefert wurde. Die junge Servicemitarbeiterin ist unsicher und muss erst nachfragen. Noch einmal einige Minuten später wird die Etagere mit den feinen Sachen eingesetzt. Sie sind gut, aber nicht exzellent. Die vier Mini-Sandwiches sind wenig einfallsreich alle mit Lachs belegt, der Scone ist etwas zu hart und bei der Erdbeermarmelade hätte ich mir eine hausgemachte gewünscht und kein Portionsglas. Doch es gibt auch ein Stückchen des himmlischen Brownies, zwei feine Macarons und mehrere Miniküchlein aus der Patisserie, garniert mit ein paar Beeren. Auf die Rechnung muss ich lange warten.
Wertung: befriedigend

21:40 – Roomservice 2

Nach unserer Rückkehr vom Konzert haben wir keine Lust mehr auf Öffentlichkeit. Aber Hunger. Die Roomservicekarte listet eine große Bandbreite verfügbarer Speisen, von »Häppchen« wie Austern, Kaviar oder einem »Ursener Plättli« mit Wurst und Käse aus dem Tal über die Room Service Klassiker wie Entrecote und Club Sandwich bis hin zu Spezialitäten aus der asiatischen Küche. Die Preise sind gesalzen, wie für alles hier im Haus. Wir ordern sparsam einen klassischen Caesar Salad ohne alles für 29 Franken und ein Club Sandwich für 36 Franken. Dazu zwei Bier vom Fass. »Gerne«, tönt die freundliche Stimme aus dem Telefon und kündigt die Speisen in etwa 25 Minuten an. Doch schon nach 17 Minuten klingelt es an der Tür und eine Mitarbeiterin schiebt einen recht abgeschabt aussehenden Servierwagen ins Zimmer. Wir hatten vorab schon überlegt, wo und wie man hier essen soll, da es weder Stühle noch einen Tisch in passender Höhe gibt, doch die junge Frau schiebt den Wagen vors Sofa und klappt eine Seite aus. So wird es wohl einigermaßen gehen. Eine Tischdecke bekommt der Servierwagen nicht und auf eine Blume wird auch verzichtet, aber immerhin werden zwei kleine weiße Tischsets aufgelegt und Brotteller, Stoffservietten und Besteck eingedeckt. Menagen, ein Brotkorb, ein Tellerchen mit Butter und ein Tellerchen mit Senf, Mayonnaise und Ketchup sowie die bestellten zwei Bier sind ebenfalls vorhanden und der auf einem Vorspeisenteller servierte Caesar Salad auch. Das Club Sandwich sowie ein Schälchen mit Pommes frites holt die Servicemitarbeiterin aus dem Wärmefach des Servierwagens. Sie lässt sich die Rechnung unterschreiben (79 Franken) und wünscht guten Appetit. Was später mit dem schmutzigen Geschirr passieren soll, erfahren wir weder von ihr noch gibt es einen entsprechenden Hinweis auf dem Servierwagen. Die kleine Mahlzeit kann nicht so recht überzeugen. Dass die Bierkrone zusammengefallen ist, ist nachvollziehbar und noch das kleinste Übel. Das Club Sandwich ist zwar geschmacklich gut, doch nur noch lauwarm und schon ziemlich durchweicht. Was man mit den dazu gereichten Röstzwiebeln, der Cocktailsauce und den Mixed Pickles anfangen soll, ist nicht klar ersichtlich. Dem Dressing meines Caesar Salads mangelt es an Worcestersauce, dafür tummeln sich sehr viele Sardinen darin und große, geröstete, leider kalte Brotstücke darauf. Immerhin schmecken die Brotstangen und die aus frischen Kartoffeln geschnittenen Pommes richtig lecker. Und das Bier auch. Den verschrammten Servierwagen sollte man jedoch entweder abdecken oder aus dem Verkehr ziehen. Letzteres wäre auch die richtige Maßnahme für die abgeschrappten Menagen.
Wertung: mangelhaft

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