Luxushotel-Test in Andermatt  Wie performt das erste europäische Chedi?

Auf über 1.400 Metern Höhe liegt Andermatt im Schweizer Urserntal. Hier soll das größte Luxusresort der Alpen entstehen. Bereits Ende 2013 eröffnete  das Chedi Andermatt als erstes und bisher einziges Luxushotel vor Ort. Wie sich die Nobelherberge in der Abgeschiedenheit des Kantons Uri präsentiert, hat sich unser Hotetester genauer angeschaut

DO. 24/03, 11:00 – Telefonische Anfrage

Mit schweizerisch dunklem »a« gesprochen, klingt die Meldung der Telefonistin wie »The Chedi Ondermott«, gefolgt von ihrem Namen und einem kräftigen »Grüezi!« Die Dame leitet das Gespräch weiter an die »Reservation« und an Frau K., die mich, von der Telefonistin bestens vorbereitet, gleich mit Namen anspricht – und mit einem Lächeln in der Stimme. Obwohl Frau K. in einem Luxushotel arbeitet, hat sie ein Herz für Menschen mit weniger dickem Portemonnaie. Deshalb hilft sie mir freundlich und geduldig bei der Suche nach dem günstigsten Preis für zwei Übernachtungen, die ich – so die Legende – meiner »besseren Hälfte« schenken möchte. Wir landen beim Package »Romance in Style«, das 810 Schweizer Franken pro Person für zwei Nächte kostet. Es inkludiert außer der Übernachtung mit Frühstück 60 Minuten balinesische Massage (200 Franken pro Person), eine halbstündige »Liebesbad-Zeremonie« (150 Franken), ein Vier-Gänge-Menü (135 Franken) und eine Flasche Champagner mit Kanapees (100 Franken). Also eigentlich ein Schnäppchen. Zumindest wenn man bedenkt, dass die günstigste Doppelzimmerrate in der Nebensaison während der Woche 500 Franken beträgt und am Wochenende 700. Frau K. meint herzlich, man müsse sich auch mal etwas gönnen und ist dennoch nicht böse, als ich um Bedenkzeit bitte.
Wertung: sehr gut

Internet-Auftritt / Online-Buchung

Tatsächlich habe ich mein Zimmer aber längst online gebucht und dabei ebenfalls eine Art Schnäppchen gemacht. Von Karfreitag bis Ostersonntag, zu einer Zeit also, zu der man in einem schneesicheren Schweizer Skigebiet Hochsaison mit Höchstpreisen vermutet, zahlen meine Begleitung und ich je 640 Schweizer Franken für das »Swiss Chamber Music Package«. Darin enthalten sind zwei Übernachtungen mit Frühstück, ein Welcome Aperitif mit Kanapees, ein Drei-Gänge-Menü sowie die Eintrittskarte für ein Konzert im Rahmen des »Swiss Chamber Music Circle Classic Easter Festival«, welches in Andermatt stattfindet. In allen Raten inbegriffen sind stets die Nutzung des Spa und des Highspeed-WLAN, eine Tageszeitung und die nicht alkoholischen Getränke der Minibar. Kurz vor der Abreise gehe ich noch einmal in die Buchungsmaske: Selbst am Karfreitagmorgen sind noch Zimmer ab der Juniorsuite aufwärts (1.000 Franken pro Nacht) für Ostern buchbar. Das lässt tief blicken, was die Auslastung des Chedi Andermatt angeht, die im Jahresdurchschnitt mit knapp 30 Prozent angegeben wird. Am Internet-Auftritt kann das nicht liegen. Dessen seitenfüllende Fotos wecken jede Menge Sehnsucht, die der betuchte Betrachter gleich mit dem Erwerb einer Residenz im Chedi Andermatt stillen kann. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit weist die Website auf diese Möglichkeit hin, was auf die Dauer ein bisschen nervt. Die eigentlichen Hotelinformationen sind umfassend und aussagestark. Nur die Speisekarte ist nicht mehr aktuell. Und die schrecklich verschwurbelte Sprache hätte das Chedi gar nicht nötig.
Wertung: gut

Lage / Anreise

Das 1.400-Seelen-Dorf Andermatt liegt auf 1.444 Meter Höhe im Schweizer Urserntal, 45 Autominuten von Luzern und etwa vier Autostunden von Stuttgart und München entfernt. Nahe dem Gotthard wirbt das Tal mit hohen Gipfeln, tiefen Schluchten, rauschenden Wasserfällen und klaren Bergseen. Garantierter Schneefall im Winter und 1,4 Millionen Quadratmeter natürliche Alpenlandschaft zum Bergwandern, Fischen und Mountainbiken im Sommer sollen zahlungskräftige Touristen und solche anlocken, die hier einen Schweizer Zweitwohnsitz erwerben wollen. Das erhoffen sich zumindest die Bewohner des Dorfes. Nach dem Abzug der Schweizer Armee, welche früher Andermatts wichtigsten Wirtschaftsfaktor darstellte, stimmten sie mit großer Mehrheit für die Idee des ägyptischen Investors Samih Sawiris, aus Andermatt das größte Luxusresort der Alpen zu machen. Doch von den 42 geplanten Apartmenthäusern mit 500 Ferienwohnungen stehen erst vier und von den sechs Hotels erst eins – das Chedi. Mit der Verwirklichung des ehrgeizigen Projektes liegt man Jahre hinter Plan, und so sind außer dem Hotel und einer Großbaustelle am Ortseingang der Golfplatz, eine neue Seilbahn und ein paar ehrgeizige Läden und Kneipen im Dorf die einzigen Beweise für das »neue St. Moritz«. Das eigentliche St. Moritz ist Ziel des weltberühmten Glacier-Expresses, der auf seinem Weg von Zermatt dorthin in Andermatt hält. Mit dem Zug kann man auch aus Zürich und vom Züricher Flughafen anreisen. Stilvoller ist natürlich der Limousinen-Service des Chedi.
Wertung: gut

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