Hotelmarkt Türkei Harte Probe für Türkei-Tourismus

Der Anschlag auf einen Club in Istanbul an Silvester schadet dem ohnehin geschwächten Türkei-Tourismus. Nachdem bereits im vergangenen Jahr Buchungszahlen und Preise eingebrochen waren, ist mehr als fraglich, ob die Sommersaison erfolgreich verlaufen wird.

Für die Wirtschaft des Mittelmeer-Staats spielt der Tourismus eine bedeutende Rolle; rund 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden in der Branche erwirtschaftet. Im Jahr 2015 jedoch sanken die Urlauberzahlen nach mehreren Anschlägen, dem Putschversuch und einer unsicheren Sicherheitslage deutlich. Im Mai 2015 waren 40 Prozent weniger Reisende gekommen als im mehrjährigen Durchschnitt; für das Gesamtjahr wird mit einem Rückgang von rund einem Drittel gerechnet.

Eine Folge waren bislang bereits sinkende Preise bei Hotels und Reiseveranstaltern. Die Touristikkonzerne gaben im Dezember Preissenkungen von fünf (TUI) bzw. acht Prozent (Thomas Cook und Neckermann) für Ziele in der Türkei an. FTI nannte sogar ein zweistelliges Minus (wir berichteten). Und auch die Buchungszahlen für Flüge nach Antalya sanken im Vergleich zum Vorjahresmonat um erschreckende 34 Prozent.

Nach dem jüngsten Anschlag vor wenigen Tagen rutschen die Preise nun weiter ab: In einigen Luxushotels in Istanbul sind Übernachtungen inzwischen für unter 100 Euro erhältlich. Auch HRS bestätigt in einer aktuellen Studie den Preissturz: Mit einem Minus von 17,6 Prozent fallen die Preise am Bosporus auf durchschnittlich 75 Euro – damit sei Istanbul auf einem Preisniveau mit Prag und Warschau, hieß es in einer Mitteilung Anfang Januar.

Auch die Hotels an der türkischen Riviera leiden unter der aktuellen politischen Situation: Öger Tours bietet beispielsweise eine siebentägige Pauschalreise inklusive Flug und Fünf-Sterne-Hotel nach Side für unter 350 Euro an – weniger als 50 Euro pro Nacht. Und trotz des ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnisses, mit dem die Türkei nun punkten könnte, zeigen die Frühbucherzahlen die gravierende Verunsicherung der Reisenden: Während Portugal, Spanien und Griechenland stark nachgefragt seien, könne die Türkei nichts zur Erholung der Gesamtbranche in Europa beitragen, heißt es in einem aktuellen Beitrag der WELT.

Die Angst vor weiteren terroristischen Attentaten prägt sowohl das Verhalten der Reisenden als auch der gesamten Branche. Eine Erholung des Türkei-Tourismus über die Sommermonate ist unwahrscheinlich, zumal inzwischen auch das Auswärtige Amt seine Sicherheitshinweise verschärft hat. Dort heißt es inzwischen: „Es ist nicht auszuschließen, dass terroristische Gruppierungen auch weiterhin versuchen werden, Anschläge, insbesondere in den großen Metropolen, durchzuführen. Diese können sich gezielt auch gegen Ausländer richten. Reisende sollten besonders aufmerksam sein und Menschenansammlungen und Orte, an denen sich regelmäßig viele Ausländer aufhalten, möglichst meiden.“ (Auswärtiges Amt)

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