Hotelmarkt Deutschland Accor und Arcadia nach langem Streit einig

Mercure Schweinfurt

Die Arcadia Hotel-Gruppe um den Hotel-Unternehmer Reinhard Baumhögger übernimmt von AccorHotels das Mercure Hotel auf der Schweinfurter Maininsel. Wieder einmal. Vielen dürften die drastischen Maßnahmen noch in Erinnerung sein, mit denen Baumhögger vor vier Jahren den Managementvertrag mit dem Weltkonzern fristlos kündigte.

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Da ihm selbst diese Kündigungszeit zu lange dauerte, griff Baumhögger im Sommer 2011 kurzerhand zur Selbstjustiz. Mit Security-Männern ließ er das Hotel regelrecht stürmen, gab dem Geschäftsführer fünf Minuten, seine Sachen zu packen, tauschte Schlüssel und die Hotelfahnen aus und entsorgte Handtücher und Seifen mit dem Accor-Logo. Der französische Hotelkonzern ließ sich dieses Wildwest-Verhalten allerdings nicht bieten und erwirkte seinerseits eine einstweilige Verfügung gegen die Direktion.

Wenige Tage nach der Hotelbesetzung musste Arcadia das Schweinfurter Haus wieder räumen, ein Gerichtsvollzieher sorgte dafür. Das Gezerre im nachfolgenden Zivilprozess in München verlor der Unternehmer. Die Richter beurteilten in der mündlichen Verhandlung das Vorgehen als »unzulässige Selbstjustiz« und »Wildwestmethode«.

Das Schweinfurter Hotel im Besitz der Europaparkinvest GmbH & Co. KG (an dieser ist Reinhard Baumhögger nicht beteiligt, allerdings bürgt der Westfale noch für den Restkredit bei der Bank) hat sich jetzt mit dem langzeitigen Partner AccorHotels überraschend geeinigt. Zusammen mit den Pullman-Hotels in Erfurt und Dortmund (beide Häuser gehören zu verschiedenen Eigentumsgesellschaften, an denen Baumhögger Anteile in der Größenordnung von 200.000 Euro besitzt) wird auch das Schweinfurter Haus der Arcadia-Hotelgruppe eingegliedert. Der Managementvertrag war zwar langfristig angelegt und vor Gericht mit einer Laufzeit von zehn Jahren deklariert worden. Trotzdem habe man sich jetzt »im gegenseitigen Einvernehmen geeinigt, die bestehenden Verträge aufzulösen«, erklärt Accor-Unternehmenssprecher Eike Kraft.

Im Klartext dürfte dies nichts anderes bedeuten, als dass von Seiten Baumhöggers und der Arcadia Hotelgruppe der eine oder andere Euro geflossen ist, damit Accor das gewinnträchtige Hotel aus dem Vertrag vorzeitig entlässt. Kommentieren will man dergleichen bei Accor nicht, aber auch nicht dementieren. Ab 1. September werden wieder Arcadia-Flaggen auf der Maininsel wehen.

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