Hotelmarkt Baden BadenKurstadt im Wandel

Nicht nur das Stadtbild Baden-Badens ändert sich momentan gewaltig. Auch die Gästestruktur in Deutschlands bekanntester Kurstadt entwickelt sich weiter.

Es ist fast schon ein kleiner Bauboom, der in Baden-Baden im Frühjahr 2017 startet. An vielen Orten der Kurstadt stehen Kräne – oder sie sind schon wieder abgebaut. So wie am Roomers, dem jüngsten Hotel Baden-Badens, das im Oktober 2016 am Stadteingang gleich gegenüber dem größten deutschen Opernhaus seine Pforten geöffnet hat und im traditionsbewusstesten aller deutschen Kurbäder den Stilbruch wagt. Dass eine Kuckucksuhrensammlung die Roomers-Lobby ziert, gehört für Hoteldirektor Holger Flory ebenso zur Internationalität des Hauses wie die Bilder fremdländischer Damen in Schwarzwaldtracht mit Bollenhut: »Wir möchten das glatte Design im Haus mit Elementen durchbrechen, über die unsere Gäste sprechen. Der hiesige Markt ist geprägt von klassischen Grand Hotels, doch das Publikum in Baden-Baden hat sich in den vergangenen Jahren verjüngt und ist zudem sehr lifestyle-affin«, sagt Flory, der in der Kurstadt mit einer Auslastung von 60 Prozent plant.

Einige Hundert Meter weiter in Richtung Innenstadt, direkt am Ufer der Oos, die nächste Großbaustelle: Der Ende 2014 geschlossene Europäische Hof – oder besser das, was vom 1930 erworbenen Gründungshotel des Steigenberger-Konzerns noch übrig ist. Der Luisenflügel ist abgebrochen, und von den weiteren Gebäudeteilen des Hotels stehen nur noch die Grundmauern. Das Treppenhaus im Inneren des Hauptgebäudes ist mit Sperrholz verkleidet. Die Zimmer und der zur Oos gewandte Wintergarten – nur noch rohe Mauern und Glas. »Wir waren selbst erstaunt über Einiges, was wir hier bei der Entkernung gefunden haben«, berichtet Bauleiter Axel Jung. Etwa darüber, dass sich nicht alle Räume des verschachtelten Gebäudekomplexes auch in den Bauplänen wiederfinden. Und dass sich die Bausubstanz des um 1840 als Hotel de l’Europe gebauten Hauses letztlich als schlechter erwiesen hat, als dies erwartet worden war. Eine Feststellung mit Folgen – gerade auch in finanzieller Hinsicht. Aus dem ursprünglichen 57-Millionen-Euro-Investment ist bis auf Weiteres ein 65-Millionen-Projekt geworden. Die Wiedereröffnung, ursprünglich geplant für 2017, wird wohl erst im Frühjahr 2019 stattfinden. Und dennoch: »Das wird kein Relaunch einer alten Kiste. Das Interieur wird nach der Fertigstellung so sein, dass sich traditionelle Gäste ebenso wohlfühlen wie Gäste, die eher das Moderne suchen«, verspricht der Schweizer Hotelinvestor Martin Buchli. Er hat für die Zeit nach der Sanierung bereits wieder einen 20-Jahres-Pachtvertrag mit dem Betreiber Deutsche Hospitality geschlossen. 

Bild 1+2: Roomers Baden-Baden
Bild 3+4: Europäische Hof
Bild 5: Brenners Park Hotel & Spa
Bild 6: Brenners Park Hotel & Spa, Villa Stephanie

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