Hotelbad der ZukunftFunktion bleibt essenziell

Alexander Rieck ist Architekt und arbeitet gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut am Projekt "Futurehotel". (Bild: Lava)

“Nirgendwo ist das Hotel seinen Gästen so nah wie im Bad”, sagt Alexander Rieck. Der Architekt und Forscher plädiert dafür, vor allen digitalen Gadgets den Fokus ganz klar auf Funktionalität und Wertigkeit der Ausstattung zu legen, um dann mit Liebe zum Detail die besonderen Wünsche der Gäste zu erfüllen.

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Zukunftsstudien zum Thema Bad zeichnen gern Bilder von digitalisierten, smarten Räumen. Darin enthalten sind intelligente Steuerungssysteme sowie vielfältige Sensoren und Displayflächen. Sie erkennen unterschiedliche Personen, vernetzen Wearables und Smartphones mit Badanwendungen und lassen sich mittels Sprachsteuerung bedienen, während smarte WCs Vitalfunktionen und aktuelle Stoffwechselwerte erfassen.

“Solche Hightech-Bäder sind im Hotel allerdings schon allein wegen des Datenschutzes Einzelfälle”, sagt Alexander Rieck, Mitgründer des Büros Lava, Laboratory for Visionary ­Architecture. Der Architekt forscht außerdem am Fraunhofer Institut für Arbeits­wirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart, unter anderem am Projekt ­”Futurehotel”.

“Kaum jemand ist heute ohne Weiteres bereit, sensible persönliche Daten mit einem Hotelnetzwerk zu teilen. Was heute technisch möglich ist, wird eher im Bad zu Hause als im Hotelbad durchgespielt. Dort geht es um viel Grundsätzlicheres.”

Hotelbad: Erleben mit allen Sinnen

Im Vergleich zu ihrer Gesamtaufenthaltsdauer sind Gäste meist nur wenige Stunden in ihrem Zimmer und noch viel kürzer im Bad. Da Gäste auf den Zimmern meist nur schlafen, hat die Zeit, die sie im Bad verbringen, jedoch eine größere Bedeutung. “Viel schwerer als die im Bad verbrachte Zeit wiegt aber ohnehin die Tatsache, dass die Menschen im Bad häufig nackt und gewissermaßen ungeschützt sind und dass sie diesen Raum daher intensiv mit allen Sinnen erleben”, so Rieck.

Sie fühlen unmittelbar, wie warm die Luft ist, wie viel Wasser mit welcher Temperatur und Geschwindigkeit beim Duschen auf sie herabfällt, ob der Boden nass, trocken, warm oder kalt ist und ob man einen unangenehmen Luftzug wahrnimmt. “Aufgrund dieser Faktoren reagieren die Hotelgäste im Bad auf alles wesentlich sensibler als anderswo im Hotel.” Daraus resultiert im Umkehrschluss, dass diese Räume einer besonders sorgfältigen Planung bedürfen, damit sich die Gäste dort wirklich wohlfühlen. Alles andere führt unweigerlich dazu, das Gesamterlebnis im Hotel empfindlich zu beeinträchtigen.

Spannend ist dabei auch die Auflösung des Badezimmers und die Integration von zum Beispiel Badewanne und Steamroom direkt im Schlafbereich. “Bei unserem Hotel Munic für Dubai hatten wir zusätzlich noch interaktives Laufband und andere Fitnessgeräte im Zimmer plaziert”, sagt Rieck.

Ein planerischer Ansatz für das Hotelbad ist die Integration mitten im Zimmer – ganz ohne Abtrennung. (Bild: Lava)

Funktionalität ist Trumpf: 5 Tipps rund ums Hotelsbad

Entscheidend sind viele eigentlich selbstverständliche und dennoch oft missachtete Dinge:

  1. Die Lüftungsanlage sollte ausreichend dimensioniert sein, um der Schimmelbildung vorzubeugen,
  2. die Gefälle in bodengleichen Duschen sind so auszuführen, dass sich das Wasser nicht im ganzen Bad verteilt,
  3. beheizte Spiegel ermöglichen, dass sich Gäste darin auch nach einer heißen ­Dusche noch sehen können,
  4. es sollten genügend Handtuchhaken vorhanden sein, und
  5. es sollte nur so viele Silikonfugen wie nötig geben, weil sie schimmelanfällig sind und bei unsauberer Ausführung leicht Wasserschäden verursachen.

“Der Trend in der Hotelbranche geht zu vorgefertigten Bädern.”
Alexander Rieck

Die Ausführungsqualität der Bäder hängt maßgeblich von den Fähigkeiten der beteiligten Handwerker und von den Fertigungsbedingungen ab. Für Alexander Rieck bietet die Vorfertigung in diesem Zusammenhang gegenüber der Realisierung der Bäder vor Ort klare Vorteile: “Während das vielstimmige Durcheinander einer Baustelle Fehler und Bauschäden begünstigt, entstehen vorgefertigte oder zumindest in Teilen vorgefertigte Bäder unter kontrollierten Bedingungen. Dies ermöglicht nicht nur kürzere Bauzeiten, sondern vor allem präzise Fugen, Gefälle und Oberflächen, die dazu beitragen, reinigungsfreundliche, langlebige und auch ästhetische Bäder zu schaffen. Dieser Trend ist in der Hotelbranche gerade ganz klar erkennbar.”

Hochwertige Oberflächen, leichtere Reinigung

Dass diese funktionalen Grundlagen berücksichtigt werden, ist nicht zuletzt von großer Bedeutung, weil die Reinigungskräfte immer weniger Zeit haben, die Bäder zu reinigen. Je hochwertiger die Oberflächen sind, desto weniger schmutzanfällig sind sie in der Regel.

Dies hat einen bedeutenden Nebeneffekt: mehr Nachhaltigkeit. Scharfe, umweltschädliche Putzmittel sind nämlich vor allem dann überflüssig, wenn Oberflächen wie etwa Fliesen über leicht zu reinigende, vielleicht sogar antibakterielle Beschichtungen verfügen. “Wichtig für eine effektive Reinigung sind aber auch gut funktionierende Feedbackstrukturen im Hotel”, ergänzt Rieck. “Nur wenn Gäste und Personal ihre Erfahrungen und Eindrücke weitergeben, sind aktuelle Mängel, die das Wohlbefinden der Gäste beeinflussen, sowie zukünftige Schäden und Fehlplanungen vermeidbar.”

Form follows function: Ästhetik muss Teil der Planung sen

Die Form folgt der Funktion – dieser vor mehr als 100 Jahren vom amerikanischen Architekten Louis Henry Sullivan (1856 – 1924) verbreitete Gestaltungsleitsatz hat bis heute nichts an Aktualität verloren. Herausragende Ergebnisse entstehen nur dann, wenn die Funktionalität nicht Selbstzweck, sondern Teil einer Entwurfshaltung ist, in der auch ästhetische und andere Bedürfnisse der Hoteliers und Gäste eine Rolle spielen. Dies gilt für die kleinen Bäder im Motel One ebenso wie für die Fünf-Sterne-Luxusherbergen, in denen die Bäder immer häufiger zu individuellen Wellnessbereichen werden.

So oder so – es lohnt sich, Zeit, Geld und Liebe in die Planung der Bäder zu investieren. Denn nirgendwo ist das Hotel seinen Gästen so nah wie im Bad.

Roland Pawlitschko

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