Heizen mit Holzpellets30 Prozent günstiger als Heizöl

Beim Holzeinschnitt im Sägewerk entstehen etwa 60 Prozent Schnittholz und 40 Prozent Sägenebenprodukte – Rohmaterial für Holzpellets. Durch effiziente Verbrennung in modernen Pelletfeuerungen, die Temperatur, Luft- und Brennstoffzufuhr automatisch steuern, entsteht sehr wenig Asche. (Bild: DEPI / Thilo Lange)

Holz hat im Vergleich zu fossilen Brennstoffen eine viel bessere Klimabilanz. Dennoch wird sein Potenzial für Wärmewende und CO2-Einsparung häufig verkannt. Ein Gastkommentar von Klaus W. König, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben.

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Die EU-weite Korrektur des Emissionshandels, die zu erwartenden Preisaufschläge bei Heizöl und Erdgas sowie eine ansteigende Bauquote mit Holz werden die Energiepolitik und den Wärmemarkt verändern. CO2-Bepreisung und andere aktuelle Maßnahmen der Energiepolitik sind, in Kombination mit einer klugen Waldpolitik, Eckpfeiler einer zukunftsweisenden Energieversorgung. Die moderne Holzenergie aus Pellets und Hackschnitzeln wird dabei eine zentrale Rolle spielen können und müssen, denn sie kann in großem Maße zur CO2-Einsparung beitragen.

Bauholz als CO2-Speicher, Pellets als wertvolles Restmaterial

Die Herstellung von Pellets ist weder heute noch in der Zukunft Anlass, um in Deutschland Holz im Wald einzuschlagen. Das „Ernten“ der Bäume geschieht vor allem zur Gewinnung des Bau- und Werkstoffes Holz. Das in der Wachstumsphase des Baums aufgenommene CO2 ist in Balken, Brettern und Latten gebunden: unter günstigen Umständen viele Jahrzehnte, in Einzelfällen einige hundert Jahre. Bis aus diesen Baumaterialien durch Verwitterung irgendwann CO2 frei wird, ist längst die übernächste Baumgeneration dabei, Holz bereitzustellen und damit die Kapazität des Waldes mit seiner klimaschützenden Wirkung zu erhalten.

Durch Holzverwendung am Bau werden energieaufwändige Materialien wie Beton oder Stahl sowie fossile Energieträger ersetzt. Mehr Holzbau bedeutet nicht nur mehr CO2-Bindung über viele Jahrzehnte in verwendeten Baustoffen, sondern auch mehr Späne und Hackschnitzel. Als idealer Rohstoff für Pellets fallen sie beim Einsägen der Baumstämme in großen Mengen an. Deshalb waren Holzpellets in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt 30 Prozent günstiger als Heizöl und Erdgas. Zusätzliches CO2 entsteht beim Verbrennen von Holz nicht, denn bliebe es im Wald, würde durch den biologischen Abbau dieselbe Menge freigesetzt.

Zu erwartender Mehrbedarf kann gedeckt werden

Aktuell verändert die Bundesregierung die Energie- und Klimapolitik in Deutschland. Durch die mit dem Klimaschutzprogramm 2030 angekündigte CO2-Bepreisung werden fossile Energieträger wie Heizöl oder Erdgas teurer. Damit sollen ihre Folgekosten für Klima, Umwelt und Gesellschaft, wenn auch unvollständig, abgebildet werden. Im Gegensatz zu fossilen Energien stehen Holzpellets für eine weitgehend klimaneutrale Herstellung und sind von der künftigen CO2-Bepreisung nicht betroffen.

Der zu erwartende Mehrbedarf an Pellets kann wohl auch künftig durch den europaweiten Spitzenwert an Holzvorräten in deutschen Wäldern und die in großer Menge anfallenden Sägenebenprodukte aus heimischer Produktion gedeckt werden. Die Produktion von Holzpellets nimmt seit Jahren stetig zu. Mit mehr als 2,8 Millionen Tonnen wurde 2019 eine bis dahin noch nie erreichte Menge produziert. Für das Jahr 2020 erwartet die Branche eine weitere Steigerung auf 3 Millionen Tonnen Brennstoff. Deutschland ist bis heute regelmäßig Nettoexporteur von Pellets gewesen.

Saubere Holzverbrennung in der Hotel-Heiztechnik

Holz steht im Verruf, bei der Verbrennung die Umgebung mit Feinstaub zu belasten. Tatsächlich bilden im Kaminofen langsam vor sich hin glimmende Holzscheite ohne ausreichende Luftzufuhr unnötige Rauchgase. Anders der Abbrand im Pelletkaminofen oder in einer modernen Zentralheizung: Der Betrieb ausgereifter Serienprodukte mit automatischer Temperaturkontrolle, Brennstoff- und Luftzufuhr garantiert vollständige Verbrennung, also maximale Energieausbeute bei minimalen Emissionen.

Pelletheizungen bewähren sich beim Neubau und bei der Heizungserneuerung im Altbau. Ein Drittel der Pellets geht in größere Feuerungen kommunaler Einrichtungen oder Nahwärmenetze, dient zur Beheizung mehrgeschossiger Bauten oder Hotels und für andere Zwecke, bei denen Wärme benötigt wird.

Fördermittelrechner schaffen Klarheit

Wer beim Heizen auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit mit moderner Holzenergie setzen will, wird vom Staat seit 1. Januar 2020 noch stärker als bisher unterstützt: Mit der neuen Austauschprämie erhalten Besitzer von Ölheizungen bis zu 45 Prozent Zuschuss für eine neue Pelletheizung, alle anderen profitieren beim Heizen mit Pellets von einem Zuschuss in Höhe von 35 Prozent.

Details erklärt das Deutsche Pelletinstitut (DEPI) in seinem neuen Infoflyer „Mehr Karma. Mehr Cash.“ und mit dem aktualisierten Fördermittelrechner für Holzkessel und wasserführende Pelletkaminöfen. Darüber hinaus nennt die Förderfibel des DEPI weitere Details zu sämtlichen Förderungen für Pelletfeuerungen durch Bund, Länder und Kommunen.

Praxistipps für Hoteliers

  • Regenerative Holzpellet-Heizung trägt zum Image des Hotels bei. Es empfiehlt sich, an geeigneter Stelle Gäste dazu zu informieren.
  • Contracting ist die bequemste Art, umweltverträgliche Wärme zu kaufen. Wie bei Fernwärme wird nur die tatsächlich genutzte Wärme bezahlt. Investition und Wartung übernimmt der Contractor.
  • Wird auf eigene Rechnung gebaut, sollte die Wartung von Kessel und Pelletlager an den Installateur oder den Hersteller delegieren werden – das rechnet sich.
  • Es lohnt sich, den Brennstoff bei einem ENplus-zertifizierten Pellethändler zu kaufen. Das Material ist stabiler und wird mit Sorgfalt verladen. Damit entsteht weniger Feinanteil durch Abrieb.
  • Aus demselben Grund sollte beim Bau des Lagers darauf geachtet werden, dass die Einblasleitung möglichst gerade ist und unvermeidliche Bögen einen großen Radius haben.
  • Der Aufwand einer Lagerreinigung kann vermieden werden, wenn der Behälter regelmäßig komplett entleert wird. Der Feinanteil kann sich dann nicht in störendem Maße akkumulieren.
  • Kostengünstig ist, wenn der Inhalt eines kompletten Lieferfahrzeugs bestellt wird. Oder wenn eine automatische Füllstandsanzeige des Lagerbehälters vom Pellet-Lieferanten online einsehbar ist. Dann kann er eigenverantwortlich den für ihn günstigen Termin und bei Touren mit mehreren Lieferadressen die für ihn passende Liefermenge disponieren.

Zum Autor

Dipl.-Ing. Klaus W. König lebt in Überlingen am Bodensee als freier Fachjournalist und Buchautor sowie von der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Bewirtschaftung und Nutzung von
Regenwasser. Er veröffentlicht regelmäßig Artikel in Umwelt-, Architektur-, GaLaBau-, Heizungs- und Sanitärzeitschriften und ist Lehrbeauftragter an der ESB Business School der Hochschule Reutlingen.

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