HDV-Vorsitzender Jürgen Gangl gibt Experten-TippsDarauf sollten Führungskräfte in der Krise achten

Jürgen Gangl ist Vorsitzender der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland und General Manager des Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz. (Bild: HDV)

Worauf sollten Führungskräfte in Krisenzeiten wie aktuell achten? Welche Funktion übernehmen die General Manager? Und was darf bei der Kommunikation mit den Mitarbeitern nicht falsch gemacht werden? Das erklärt Jürgen Gangl, Vorsitzender der Hoteldirektorenvereinigung Deutschland und General Manager des Park Inn by Radisson Berlin Alexanderplatz im Tophotel-Interview.

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Dieser Artikel ist Teil unserer umfassenden Berichterstattung über die Coronakrise. >>> zur Übersicht

Tophotel: Herr Gangl, wie sollten sich Hoteldirektoren als Gastgeber und Führungspersonen in dieser Krisenzeit verhalten?

Jürgen Gangl: Diese Krise fordert einen immensen Einsatz vom General Manager, den Führungskräften und dem gesamten Team. Es zeigt sich, ob schon vor der Krise gut kommuniziert und erfolgreich zusammengearbeitet wurde. Vertrauen, Umsicht und Einfühlungsvermögen sind gefragt. Wenn Teams es gewohnt sind, gemeinsam Lösungen zu finden und sich aufeinander zu verlassen, vermittelt das allen Mitarbeitern Sicherheit. Gerade in der Krise zahlt sich ein gesunde Führungskultur aus.

Welche Funktion nehmen die Direktoren im Betrieb ein?

Die General Manager sind Ansprechpartner für fast alle Fragen, Probleme und Ängste, die eine Krise mit sich bringt. Auch hier kommt es darauf an, sich mit der Führungsmannschaft im Hotel kontinuierlich abzustimmen, transparent zu kommunizieren, manchmal auch unbequeme Entscheidungen zu treffen und vor allem Ruhe zu bewahren. Dabei muss immer das Wohl der Mitarbeiter, der Gäste und des gesamten Hotels die Leitlinie sein, an der sich alle orientieren. Am Ende sind wir in einer Krise auch Krisenmanager.

Worauf sollten Führungskräfte in der Kommunikation mit Mitarbeitern gerade jetzt besonders achten?

In dieser extrem schwierigen Situation müssen wir möglichst jeden Mitarbeiter in unserer Branche halten, indem wir Zuversicht und eine Perspektive vermitteln. Die Finanzkrise 2008/2009 hat viele Mitarbeiter in andere Branchen abwandern lassen. Das spüren wir bis heute. Es muss deutlich werden, dass wir alles tun, um die Arbeitsplätze zu sichern, dass wir für jeden einzelnen Mitarbeiter kämpfen und ihn unterstützen. Hier ist konstante und transparente Kommunikation, auch mithilfe von Mitarbeiterversammlungen, dem Intranet, über Newsletter und Social Media gefragt. Wir müssen erklären und aufklären. Jede Unterstützung bei Themen wie Kurzarbeit muss schnell und unbürokratisch gewährleistet sein, um Unsicherheiten zu nehmen und Vertrauen aufzubauen.

Welche Hilfestellungen bietet die HDV für ihre Mitglieder an?

Die HDV ist ein aktiver Netzwerkverband, in dem sich die Mitglieder intensiv austauschen und auch außerhalb unserer Jahrestagungen und regionalen Events füreinander da sind. Dieses Netzwerk stellt eine große Hilfe dar. Sich jetzt digital austauschen, miteinander reden, sich gegenseitig helfen, das zeichnet die HDV aus. Mitglieder können sich aber auch jederzeit an die Vorstandsmitglieder oder an unsere Geschäftsstelle wenden.

Birgt die Krise auch Chancen?

Niemand kann sich auf eine Krise dieser Art, die schlimmste, die die meisten von uns je erlebt haben, vorbereiten. Es zeigt sich, dass über Jahrzehnte erprobte Geschäftsmodelle, die bisher allen Anfeindungen trotzen konnten, diesem Virus Tribut zollen müssen. Wenn Sie nach Chancen fragen, dann, dass sich unter Umständen der innerdeutsche Tourismus positiv entwickeln wird.

 

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