Wein-Tipp 2011 Assyrtiko AmynteonGriechischer »Riesling«

Tophotel-Autor Rudolf Knoll stellt in dieser Ausgabe wieder einen für die Gastronomie überaus interessanten Wein vor, der durch sein sehr gutes Preis-Wert-Verhältnis überzeugt.

Griechisches Weinseminar für rund 30 Studenten des renommierten Campus Geisenheim in der Riesling-Region Rheingau: Zum Finale ist eine Blindprobe angesagt – zwei Rheingauer Riesling trocken, ein Assyrtiko aus dem Norden Griechenlands. Die angehenden Winzer sollten herausfinden, welcher der drei Weine der Ausländer ist. Ergebnis: Für 40 Prozent duftete und schmeckte die wertvollste griechische Weißweinsorte wie Riesling. Das Resultat überraschte nicht – Assyrtiko hat das Aroma der deutschen Edelrebe und ähnelt ihr auch in Struktur und Säure. Sie ist zudem gut geeignet für edelsüße Weine; so ist der Vinsanto von der Insel Santorini oft ein sortenreiner Assyrtiko. Womöglich gibt es eine noch nicht wissenschaftlich untersuchte Verwandtschaft in grauer Vorzeit? Ein Unterschied zum Riesling ist jedoch vorhanden: Der Grieche lässt sich auch mit durchaus guten Ergebnissen im neuen kleinen Eichenfass (Barrique) ausbauen.

Unser Wein stammt aus einer weniger bekannten Region in Makedonien. Amynteon steht etwas im Schatten der Anbaugebiete Naoussa und Goumenissa. Aber in den vergangenen 15 Jahren setzten einige – meist junge Betriebe – neue Akzente, so auch die kleine Domaine Karanika, die nur rund vier Hektar bewirtschaftet und von dem holländischen Ehepaar Laureus und Annette Hartman gegründet wurde. Die Reben stehen auf 650 Meter Höhe, unweit des malerischen Vegoritis-Sees. Eine Gegend, in der im Winter schon mal Schnee fällt und es im Sommer nicht brütend heiß wird. Die guten klimatischen Voraussetzungen für den ökologisch orientierten Weinbau werden ausgezeichnet genutzt. Die Domaine, die bei der Kellerwirtschaft sehr schonend mit viel Schwerkraft arbeitet, kann auch mit verschiedenen roten Cuvées aufwarten, bei denen die sehr eigenständige, aber spannende lokale Sorte Xynomavro mit im Spiel ist. Von ihr gibt es – neben einer Solo-Füllung – auch einen interessanten Brut-Sekt. Entdeckt wurde die Domaine vom Hamburger Weinhändler Ralph Urban, der ein großes Herz für das wirtschaftlich notleidende Griechenland hat. Sein Sortiment beinhaltet eine Reihe interessanter Entdeckungen, darunter vor allem autochthone Sorten vom Festland. 

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