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StartPeople & BrandsBrandsGreen Sign Podiumsdiskussion::Nachhaltigkeit in der Hotellerie

Green Sign PodiumsdiskussionNachhaltigkeit in der Hotellerie

Xenia zu Hohenlohe – Managing Partner/Founder, Considerate Group

Green Sign: Frau zu Hohenlohe, vor 8 Jahren haben Sie die „Considerate Group“ gegründet, die Unternehmen aus der Hotellerie im Bereich CSR berät. Wie hat sich aus Ihrer Sicht das Engagement der Hotels in den letzten Monaten verändert?

Ziemlich radikal würde ich sagen, weil jetzt alle verstanden haben, dass ein nachhaltiges Engagement nicht mehr nur „nice to have“ ist, sondern, dass es jetzt tatsächlich eine höhere Priorität bei der Strategieplanung einnimmt. Die Hotelindustrie war schon immer ein bisschen im Bereich CSR hinterher, wenn man es mit anderen Branchen vergleicht. Inzwischen hat die Hotellerie aber erkannt, dass sie in die Gänge kommen muss.

Was werden Gäste der Fünfsternehotellerie verlangen und wie können Hotels dem gerecht werden?

Die Fünfsternehotellerie hat eine besondere Rolle, weil sie als Vorzeigebeispiel betrachtet wird. Hier muss der Hotelier besonders darauf achten, sich richtig zu verhalten, um dem gerecht zu werden. Im Bereich Nachhaltigkeit gilt also aus Hotelsicht, alles was möglich ist, umzusetzen. Es ist nicht mehr zeitgerecht, das Frühstücksbüffet zu überladen, auch wenn wir in einem Luxushotel sind.

Hingegen ist es empfehlenswert, verschiedene Tellergrößen anzubieten, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Genau so kann man argumentieren, um zu begründen, wieso man auf den täglichen Handtücher- und Bettwäschewechsel verzichtet. Dafür bietet man aber den Gästen beispielsweise einen super Ausflug zu einer regionalen Werkstatt, die traditionelle Produkte herstellt, an. Am besten eine, die eher unbekannt ist. Somit kann man auf der einen Seite die regionale Wirtschaft unterstützen und auf der anderen Seite die Guest Experience ausbauen. Luxus ist für mich eher etwas mit der Hand Hergestelltes, in einem alten, traditionellen Familienbetrieb. Das sind Produkte, die der Hotelier unterstützen kann.

Ist die Kommunikation bei nachhaltigen Themen in der Fünfsternehotellerie einfacher oder schwieriger?

Hier muss der Hotelier seine eigene Geschichte erfinden, es muss zum eigenen Branding passen. Wie ist das Hotel positioniert und wer sind die Gäste? Darauf basierend kann der Hotelier Stories erzählen. In ein Fünfsternehaus geht der Gast, um etwas zu erleben und erwartet einen gewissen Lifestyle. Die Erlebnisse, die der Hotelier seinen Gästen anbietet, kann er auch wunderbar visuell oder über Social Media kommunizieren. Hier muss der Hotelier nicht unbedingt sagen: „Hey schaut uns an, wir sind so toll, wir wechseln nicht täglich die Handtücher!“. Sondern eher: „Wir haben ein super, regionales Familienschreinerunternehmen, welches uns aus Holz die und die Möbel im Hotel hergestellt hat. Gerne können Sie sich das Unternehmen auch selbst anschauen und hinfahren.“ Das ist eine glaubwürdige, nachhaltige Kommunikation, die nichts mit Greenwashing oder dem „erhobenen Zeigefinger“ zu tun hat. Ein Fünfsternehaus hat im Vergleich zu einem Zweisternehaus viel mehr Ebenen, um die Nachhaltigkeit zu kommunizieren. Zum Beispiel kann auf der Menükarte im Restaurant eine Story erzählt werden: Woher kommen meine Produkte? Wie arbeite ich mit meinen regionalen Landwirten zusammen? Durch diese Möglichkeiten ist die Kommunikation bei nachhaltigen Themen einfacher.

Welche Marketing- und Kommunikationsstrategien können Sie aus Beratersicht geben?

Da kommen wir wieder zurück auf den Punkt, dass der Hotelier passenden Content als Posting auf Social Media (Facebook/Instagram) erstellen sollte, um sein nachhaltiges Engagement transparent darzustellen. Ein Businesshotelier muss seinen Geschäftskunden, welche größere Buchungen tätigen, vorweisen können, ob er nachhaltig ist und inwiefern er welche internationalen CSR-Referenten, beispielsweise eine (GreenSign)-Zertifizierung, vorweisen kann. Da insbesondere Geschäftskunden auf den Nachhaltigkeitsaspekt wertlegen. Es gibt daher zwei Ebenen, der Geschäftskunde und der Freizeitkunde, welche unterschiedliches erwarten und die unterschiedlich angesprochen werden müssen.

Was ist Ihre Vision für die nächsten Jahre im Bereich Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit kommt jetzt so langsam bei allen an oder ist angekommen, es gibt aber immer noch ein paar, die zögern. Jetzt, durch die Corona-Krise, sagen viele Hoteliers: „Oh, jetzt können wir kein Geld ausgeben!“ Auf der anderen Seite sind solche Krisen genau der Moment, bei dem ein Hotelier sagen kann: „Ok, jetzt haben wir nicht so viele Gäste und dadurch mehr Zeit für Dinge, die ich normalerweise auf die Seite lege, weil die Zeit fehlt.“ Daher ist es auch wieder eine Chance.

Gerade wenn dem Hotelier einige Buchungen wegfallen und er schaut, an welchen Stellen er Geld einsparen kann, kann ich nur aus Erfahrung sagen, dass im Bereich Energie immer Kosten eingespart werden können. Der Hotelier kann anfangen, sich damit zu beschäftigen, wie er sein Haus energieeffizienter aufstellen kann, indem er schaut, dass er seinen Wasser-, Gas- und Elektrizitätsverbrauch unter Kontrolle hat. Auf diese Sachen könnte er sich in solchen Zeiten beispielsweise konzentrieren. Die Politik gibt den Unternehmen einiges vor im Bereich Nachhaltigkeit, zum Beispiel durch die CO2-Ziele. Die gesetzlichen und finanziellen Herausforderungen werden immer größer, wenn man die Nachhaltigkeit nicht integriert. Nachhaltigkeit ist daher keine Euphorie des Moments, sondern eine Anpassung an die politische Situation, an die Weltsituation und die ändert sich nicht, sondern wird immer schlimmer!

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