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StartPeople & BrandsBrandsGreen Sign Podiumsdiskussion::Nachhaltigkeit in der Hotellerie

Green Sign PodiumsdiskussionNachhaltigkeit in der Hotellerie

Oliver Winter – Gründer und CEO, a&o hostels Marketing

Green Sign: Herr Winter, Sie sprechen mit Ihren A&O Hostels hauptsächlich die junge Generation an. Diese gilt im Zuge der Fridays For Future Bewegung der vergangenen Jahre als besonders nachhaltig. Macht sich dieses nachhaltige Verständnis Ihrer Meinung nach in der Erwartungshaltung Ihrer Gäste bemerkbar?

Oliver Winter: Das definitiv, ja. Sowohl aus Gästesicht, als auch aus Mitarbeitersicht – ich finde beides interessant. Ich stehe ja mit den Mitarbeitern mehr im täglichen Kontakt als mit den Gästen, deshalb fange ich mit der Mitarbeiterschaft an. Da merkt man einen totalen Wandel bei neuen Mitarbeitern, für die wir regelmäßig Welcome-Days machen. Unser Maßnahmenkatalog, der inzwischen aus 103 Punkten besteht, ist zum Großteil auf Wunsch und auch auf Initiative unserer Mitarbeiter entstanden. Also sowohl durch Ideen der Mitarbeiterschaft, aber auch ganz konkrete Forderungen, zum Beispiel: „Muss das sein mit diesen kleinen Verpackungen?“ oder „Wo kommt unser Strom her?“.

Dass unsere Gäste anders reagieren merken wir ganz klar bei den Schulklassen. Das hören wir viel von den Veranstaltern aus dem Schulfahrten-Bereich, mit denen wir zusammenarbeiten. Die sind sich alle einig, dass Schulklassen grundsätzlich immer zu allererst die Bahn anfragen, häufig dann aber auf eine Busreise wechseln, weil der Kostenaspekt bei Schulklassen natürlich eine Rolle spielt. Aber alle Klassen haben den Vorsatz und das Nachfragekriterium, wie umweltfreundlich sie reisen. Wie umweltfreundlich die Unterkunft ist, wird meiner Meinung nach noch nicht so stark hinterfragt – bei Nachhaltigkeit denkt jeder erstmal an den Transportweg. Man merkt ja auch die Flugscham ganz stark; der Gesetzgeber in Schweden beispielweise erlaubt keine Schulfahrten mehr mit dem Flugzeug. Diesen Wandel bekommen wir mit. Einer unserer großen B2B-Partner ist die Deutsche Bahn Gruppenreisen, welche den Transportweg grün abbildet und inzwischen auch die Unterkünfte auf Nachhaltigkeit abfragt, um möglichst wenig Kompensation aufwenden zu müssen für das Angebot einer komplett grünen Reise. Im B2B-Bereich kommt also auch ganz klar diese Forderung. Auch aus Investorensicht ist die Nachhaltigkeit ein Thema für uns, denn große institutionelle Investoren erwarten inzwischen auch, dass bestimme Nachhaltigkeitsstandards erfüllt werden.

Bekommen Lehrer bei der Planung der Fahrten Druck von den Schülern, auf Nachhaltigkeit zu achten?

Ja, ich glaube auch, dass das mehr von der Schülerschaft kommt als von der Elternschaft. Von den Elternabenden meiner eigenen Kinder habe ich den Eindruck, dass das Thema von der jungen Generation mehr getrieben ist, als von den Eltern. Denn im Fall von Schulfahrten muss die Elternschaft die Kosten tragen. Das erklärt auch, warum die Bahnreise zwar zunächst immer angefragt wird, aber im Endeffekt doch die Busreise gewählt wird. Wir hören auch viel, dass teilweise Destinationen gewählt werden, die erdgebunden erreicht werden können. Zwar kommen bei den Veranstaltern nach wie vor die Anfragen, nach Rom oder Madrid zu reisen – aber mit der Bahn beziehungsweise dem Bus. Die Busreise ist bedeutend günstiger, dauert aber zwei Tage länger. Und dann entscheiden sich die meisten doch für eine Reise nach Hamburg.

Wo liegen die Herausforderungen, um nachhaltig zu agieren, im Hostelbereich?

Was wir hier natürlich komplett ausblenden ist der nachhaltige Erbau eines neuen Hotels. Stattdessen sprechen wir darüber, einen bestehenden, dauerhaften Betrieb nachhaltig zu gestalten. Da sollte man, denke ich, zu anfangs unterscheiden. Von unseren 103 Maßnahmen für die A&O hostels waren wir überrascht, wie viele von denen eigentlich überhaupt gar keine Herausforderung für uns darstellen, sondern rein organisatorischer Natur sind. Es ist so simpel. Wir waren ja schon immer kostengetrieben, und Kosteneffizienz ist erstaunlicherweise in den allermeisten Fällen Umwelteffizienz. Die zwei Dinge passen einfach zusammen.

Wir haben uns von vornherein überlegt, welche Dinge wir in unseren Hostels überhaupt anbieten möchten. Ein Schwimmbad oder ein Gym wäre bei uns zum Beispiel völlig unnötig gewesen. Ebenso wie eine Minibar. Dadurch waren wir in der Nachhaltigkeit schon gut aufgestellt. Über Dinge wie Verpackungen und den Müllverbrauch bei uns nachzudenken, kostet einmal Zeit. Am Ende hat man dadurch aber sogar Einsparungen in der Monatsrechnung.

Was ist Ihre Vision für die nächsten fünf Jahre im Bereich Nachhaltigkeit in der Hostellerie?

Mein Ziel war eigentlich bis Ende 2021 unter sieben Kilogramm CO2-Ausstoß pro Bett zu verursachen. Das haben wir erfreulicherweise schon jetzt erreichen können. Da das sehr unerwartet kam, hatte ich keinen konkreten Fünf-Jahres-Plan überlegt. Nun können wir uns aber neuen, ambitionierten Zielen widmen und uns unseren übrigen Punkten der 103 Maßnahmen anschauen.

Auf die gesamte Hostellerie betrachtet, fände ich es gut, wenn bei der Planung einer Klassenfahrt auf dem Elternabend die Nachhaltigkeit genauso eine Rolle spielen würde, wie der Preis. Das versuchen wir jetzt natürlich auch voranzutreiben, weil wir im Thema inzwischen gestärkt und selbstbewusst aufgestellt sind. Ich fände es schön, wenn die Leute in fünf Jahren ein noch größeres Verständnis von grünen Unterkünften und noch konkretere Erwartungen diesbezüglich hätten.

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