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StartPeople & BrandsBrandsGreen Sign Podiumsdiskussion::Nachhaltigkeit in der Hotellerie

Green Sign PodiumsdiskussionNachhaltigkeit in der Hotellerie

Thomas Sommereisen – Senior CR Consultant, Scholz & Friends Reputation

Green Sign: Herr Sommereisen, Scholz & Friends Reputation berät Unternehmen schon seit mehr als zwölf Jahren in der Nachhaltigkeit. Inwiefern hat sich die Corporate Social Responsibility (CSR) über die Jahre verändert?

Als sich Scholz & Friends Reputation unter dem Dach der Agenturgruppe Scholz & Friends als Nachhaltigkeitsberatung 2007 gründete, war CSR für viele Unternehmen ein Instrument freiwilliger Selbstverpflichtung – sozusagen ein Nice-to-have. Daher ging es in den ersten Jahren noch viel darum, sinnvolle Ansätze für gesellschaftliches Engagement zu entwickeln, und das häufig gemeinsam mit der Marketing-Abteilung. Heute hat sich das komplett verschoben: CSR hat deutlich an Relevanz gewonnen und ist ein Querschnittsthema im Unternehmen: es betrifft sowohl das Umweltmanagement als auch Public Affairs, Investor Relations oder das Risikomanagement.

Wir beobachten zudem, dass auch die Anspruchsgruppen der Unternehmen, die sogenannten Stakeholder, andere Erwartungen an Unternehmen stellen als noch vor 10 oder 15 Jahren. Wir erleben eine nie da gewesene Aufmerksamkeit für Nachhaltigkeitsthemen, die auch Politik und Wirtschaft nicht mehr länger ignorieren können. Daher findet hier sowohl in Vorstandsetagen ein Umdenken statt, als auch bei den Investoren.

Sie haben es bestimmt mitbekommen, dass Black Rock-CEO Larry Fink in seinem diesjährigen Brief an die Vorstände von Unternehmen ein klares Bekenntnis zu Nachhaltigkeit einforderte. Die Politik zieht nach: Mit dem European Green Deal setzt Ursula von der Leyen Nachhaltigkeit und Maßnahmen gegen die Klimakrise als Schwerpunkte auf die politische Agenda der neuen EU-Kommission. Auch die Gesetzgebung auf nationaler Ebene verschiebt sich von soft zu hard law: Seit 2017 gibt es für bestimmte Unternehmen in Deutschland eine CSR-Berichtspflicht und keine Freiwilligkeit mehr. Das bedeutet, dass kapitalmarktorientiere Unternehmen auch über nichtfinanzielle Aspekte ihrer Geschäftstätigkeit Auskunft geben müssen. Außerdem wird derzeit in der Bundesregierung über ein Gesetz diskutiert, das deutsche Unternehmen dazu verpflichtet, in ihren Lieferketten Menschenrechte einzuhalten. In zwölf Jahren hat sich also sehr viel verändert, CSR ist schon lang kein Nice-to-have mehr, sondern lässt sich nicht mehr wegdenken – und das ist auch gut so. Wir sind auf jeden Fall gespannt, was wir von den nächsten zwölf Jahren erwarten dürfen.

Sie beraten Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen zum Thema Nachhaltigkeit. Lassen sich hier bestimmte Themen und Trends erkennen, die auch für die Hotellerie eine wichtige Rolle spielen können?

Auf jeden Fall. Jede Branche hat bestimmte Kernthemen, auf die die jeweiligen Unternehmen ihren Fokus legen müssen. Wie schon gesagt, beobachten wir aber auch, dass in der breiteren Öffentlichkeit das Interesse für Nachhaltigkeitsthemen in den vergangenen Monaten regelrecht durch die Decke gegangen ist. Hierzu zählt allen voran die drohende Klimakrise, genauso wie Plastikmüll in den Ozeanen und der nachhaltige Umgang mit Wasser. Auch die Arbeitsbedingungen und Einhaltung von Menschenrechten bei der Produktion von Konsumgütern sind Themen, die immer mehr Verbraucher bewegen.

Und was die Öffentlichkeit bewegt, muss auch für Unternehmen und natürlich auch für die Hotellerie eine Rolle spielen. Denn heutzutage trifft ein Verbraucher oder Gast nicht mehr nur eine Entscheidung, ob ein Produkt oder eine Dienstleistung zu ihm individuell passt, sondern entscheidet sich auch dafür, was für gesellschaftliche und ökologische Auswirkungen seine Kaufentscheidung hat. Im Supermarkt entscheide ich mich zum Beispiel, ob ich Bio-Eier, Eier aus Freiland- oder Käfighaltung kaufe. Dabei wäge ich ab, wie wichtig mir die Unterstützung einer artgerechten Hühnerhaltung ist. Ähnliche Abwägungen trifft auch ein Gast, wenn er sich bei der Hotelbuchung entscheiden muss: Beispielsweise zwischen einem Hotel, das ausschließlich konventionelle Bettwäsche nutzt oder für ein Hotel, das konsequent auf Bettwäsche aus Biobaumwolle setzt. Daher müssen sich natürlich auch Hotels damit auseinandersetzen, was ihre Gäste bewegt und zu den großen ökologischen, gesellschaftspolitischen oder sozialen Themen eine Haltung entwickeln und kommunizieren.

Sie sagten ja zu Beginn bereits, dass an die unternehmerische Nachhaltigkeit verstärkt politische und gesellschaftliche Anforderungen gestellt werden. Wie schafft es auch die Hotellerie diesen Anforderungen zu begegnen?

Auch Hotels müssen eine Haltung zu Nachhaltigkeitsthemen entwickeln. Dabei ist es nicht entscheidend, dass ich als Hotelier zu jedem Thema eine nachhaltige Lösung parat habe. Vielmehr sollte ich mich fragen: Was sind die Themen, zu denen ich mich positionieren will und kann. Ich sollte mich hierzu mit meinen Mitarbeitern austauschen, eventuell eine Umfrage bei meinen Gästen machen: Was ist denjenigen besonders wichtig, die in meinem Hotel übernachten. Dadurch kann ich thematische Schwerpunkte entwickeln, auf denen ich aufbaue. Einen Leitfaden und relativ niedrigschwelligen Einstieg bietet der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK). Entlang von 20 Kriterien unterstützt der DNK Unternehmen beim Aufbau einer Nachhaltigkeitsstrategie und liefert damit eine Orientierung, wie man sich dem Thema überhaupt nähern kann. Ich kann nur Mut machen: Fangen Sie an und probieren Sie aus. Denn hierin liegt auch eine große kommunikative Chance: Nachhaltigkeit kann begeistern und Spaß machen. Gäste verbinden mit Nachhaltigkeit oft andere, positive Attribute, wie Gesundheit, Hygiene und Wohlbefinden. Gleichzeitig sprechen Sie über Ihr neues Engagement gegebenenfalls neue Zielgruppen an und heben sich vom Wettbewerb ab.

Was ist Ihre Vision für die nächsten fünf Jahre im Bereich Nachhaltigkeit in der Hotellerie?

Nachhaltigkeit wird für Hotels zu einem der wichtigsten Wettbewerbsfaktoren. Danach richtet sich dann auch die gesamte Branche aus: Hotels versuchen sich mit kreativen Nachhaltigkeitskonzepten zu überbieten und suchen immer neuere Wege, mit ihren Gästen in einen Dialog zu wichtigen gesellschaftspolitischen und ökologischen Themen zu treten. Schon im Booking-Prozess wird es den Gästen leicht gemacht, nachhaltige Hotels zu erkennen, indem zum Beispiel Suchportale über entsprechende Filter verfügen. Sanfter Tourismus ist auf dem Vormarsch und auch Reiseveranstalter haben das Potenzial erkannt und bieten nachhaltige Gesamtpakete im großen Stil an: Von der ökologisch sinnvollsten Form der Anreise, über die Wahl von besonders grünen Hotels bis hin zu Ausflügen, durch die die einheimische Wirtschaft angekurbelt wird. Hotels und Anbieter, die sich dem verweigern, haben langfristig wenig Chancen, auf dem Markt zu überleben.

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