Gleichstellung Emanzipiert mit Luft nach oben

Welche Chancen haben Frauen im Tourismus weltweit? Wie nutzen sie diese? Amadeus hat mit internationalen Organisationen eine weltweite Gender-Studie durchgeführt, die im Herbst veröffentlicht wird. Tophotel hat exklusiv erste Ergebnisse erhalten.

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„Globaler Bericht über Frauen im Tourismus: Auf dem Weg zur Gleichstellung der Geschlechter“ – so lautet der offizielle Name der Studie, die von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Arbeit (GIZ), der Weltorganisation für Tourismus der Vereinten Nationen (UNWTO), der Weltbank sowie von Amadeus getragen wird. Im Fokus stehen die aktuellen Bedingungen und Situationen von Frauen in Tourismusberufen weltweit bzw. aktuelle Fördermöglichkeiten, um Frauen in bestimmten Ländern entsprechend sozioökonomisch zu stärken. Dafür wurden im vergangenen Jahr Umfragen sowie bis zu sechs spezifische Fallstudien in 72 Staaten durchgeführt. Die Ergebnisse werden derzeit mit offiziellen Statistiken in Europa, Nordamerika und allen anderen Regionen weltweit verglichen und im Oktober dieses Jahres veröffentlicht.

„Wir konnten feststellen, dass der Tourismus in besonderem Maße geeignet ist, Frauen in Arbeit und Beruf zu bringen, sie zu qualifizieren, zu fördern und wirtschaftlich unabhängig zu machen.”
Charoula Gkioka

Charoula Gkioka, Program Manager, Industry Affairs bei der Amadeus IT Group, gab bei einem exklusiven Interview auf der ITB erste Einblicke: „Grundsätzlich sind in den befragten Regionen 61 Prozent der im Tourismus arbeitenden Angestellten Frauen“, berichtet sie. „Wir konnten feststellen, dass der Tourismus in besonderem Maße geeignet ist, Frauen in Arbeit und Beruf zu bringen, sie zu qualifizieren, zu fördern und wirtschaftlich unabhängig zu machen. Der Zugang zum touristischen Arbeitsmarkt ist tatsächlich vergleichsweise leichter, auch in eher männertypischen Berufen im Tourismus.“ Zugleich habe die Reiseindustrie aber auch vielerorts ein Imageproblem, weil die Ausbildung im Vergleich zu anderen Branchen als tendenziell weniger hochwertig angesehen werde.

Immer noch Aufholbedarf auf der obersten Führungsebene

Eine weitere Erkenntnis: Im Tourismus sind die Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern nicht so hoch wie in anderen Branchen. Dennoch sind immer noch mehr Frauen in der zweiten Führungsebene zu finden als in der ersten. „Was mich bei den Tendenzen, die wir bisher feststellen konnten, auch in besonderem Maße überrascht hat, ist die Tatsache, dass selbst in hochentwickelten Industrienationen wie Japan Frauen im Tourismus noch nicht so häufig in den Positionen agieren, für die die Möglichkeiten vorhanden wären“, erläutert die Verantwortliche für globale Partnerschaften/Social Responsibility bei Amadeus. Hier würden nach wie vor traditionelle Frauenbilder wirken.

Amadeus nimmt solche Ergebnisse zum Anlass, Studien dieser Art durchzuführen. „Wir gehören zu den größten Unternehmen im Tourismus und wollen Verantwortung übernehmen – indem wir die Branche auf die Gender-Problematik hinweisen, über die aktuellen Arbeitsbedingungen für Frauen im Tourismus weltweit informieren und ein Bewusstsein für das Thema schaffen“, betont Charoula Gkioka. „ Auf dieser Basis sollen große und kleinere Tourismusunternehmen auch zu eigenen Maßnahmen und Programmen animiert werden.“ Accor Hotels beispielsweise habe unter anderem auf Basis früherer und aktueller Ergebnisse sein Gleichstellungsprogramm „Rise“ neu aufgesetzt.

In Spanien engagiert sich Amadeus bei dem Programm „Inspiring Girls“, das vor vier Jahren in Großbritannien gegründet wurde und Mädchen zwischen zwölf und 16 Jahren ermöglicht, in eher männertypische Berufe reinzuschnuppern. Seit einigen Jahren gibt es auch das Programm „Amadeus Women Network“, bei dem Frauen aus zehn verschiedenen Ländern für einen regelmäßigen Austausch zusammengebracht werden. Charoula Gkioka selbst leitet auch „Technology for Good“, eine Sammlung von Sozialprojekten, bei denen Amadeus mit Kunden und NGOs zusammenarbeitet.

Sylvie Konzack

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