GADGenuss durch Genügsamkeit

Unter dem Stichwort »GAD-kontrovers« widmet sich die Gastronomische Akademie Deutschlands in loser Folge Themen und Stimmungen, die bewegen oder polarisieren – Leserreaktionen erwünscht. Dieses Mal macht Unternehmensberater Frank Hornberg gleich mehrere Gedankensprünge.

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Sprung 1
Mein Großvater – in der vierten Generation Bäckermeister – machte mit seinem Messer über jedem Laib Brot, den er frisch anschnitt, ein Kreuzzeichen. Diese Geste ist mir bis heute in Erinnerung geblieben.

Sprung 2
In kaum einem Hotelzimmer dieser Republik fehlen die mehr oder weniger intelligent gestalteten Schilder, die mahnen: »Handtücher auf den Boden, heißt: Bitte wechseln! Handtücher …« Es folgt der Hinweis auf Millionen Liter Wasser und Tonnen von Waschmitteln. Man hat mir gesagt, dieser »grüne Kalkulations-Umwelt-Gedankenblitz« war nicht Ergebnis einer teuren Agenturkampagne; vielmehr hatte diese Idee die Geschäftsführerin einer Kooperation.

Sprung 3
In der »Süddeutschen Zeitung« stand am 27. Dezember 2011 auf Seite 2 unter der Rubrik »Außenansichten« ein sechsspaltiger Artikel von Ralf Südhoff, Leiter des UN World Food Programms D, A, CH, mit dem Titel: »Kichererbsenpaste und Dattelriegel«. Zentrale Aussage: Welt- weit sind 195 Millionen Kinder unterernährt. Das sollte man ändern. In derselben Zeitung erfuhr man dann auf Seite 6 einspaltig von der »Halbie-rung der Abfälle« und, dass in Deutschland etwa 25 Prozent aller gekauften Lebensmittel weggeworfen würden. Ziel der Europäischen Union sei es, diese Zahl bis 2020 zu halbieren.

Sprung 4
»Das Essen, das in Europa weggeworfen wird, würde gleich zweimal reichen für alle Hungernden der Welt«, so die Aussage des vielfach preisgekrönten Films »Taste the waste«. Nun ist es sicher infantil, in der Welt der globalisierten Hightech-Logistik zu glauben, man brauche ja nur die »ungenutzten« Kapazitäten zu den Hungernden zu bringen. Aufgrund von Vorschriften, Gesetzen, Aus- und Durchführungsbestimmungen sowie Verordnungen klappt das ja noch nicht einmal auf kommunaler Ebene – was die Arbeit der »Tafel« und ähnlicher Einrichtungen nicht schmälern soll. Die obige Aussage soll provozieren, zum Nachdenken anregen und, was genauso wichtig ist, zum Handeln auffordern.

Sprung 5
Ich gebe zu, ich bin erst zwischen Weihnachten und Silvester dazu gekommen, die Dezemberausgabe von »Top hotel« aufmerksam zu lesen. Nach meiner – zugegeben subjektiven Wahrnehmung – war die Fachzeit- schrift »gefüllt wie eine Weihnachtsgans« mit Berichten über Wettbewerbe, Vorberichten, Nachberichten, Aufforderungen zur Teilnah-me und mit Fotostrecken der jeweils dazu gehörenden Events. Dazu eine sponsernde Zu- lieferindustrie, die den hoffentlich erfolgenden positiven Imagetransfer nutzen möchte. Damit ich nicht falsch verstanden werde: Wettbewerb ist gut, er ist die Seele des Erfolgs, der Motor des Fortschritts. Die Wettbewerbe der Brillat-Savarin-Stiftung waren legendär und auch die GAD hat hier Erfolge vorzuweisen.

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