TV und EntertainmentGenug GEZahlt

Kaum dass die ebenso umsatzträchtigen wie stressigen Wochen zum Jahresende gemeistert sind, wirft die Branche einen bangen Blick auf das kommende Jahr, das durch viele zusätz­-liche Abgaben bereits seine Schatten vorauswirft. Allein die Neuregelung der GEZ-Gebühren, die sich nicht mehr an Fernseh- und Radiogeräten, sondern an der Anzahl der Zimmer ­orientiert, bringt Entlastung – wenn auch nicht allen Betrieben.

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2013 wird das deutsche Gastgewerbe nicht nur durch höhere Strom- und Energiekosten stärker zur Kasse gebeten. Mehraufwendungen werden auch durch die EEG-Umlage fällig, die einer aktuellen Dehoga-Umfrage zufolge die Hotels durchschnittlich mit 5300 Euro belasten. Wieviel Gebühren die GEMA ab April 2013 durch ihre radikale Tarifreform zusätzlich einstreichen wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Einführung der »zum Teil exorbitanten, existenzbedrohenden Gebührenerhöhungen« (Dehoga) ausgesetzt wird, bis es zu einem ­Einigungsvorschlag der Schiedsstelle gekommen ist. Auch wenn es zunächst paradox klingt: Als Hotelier tut es da fast schon gut, Post von der Gebühreneinzugszentrale zu bekommen, denn ab kommendem Jahr werden durch die Neuregelung der Rundfunk- und Fernsehgebühren viele Betriebe entlastet. Der Grund liegt in der neuen Veranschlagung von Unternehmen, die ihre Rundfunk-Abgabe künftig gestaffelt nach der Zahl der Mitarbeiter bezahlen. Hotels unterliegen weiterhin einer zusätzlichen Zahlungspflicht in Höhe von einem Drittel pro Zimmer.

So macht sich für die Hotellerie folgende Rechnung auf. Bis dato zahlte ein Hotel mit 18 Mitarbeitern, zwei Dienstfahrzeugen, 100 Zimmern (mit Fernsehern), einem Fernseher im Foyer und in drei Tagungsräumen sowie einem Radio und einem Internet-PC im Büro eine Rundfunkgebühr von monatlich 1437,70 Euro. Ab dem 1. Januar 2013 zahlt dieses Hotel voraussichtlich einen Beitrag von monatlich 646,94 Euro, wie der Bund der Selbstständigen (BDS) errechnet hat (siehe Beispielrechnung). Die Beitragsschuld reduziert sich somit für dieses Beispielhotel um rund 55 Prozent.

Das Beherbergungsgewerbe wird also generell vom neuen Rundfunkfinanzierungsmodell profitieren. Festgehalten werden muss in diesem Zusammenhang, dass kleinere Hotels mit weniger als 50 Zimmern bislang nur für die Hälfte der Zimmer Rundfunkgebühren zahlen mussten, weshalb sich beispielsweise für ein 49-Zimmer-Hotel nur noch eine Reduzierung von 36 Prozent ergibt. Der BDS sieht daher bei der Reform eine »Unwucht« zulasten der vor allem auf dem Land anzutreffenden kleinen Beherbergungsbetriebe. Während Hotels allerdings generell weniger Geld an die GEZ überweisen, werden die Hostel-Besitzer vor den Kopf gestoßen, denn auch sie sollen künftig 5,99 Euro pro Zimmer zahlen – auch wenn dort weder Fernseher noch Radios zu finden sind.

Worst-Case-Szenario für Hostels

»Das einzige Radio in unserem 20-Zimmer-Haus steht an der Rezeption. Und für dieses Gerät bezahlen wir brav unsere GEZ- und Gema-Gebühren«, erklärt Jörg Schöpfel, Manager des East Seven Hos­tel Berlin. Ab 2013 verlangt die GEZ vom Hotel jährlich rund 1440 Euro; bisher war mit 100 Euro alles abgedeckt. »Ich soll für etwas bezahlen, wovon weder ich noch meine Gäste irgendetwas haben. Das widerspricht meinem Rechtsempfinden«, erklärt Schöpfel. Die GEZ appelliert ihrerseits an die Solidarität der Hostelbetreiber. Nach ihrem Verständnis ergibt sich die Legitimation der Neuregelung aus dem Grundgedanken, dass alle Räume, in denen eine Einrichtung von Empfangsgeräten theoretisch möglich wäre, verständlicherweise mit einer entsprechenden Gebühr belegt werden. Schließlich sollten sich Hotels und Hostels als Teil der Gesellschaft verstehen und dazu einen angemessenen Beitrag leisten.

Eine andere Reaktion von Hostelbetreibern ist der Austritt aus dem Dehoga. Da der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband die neue Gebührensatzung der GEZ akzeptierte, sahen sich einige Manager nicht mehr ausreichend repräsentiert. Auch behalten sich einige Hostelbetreiber wie Oliver Winter von den A&O Hostels vor, gegen die Reform vor Gericht zu gehen. In den kommenden Wochen und Monaten wird zu sehen sein, inwieweit dies Früchte trägt.

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