Von Porzellanblumen zu verwittertem Holz: Die Looks der neu gestalteten F&B-Bereiche in den Münchner Grandhotels Vier Jahreszeiten Kempinski und Bayerischer Hof erzählen komplett unterschiedliche Geschichten. Gemeinsam haben sie ihre große Authentizität.

Anzeige

Spiegelfliesen, Kristalllüster, filigranes Porzellan: Dass Kempinski viel Geld, genau gesagt 20 Millionen Euro, in die umfangreiche Modernisierung der F&B-Outlets des Grandhotels Vier Jahreszeiten München investiert hat, verrät schon der erste Eindruck. Für die Neugestaltung des Sternerestaurants „Schwarzreiter“ hat sich Designer Colin Finnegan die Münchner Luxus-Flaniermeile Maximilianstraße, an der das Hotel liegt, als Vorbild genommen. Und sich auf klassische Elemente fokussiert. Marmor – wenn auch aufgemalt – als Verkleidung der Fensterbögen, edle Goldverzierungen an den Stühlen und in die Tische eingelassene delikate Porzellanblüten kreieren eine royale Atmosphäre.

Im modernisierten Restaurant “Schwarzreiter” dominieren Weiß- und Beigetöne. Gestaltet wurde das Interior vom Designer Colin Finnegan.

Die Speisen werden serviert von Deutschlands jüngster Sterneköchin Maike Menzel, die sich auf moderne bayerische Küche spezialisiert hat. Zubereitet werden Gerichte wie das Reh vom Gutshof Polting mit Wachholder, Schwarzwurzel, Cranberry und Buchweizen im Untergeschoss, das per Rolltreppe erreichbar ist. Dort kocht das Team auch die Speisen für das zweite Restaurant, die „Schwarzreiter Tagesbar“, die etwas legerer eingerichtet wurde. Saisonale Martini und aufwendige Cocktails können die Gäste an der „Jahreszeiten Bar“ bestellen, die ebenfalls ein Makeover bekam. Einige historische Einrichtungsstücke wurden dort bewusst in Szene gesetzt und durch neues Mobiliar ergänzt. So hängt die goldene Barleuchte bereits seit einigen Jahrzehnten über dem antiken Bartresen.

Axel Vervoordt modernisiert den Palais Keller im Bayerischen Hof

Ein 8,40 Meter langer Eichentisch, verwittert und professionell aufgearbeitet, fällt dagegen in den Räumen des Traditions­restaurants „Palais Keller“ im Hotel Bayerischer Hof München sofort ins Auge (Foto oben). Dann bleiben die Blicke der Besucher am hellen Steinboden hängen, der an ein grobes Straßenpflaster erinnert. In beiden Details spiegelt sich der Ansatz des belgischen Inneneinrichters Axel Vervoordt wider, der für die Modernisierung des „Palais Kellers“ (Invest rund 2,4 Millionen Euro) verantwortlich zeichnet und der bereits zum siebten Mal für Hotelinhaberin Innegrit Volkhardt tätig war. Der Inneneinrichter setzt auf die Schönheit des Unperfekten.

So wurde die Tafel aus einem Eichenbaum, heimisch einst im Garten des Antiquitätenhändlers, gefertigt. Der Steinboden unter den 200 Sitzplätzen stammt aus Italien und diente bereits vor 400 Jahren als Straßenbelag. Wände und Decken samt Rundbögen in dem 1425 als Salzlager errichteten „Palais Keller“ wurden freigelegt und mit Kalkfarbe in ­ihren ursprünglichen Zustand versetzt. Das Mobiliar besteht aus altem Holz, auf ­alles Überflüssige wurde darüber hinaus bewusst verzichtet. Das passt auch zum Foodkonzept. Denn die ­traditionellen Gerichte von ­Küchenchef Tobias Heinze zeichnen sich aus vor allem durch ihre Klarheit und Ausdrucksstärke.

Anzeige