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Start Technik & Betrieb Design & Inspiration Gastkommentar von Ästhetik-Spezialist Jörg Becker: Die Lobby als inspirierender Workspace

Gastkommentar von Ästhetik-Spezialist Jörg BeckerDie Lobby als inspirierender Workspace

Bei der Konzeption moderner Arbeitsplätze halten ästhetisch anspruchsvolle Hospitality-Design-Konzepte verstärkt Einzug in die Planungen. In der Hotelimmobilie selbst schafft die Innenarchitektur nicht nur eine besondere Atmosphäre für den Gastaufenthalt, sondern immer häufiger auch ein inspirierendes Arbeitsumfeld im Sinne eines Coworking-Space.

Jeder Mensch braucht ästhetische Geister, um zu leben.” Davon war der französische Modeschöpfer Yves Saint Laurent überzeugt und bezog sich damit auf den großen Einfluss und die Notwendigkeit von Ästhetik im Alltag. Architekten und Designern in der Hotellerie ist dieser Zusammenhang von positiven Erlebnissen und schöner Umgebung bewusst: Seit jeher schafft vor allem die Luxushotellerie besondere, magische Orte. Diese ästhetische Raumerfahrung lässt sich nach Forschungserkenntnissen auch für das Berufsleben nutzbar und den Mitarbeitern zugänglich machen. Viele Innenarchitekten und Designer überlegen, wie sich die ästhetischen Erfahrungen in einer Hotellobby in die Gestaltung von Büroelementen übertragen lassen.

Gerade vor dem Hintergrund einer sich rasant verändernden Arbeitswelt mit veränderten Organisationsstrukturen, mobilen, flexiblen und agilen Arbeitsweisen, können Räume verbindend und sogar identitätsstiftend wirken. Wenn klassische Arbeitsorte in Form von Büroflächen wegfallen und die im eigenen Zuhause neu entstandenen Arbeitsplätze auf Dauer zu eng oder schlichtweg ungeeignet sind, werden mehr Coworking-Orte benötigt.

Ort der Begegnung als Office

Im Zentrum des modernen Hospitality-Designs steht die Lobby – einst Merkmal der gehobenen Hotellerie, gewann sie im Laufe der vergangenen Jahre auch im Budget-Bereich an Bedeutung. Motel One zum Beispiel erklärt die Lobby, die „One Lounge“, zum Herzstück der Hotelimmobilie. Sie ist eingebettet in ein Narrativ mit lokalem Bezug, realisiert in Kooperation mit lokalen Künstlern, die sich mit ihren Werken auf den jeweiligen Ort beziehen. Und noch etwas hat sich in den vergangenen Jahren verändert: Die Lobby ist nicht mehr nur ein Ort des Ankommens, des Verweilens und der Begegnung, sondern immer häufiger auch Arbeitsplatz für Gäste. Wo früher Menschen in ihren Hotelzimmern an Schreibtischen saßen, arbeiten sie heute in Lobbys und Bars. Auch immer mehr Nicht-Hotelgäste nutzen die Gemeinschaftsumgebungen.


Argumente für das Coworking im Hotel

  • Arbeitgeber und Mitarbeiter greifen auf eine bestehende Infrastruktur zurück
  • Die Nutzer erwartet ein hoher technischer Standard
  • Gesteigerte Kreativität durch ein inspirierendes Umfeld
  • Vernetzung untereinander/Kollaboration
  • Möglichkeiten für gemeinsame Projektzusammenarbeit

 

Junge Hotelmarken setzen auf diesen Trend. Im Moxy Frankfurt East etwa findet der User in der Hotellobby alles, was er für einen produktiven Tag braucht: Tische mit Steckdosen, Macbooks zur freien Verfügung, kostenfreies Highspeed-WLAN und Drucker. Das hippe Interior mit verschiedenen Sitzgelegenheiten und Lichtsystemen verleiht dem Coworking-Space einen relaxten Look. Die Lobby ist nicht nur Arbeitsplatz für Gäste und Externe, sondern wird auch von den Hotelmitarbeitern für Bürotätigkeiten genutzt – was auch zum intensiven Austausch, zu Offenheit und Kollaboration führt.

Ästhetik auf den ersten Blick

Was aber sind diese besonderen atmosphärischen Elemente, die aus dem modernen Design des Gastgewerbes entnommen und in die Gestaltung von Büroräumen und Workspaces integriert werden, um Ziele wie Motivation, Bindung und Kollaboration zu erreichen? In einer Befragung von Nutzern eines an das Hospitality-Design angelehnten Coworking-Space erwiesen sich folgende Elemente als besonders wirkungsvoll: Licht, Offenheit im Raumkonzept, Farben und Mobiliar. Positiv wird der Aspekt Horizont, der Blick auf den Himmel, bewertet. Zudem ist für eine intensive ästhetische Erfahrung im Raum ein starker Reiz unabdingbar. Erste positive Eindrücke müssen beim Besuch der Räumlichkeiten innerhalb von Sekundenbruchteilen vermittelt werden.

Neue Arbeitswelt, neue Räume

Immer wieder zeigen Studien, dass die Wahrnehmung der Menschen, die täglich schöne Räumlichkeiten für ihre Arbeit nutzen, signifikant positiv beeinflusst wurde. Relevant werden neue Bürokonzepte auch in einer Zeit, in der sich Arbeitsweisen verändern. Umgebungen können diese Veränderung symbolhaft darstellen und fördern. So stellen kreative Bürokonzepte einen wichtigen Aspekt bei der Einführung von New-Work-Ansätzen dar. Die zunehmende Komplexität der Arbeitswelt, das Erfordernis besserer Kollaboration und eine Zunahme des mobilen und agilen Arbeitens machen standardisierte Bürokonzepte obsolet. Neues Arbeiten erfordert neue, besondere Räume – gar Erfahrungswelten. Räume, die die Hotellerie erschaffen kann.

Zum Autor

Jörg Becker ist Wirtschaftsingenieur, war mehr als 25 Jahre in multinationalen Firmen als Senior Executive in Europa und Asien tätig und arbeitet heute als selbstständiger Unternehmensberater. Er besitzt einen Insead Executive Master in Individual- und Organisationspsychologie und hat in diesem Zusammenhang eine Studie zum Thema „How Does Aesthetic Experience Matter? An Exploration of Individual Work Experience in a Coworking Space Following the Concepts of Modern Hospitality Design” verfasst.

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