Panoramahotel OberjochGanz großes (Allgäu)Kino

Nach rund 16 Monaten Bauzeit hat Ende September auf 1200 Metern Höhe das Panoramahotel Oberjoch seine Pforten geöffnet. Inmitten der Bilderbuchkulisse der Allgäuer Bergwelt. Mit 113 Zimmern und Suiten. Mit einem jungen Team. Und mit einem frischen Konzept, das für verschiedene Zielgruppen etwas bietet.

An Bergen, Wiesen, Seen und anderen landschaftlichen Attraktionen mangelt es dem Allgäu nicht. Auch nicht an traditionell geführten Gastronomie- und Beherbergungsbetrieben. Hotel-Neubauten sind in der Region hingegen Mangelware. Jahrelang gab es keine nennenswerte Neueröffnung. Umso größer das Ah und Oh, als das Projekt eines Vier-Sterne-Superior-Hauses im verträumten Bergdorf Oberjoch Gestalt annahm – von den lokalen Politikern zurecht als »Tourismus-Turbo« gesehen und entsprechend unterstützt und gefördert. Einheimische, die im Vorfeld befürchtet hatten, dass ein Bau dieser Größenordnung nicht ins Dorfbild passen könnte, durften bald durchatmen. Bei aller Modernität fügt sich die halbkreisförmige Architektur harmonisch in die Landschaft ein und huldigt mit den verwendeten Materialien der Region. Auf Nachhaltigkeit und Energie-Effizienz wurde ebenfalls geachtet, unter anderem durch wärme- dämmende Maßnahmen, den Einbau von Sys­-temen zur Wasser- und Wärmerückgewinnung und einer Pellet-Heizung.

Um ganzjährig möglichst konstant bis zu 270 Betten zu belegen, muss man ein griffiges Konzept haben. »Sommerfrischler« und Wintersportler allein können das Haus nicht füllen. So hat die Betreiberfamilie Lerch, die unter anderem durch die Leitung des Parkhotels Jordanbad in Biberach langjährige Erfahrung aufweisen kann, ihr neues Projekt am Oberjoch auf zwei Standbeine gestellt. Das erste mit Tagungen und Incentives, das zweite mit Wellness und Aktivurlaub. Die Zielgruppe Familie überlässt man gern dem im Sommer neu eröffneten Kinderhotel Oberjoch, das in Sichtweite auf einer Anhöhe thront. Zum einen, weil diese spezielle Klientel ohnehin nicht mit den Business- und Spa-Gästen harmonieren würde, zum anderen weil man in unmittelbarer Nachbarschaft bekanntlich besser mit- als gegeneinander arbeitet.

17 Millionen Euro flossen in den dreistöckigen Neubau des Panoramahotels, den Gerhard Füss mit seinem Architekturbüro Füss aus Burgberg im Allgäu geplant hat, und der mit Hilfe von Regionalbanken finanziert wurde. Auch der Investor, Gerhard Breher, kommt aus der Gegend: Die Breher Bau- und Immobilienmanagement GmbH hat ihren Sitz in Bad Grönenbach. Da muss man kaum noch erwähnen, dass der Auftrag für Ausbau und Ausstattung an ein Unternehmen aus dem nahen Immenstadt ging – die Hagenauer Group –, und auch die Handwerker und die Hotelmitarbeiter bevorzugt aus der Region rekrutiert wurden. Regionalität ist Trumpf, dieses Credo zieht sich wie ein roter Faden durch das Hotel: von den verwendeten Produkten und Materialien über die Küche bis hin zum Wellnessangebot. Der Standort hat schließlich einiges zu bieten – zum Beispiel ganz großes Allgäu-Kino. Neben dem unverbauten Panorama, das im Namen Eingang fand, ist die klare Höhenluft ein werbewirksames Thema – »die beste Luft Deutschlands«, wie Geschäftsführerin Julia Lerch schwärmt. Denn als erste zertifizierte allergiker-freundliche Gemeinde im Alpenraum ist Oberjoch ein Eldorado für Pollen- und Milbengeplagte.
Neben der ausgezeichneten LUFT gibt es quasi vor der Hoteltür das Hochmoor (ERDE) und Gebirgsbäche (WASSER) – das inhaltliche Konzept den vier Elementen zu widmen, lag also nahe. Das FEUER knistert in den verschiedenen Kaminen des Hotels – etwa in der Lobby, im A-la-carte-Restaurant »Feuerstein« und in einem Ruheraum im Spa. Alles ist offen gestaltet, strömt durch den Einsatz von natürlichen Materialien und warmen Farbtönen Behaglichkeit aus. Mit Akzenten in Gold wird der alpine Look veredelt. Hochwertig ja, aber nicht steif, lautet die Devise. »Wir bieten gute Qualität in legerem Umfeld und sehen uns als Lifestyle-Hotel. Dazu trägt auch unser durchweg junges Team bei«, erklärt Julia Lerch, die mit ihren 24 Jahren ebenfalls eine sehr junge Chefin ist und mit rund 70 Mitarbeitern an den Start gegangen ist.

Damit die Gäste möglichst viel von der Landschaft genießen können, haben alle Zimmer Balkon und Bergsicht Richtung Süden oder Südwesten. 30 Prozent der Einheiten sind mit Parkett, der Rest mit kuscheligem Teppichboden ausgelegt. Allergikerzimmer gibt es in alle Kategorien. Heimische Eiche und Steinfliesen prägen den Naturlook, abgerundet von Lampen mit Füßen aus knorrigem Holz und Fotos mit Bergpanoramen oder anderen alpinen Szenen. Komfortable Bäder, separate Toiletten, Minibar, Flat-TV, Telefon und WLAN sind Standard. Die Kategorien reichen vom Doppelzimmer mit Dusche (ca. 35 qm) bis hin zur 90 Quadratmeter großen »Suite Selfness« – ein »Spielzimmer für Erwachsene«, das mit technischen Gimmicks wie Wii, Play-Station und Xbox ausgestattet ist. In den Galeriezimmern (65 qm) befinden sich »oben« ein zweites Doppelbett, eine separate Dusche und eine Toilette. Eine Besonderheit ist die luxuriöse »Spa-Suite« (ca. 65 qm) mit Sauna und Whirlpool auf der Galerie. Alle Suiten haben eine kleine, private Bibliothek.

Der Gedanke der Nachhaltigkeit und Regionalität spiegelt sich auch im Küchenkonzept des Panoramahotels wider. Neben der kräuterbetonten heimischen Küche stehen auch internationale Speisen zur Auswahl; über allem schwebt der Slow-Food-Gedanke. Küchenchef Roman Beer setzt zudem bevorzugt auf Produkte, die fair gehandelt werden. Aufgetischt wird für die Hotelgäste im Halbpensions-»Panoramarestaurant«, beim Fünf-Gänge-Menü stehen jeden Tag drei Hauptgang-Varianten zur Auswahl – Fisch, Fleisch und Vegetarisch. Von Donnerstag bis Dienstag geöffnet hat das A-la-carte-Restaurant »Feuerstein«. In der Weinkarte mit rund 200 Positionen aus Deutschland und Europa findet jeder Gast zudem den passenden Begleiter zum Essen. Rus­tikal, behaglich und hochwertig wirkt die Einrichtung beider Restaurants. Das gleiche gilt für die Bar »Freiluft«, die durch ihre exponierte Lage im Eingangsbereich auch externe Gäste anziehen soll. In der Wintersaison lädt das Hotel hier zum gepflegten Après-Ski ein. »Die Loungemöbel werden noch mit Fellen und Decken ausgelegt«, erklärt Julia Lerch. Denn durch die halbkreisförmige Bauweise ist ein windgeschützter Innenhof entstanden, in dem man sich nicht nur im Sommer gerne aufhält.

Die Trumpfkarte – die Umgebung – wird im gesamten Haus ausgespielt – auch im 3000 Quadratmeter großen »Alpin Spa«. So ist der Innenpool (15 x 6 m) durch eine Schleuse mit dem beheizten Outdoor-Infinity-Pool verbunden. Die Saunalandschaft bietet neben verschieden temperierten Saunen und Dampfbädern eine urige Blockhaussauna im Freien. Zusätzlich zu den verschieden gestalteten Ruheräumen – »Feuerraum«, »Panorama-Ruheraum«, »Raum der Stille« mit Wasserbetten – gibt es ausreichend Liegefläche im Grünen. Und auch das Spa-Bistro verfügt über eine windgeschützte Terrasse. Neben den genannten Einrichtungen, die allen Hotelgästen von 7 bis 19 Uhr (Saunen ab 10 Uhr) zugänglich sind, kann das »Private Spa« mit Sauna, Whirlwanne und Wasserbett gebucht werden. In den acht schlicht gestalteten, großzügig bemessenen Behandlungsräumen – darunter ein Raum für Partnertreatments – wird nach Terminabsprache massiert, verwöhnt und verschönt. Auch hier setzt das Hotel bewusst regionale Akzente mit Anwendungen wie der »Elemente-Massage«, dem »Moorbad« oder der »Allgäuer Kräuterstempel-Massage«. Zum Einsatz kommen Produkte von Clarins sowie von den biozertifizierten Kosmetikmarken Primavera und Amala. Letztere steht für »höchste Reinheit«. Abgerundet wird das Angebot durch einen Fitnessraum mit Life-Fitnessgeräten und einem Gymnastikraum für Yoga und Pilates; die Kurse werden angeleitet von einer Fitness-Therapeutin aus der Sportmedizin. Wie im F&B-Bereich öffnet sich das Haus im »Alpin Spa« nach außen und bietet mit Tageseintritten und Mitgliedschaften Wellnessbegeisterten aus der Umgebung die Nutzung als Day Spa an.
Auch für die Zielgruppe der Businessgäste ist das »Alpin Spa« ein angenehmes Extra nach einem langen Seminartag. Die fünf tageslichthellen Tagungs- und Seminarräume sind nach den vier Elementen benannt; der größte davon misst 290 Quadratmeter und trägt den Namen »Elemente«. Bei der Einrichtung wurde neben modernster Tagungstechnik auf eine angenehme Atmosphäre und Ergonomie geachtet. In allen Räumen gibt es einen direkten Zugang ins Freie, auf die Terrasse und Bergsicht, denn in den Tagungspausen sollen die Gäste möglichst viel von der Landschaft genießen. Julia Lerch: »Wir organisieren Tagungen, aber auch Feste von zehn bis 250 Personen.« Durch die Zusammenarbeit mit der Agentur Pur Group kann das Hotel ein breit gefächertes und bei Bedarf sehr actionreiches Rahmenprogramm bieten.

Mit der bisherigen Resonanz auf den Hotelneugang ist Hotelchefin Julia Lerch mehr als zufrieden: »Wir hatten im Oktober mit einer Auslastung von 60 Prozent gerechnet, liegen jedoch im Moment bereits bei über 85 Prozent. Auch die Monate November und Dezember gehen in diese Richtung.« Die Wochenenden seien bis Ende des Jahres ausverkauft. »Dies hat uns sehr positiv überrascht und erfordert das Einstellen weiterer Mitarbeiter.«

 

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