Hotelaktienbörse 12/2011Furcht vor der Rezession

Die Börsianer sind sich einig: Die Regierungen und Notenbanken in Europa versuchen, die globale Schuldenkrise zu lösen, indem sie die Gelddruckpressen in Gang setzen und hoffen, den riesigen Schuldenberg über eine zunehmende Inflation entwerten zu können. So eine Politik dürfte jedoch zunächst einmal in einer neuen globalen Rezession münden. Und obwohl die auf hohen Barreserven sitzenden Unternehmen nach wie vor über eine stabile Ertragsentwicklung berichten, schwinden die Börsenhoffnungen auf die traditionelle Jahresend-Rallye. Auch Hotel- und Tourismusaktien konnten ihre zuvor erzielten Kursgewinne nicht behaupten.

Den Anlegern bleibt also derzeit nur die Hoffnung, dass sich die kommende Rezession nicht über einen längeren Zeitraum erstrecken wird. Vor diesem Hintergrund der allgemeinen Unsicherheiten werden Nachrichten wie folgende von den derzeit arg verstimmten Akteuren an den Aktienbörsen mit großer Freude vernommen: Der im Auftrag der ITB in Berlin erstellte »ITB World Travel Trends Report« deutet auf positive Zeiten für den europäischen Tourismus hin. Denn ungeachtet der aktuellen wirtschaftlichen Turbulenzen berichtet die Reisebranche in Europa von recht erfreulichen Zahlen. Danach sind die Reisen in Europa von Januar bis August 2011 um 4% gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum gestiegen. Die Ausgaben der Reisenden stiegen um 2%. Positiv gestaltet sich auch der Ausblick auf das Jahr 2012. Rund 43% der in Europa befragten Menschen erklärten, 2012 genauso oft wie im zu Ende gehenden Jahr verreisen zu wollen, 27% der Befragten planen sogar eine aktivere Reisetätigkeit. Das lässt für 2012 auf ein weiteres Wachstum von 2 bis 3% im europäischen Tourismus schließen. Dies würde eine neue Rekordzahl an Reisen bedeuten.

Wie ernst solche Umfragen zu nehmen sind, wenn sich die konjunkturelle Situation – was zu befürchten ist – in den kommenden Monaten verschlechtern sollte, bleibt jedoch offen. Da die europäische Schuldenkrise dazu führen dürfte, nicht nur die Kaufkraft der Verbraucher in den hoch verschuldeten Peripherieländern, sondern auch die Investitionsbereitschaft der dortigen Unternehmen zu beschränken, muss gerade für Europa mit einer längeren Konjunkturflaute ­gerechnet werden. Vor allem auch deshalb, weil selbst in Großbritannien, Frankreich und Deutschland die Zahl der Arbeitslosen steigen und der Konsum hierunter leiden dürfte. Ungeachtet der zuletzt schön gefärbten Umfragen in der Branche dürfte sich auch die Hotel- und Touristikbranche aus diesem schwierigen Umfeld nicht besonders positiv abheben und dementsprechend auch keine Ausnahme bilden können.

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