HoteldesignFunktionales mit Aha-Effekt

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Top hotel: Das heißt in der Praxis?
Tamara Pallasch: Der Ort – beispielsweise Berlin, Wien oder die Ostseeküste – ist der inhaltliche Ausgangspunkt. Darauf basierend entwickle ich für jedes Projekt eine Art Storyboard mit Themen und Materialien. So zieht sich der rote Faden durch jeden Raum und der Gast versteht die Geschichte intuitiv. Danach kreiere ich das Design, schaue welche Möbel passen oder entwerfe sie dafür. Diese Vorgehensweise hat sich auch als gute Grundlage für die Zusammenarbeit mit Auftraggebern, ­In- vestoren und Betreibern bewährt.

Top hotel: Welche Rolle spielen die viel ­zitierten Wörter Lifestyle und Ökologie ­
für Sie?
Tamara Pallasch: Ökologie und Lifestyle sind für mich unzertrennlich. Ich bin ein großer Mode-Fan, bei mir türmen und stapeln sich überall internationale Magazine. Mode ist äußerst schnelllebig und setzt neue Trends, das inspiriert mich sehr. Man spürt durch sie sehr gut, was gerade in unserer Zeit passiert. Aktuell sind ja die 70er-Jahre angesagt: Deren Formen und Farben lassen sich ideal als Akzente im Interieur umsetzen.

Top hotel: Wie verträgt sich das mit Öko­logie?
Tamara Pallasch: Bei Stoffen suche ich speziell nach solchen, die ökologisch gefärbt sind, insgesamt den aktuellen Standards entsprechen und trotzdem die baulichen Auflagen erfüllen. Für Tische und Stühle bevorzuge ich echtes Holz. Grundsätzlich sollten die Mate­rialien, die ich einsetze, sehr wertig sein, länger funktionieren und halten.

Top hotel: Was beeinflusst Sie noch?
Tamara Pallasch: Architektur und vor allem Kunst, wobei Letztere neben meiner Arbeit meine große Leidenschaft ist: Auch hier geht es immer um Inhalte. Es lässt sich viel daraus ableiten, wo Künstler hinziehen, wovon sie sich inspirieren lassen und welche Kunst gerade gekauft wird. Ich brauche diese Kommunikationsebene, sie bringt Vielfalt in meine Welt.

Top hotel: Wie meistern Sie bei der Umsetzung dieser Eindrücke den Spagat zwischen Design, Kosten und Budgetvorgaben?
Tamara Pallasch: Es ist jedes Mal eine spannende Herausforderung, für ein bestimmtes Budget pro Zimmer oder Objekt die beste Lösung zu entwickeln. Gewisse gesteckte Grenzen empfinde ich als förderlich für die Kreativität. Dabei stellt sich die Frage: Was ist wirklich wichtig für den Raum oder das Objekt? Ich versuche, in meinen Entwürfen immer ein Highlight zu schaffen und alles andere zu reduzieren. Und ich setze gern unterschiedliche haptische Materialien ein, um den Gast zu überraschen. Grundsätzlich sind mir aber bei allen Entwürfen zwei Dinge wichtig: Ehrlichkeit bei den Materialien und Qualität. So muss beispielsweise Holz echt sein und Stoff langlebig. Und beides muss nach einer gewissen Zeit noch gut aussehen.

Top hotel: Wie viel Design braucht der Gast?
Tamara Pallasch: Viel unsichtbares Design. Als Innenarchitektin denke ich deshalb oft darüber nach, wie die Dinge funktionieren. Wie gestalte ich beispielsweise ein kleines Bad so funktional, dass sich der Gast morgens nicht den Ellbogen stößt? Wie bekomme ich gutes Licht über einen Kofferbock oder das perfekte Licht an den Spiegel? Wo ist der optimale Platz für das Bett? Da gibt es zahlreiche Punkte, die es zu berücksichtigen gilt. Es reizt mich, für den Gast neue Themen einzubringen, etwa, wenn es ums Budget geht. Dann überlege ich unter anderem: Was kann ich für dessen Bedürfnisse anstelle des teureren – und meist nicht notwendigen – Einbauschranks konzipieren? Solche Inhalte fordern mich heraus und interessieren mich. Mir ist es wichtig, Räume zu schaffen, in denen der Gast überrascht wird, aber auch durch klares Design Ruhe findet. Ich setze gern vereinzelt Highlights – ein Zimmer, Restaurant oder Spa soll subtil auf den zweiten Blick überraschen.

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