Foodwatch-Initiative „Topf Secret“ Große Nachfrage und deutliche Kritik

Nach Foodwatch-Informationen wurden einem Tag nach dem Start des Portals bereits 4.500 Anträge auf Veröffentlichung von Hygiene-Berichten an Behörden gestellt. (Bild: Pixabay)

Foodwatch will mit der neuen Plattform „Topf Secret“ mehr Hygiene-Transparenz in Deutschland schaffen. Zahlreiche Anträge auf Veröffentlichung von Hygiene-Berichten seien bereits an Behörden gestellt worden. „Bessere Hygiene entsteht nicht durch existenz-gefährdende Internetveröffentlichungen“, heißt es hingegen seitens des Dehoga Hessen.

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Die Verbraucherorganisation foodwatch und die Transparenz-Initiative FragDenStaat wollen gemeinsam gegen “Geheimniskrämerei” in Lebensmittelbehörden vorgehen. Aus diesem Grund haben sie die Online-Plattform „Topf Secret“ gestartet, auf der Verbraucherinnen und Verbraucher die Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben mit wenigen Klicks abfragen und veröffentlichen können. Bisher machen die Kontrollbehörden in Deutschland nach Informationen von Foodwatch nur in Ausnahmefällen öffentlich, wie es um die Sauberkeit in den Betrieben bestellt ist.

Bereits wenige Stunden nach Start von „Topf Secret“ hat die erste Behörde auf die Anfrage eines Verbrauchers reagiert: Laut dem Ordnungs- und Gewerbeamt in München habe es bei der letzten Lebensmittelkontrolle bei der McDonald’s-Filiale am Bahnhof München-Pasing keine Beanstandung gegeben. Die Münchner Behörde hat zudem bereits drei weitere Anfragen bearbeitet. Dabei werden üblicherweise Anfragen nach Hygieneberichten erst nach mehreren Wochen Wartezeit beantwortet – die schnelle Reaktion der Behörde sei außergewöhnlich, so foodwatch.

Dehoga-Kritik lässt nicht lange auf sich warten

Dehoga-Hessen-Hauptgeschäftsführer Julius Wagner sieht diesen Ansatz kritisch: „Lebensmittelsicherheit und Hygiene gehören zur DNA unserer Branche. Die amtlichen Kontrollergebnisse zeigen seit Jahren, dass mehr als dreiviertel der Gastronomiebetriebe die hohen Standards erfüllen. Die Komplettveröffentlichung von Prüfberichten würde nicht zu besserer Hygiene, sondern zu mehr Verbraucherirritation und Existenzgefährdungen in unserer Branche führen.“

Der Verbandsgeschäftsführer zeigt sich besorgt, dass die Foodwatch-Initiative das in Deutschland etablierte und effiziente System der amtlichen Lebensmittelkontrolle zugunsten eines vermeintlichen Transparenzgewinns, der in Wahrheit gar nicht besteht, in Frage stellt.

„Die zuständigen Behörden können schon heute bei erheblichen Verstößen die Öffentlichkeit informieren, müssen sich dabei jedoch an rechtsstaatliche Grundsätze halten und die Interessen der betroffenen in ihre Entscheidungen einbeziehen“, so Rechtsanwalt Julius Wagner. „Diese notwendigen Verfahrensstandards erfüllt die Veröffentlichung von amtlichen Prüfberichten durch private Antragsteller oder Verbraucherorganisationen nicht. Und die Gäste, die das dann online lesen, können ohne großen Aufwand gar nicht einschätzen, ob die Beanstandung wegen einer abgeplatzten Küchenfließe oder wegen eines Mangels ausgesprochen wurde, der tatsächlich Einfluss auf die Lebensmittelsicherheit haben kann.“

Der Dehoga-Hessen-Hauptgeschäftsführer erwartet von den zuständigen Behörden und der Politik im Lande, Verbraucherschutz stets im Rahmen der Verhältnismäßigkeit und unter Wahrung der berechtigten Interessen der betroffenen Betriebe zu betreiben: „Das Internet wirkt manchmal wie ein Pranger. Wer dort landet, sollte es auch verdient haben. Und darüber darf nur der Staat entscheiden.“

 

 

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