Food & BeveragePfiffige Konzeptweine

Sie verkaufen sich wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln, obwohl sie so gar nichts von klassischen Weinbezeichnungen mit Rebsorte, genauer Herkunft oder Jahrgang auf dem Etikett zeigen. Die Rede ist von sogenannten Konzeptweinen, die ungewöhnliche Namen tragen und auch eine Geschichte damit verbinden.

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Entweder werden Konzeptweine von Marketing-Spezialisten kreiert oder sie sind dem Erfindungsreichtum von Winzern zu verdanken, die ausgelatschte Pfade verlassen wollen. Einer der allerersten Konzeptweine war eigentlich eine Marke. An der Einführung von »Viala« tüftelten Psychologen mit, die wussten (oder zu wissen glaubten), dass ein einfacher, gut zu merkender Name in Verbindung mit einer ansprechenden Optik und einem günstigen Preis genau auf die Zielgruppe junge Leute mit wenig Weinkenntnis zugeschnitten ist. Heute ist der Erzeuger Racke ganz vom Markt verschwunden. Und der Wein steht nur noch bei wenigen Discountern im Regal. Dafür sind andere Weine mit einem eigenständigen Konzept erfolgreich. Ein Vorreiter ist der Pfälzer Winzer Markus Schneider, der mit seinen Rotweinen »Ursprung«, »Black Print«, »Tohuwabohu« und »Holy Moly« sogar im Weinführer Gault Millau gute Noten bekommt. Ebenfalls sehr pfiffig ist der rote »Fabelhaft« aus dem Dourotal, auf dessen Etikett der portugiesische Winzer Dirk van der Niepoort unter anderem in leichter Abwandlung die Bildgeschichte des Unglücksraben Hans Huckebein von Wilhelm Busch nacherzählt. Etwas Humor spielt auch rein beim »Zirkus Zirkus« der Österreicherin Birgit Wiederstein aus Göttlesbrunn in der Weinregion Carnuntum. Ihr geschmeidiger, saftiger Zweigelt heißt so, weil er – wie beim Besuch in der Manege – »zum Träumen und zum Spiel mit der Phantasie einladen soll«.

Deutsche Winzer sind auf diesem Feld inzwischen recht aktiv. So nennt die Rheinhessin Katharina Wechsler aus Westhofen einen edelsüßen Riesling statt Auslese oder Beerenauslese »Schweißtröpfchen« – weil bei der Ernte Schweiß fließt. Bei einem rheinhessischen Bruderpaar ist es scheinbar sogar Blut, schließlich heißt ihr Weintrio »Blutsbruder«. Erklärung: Die Osthofener Familie heißt May, der Vater Karl mit Vornamen. Die Söhne Fritz und Peter erfanden die Marke für Weiß, Rosé und Rot und füllten blitzsaubere Weine ab, die sich im vergangenen Jahr durch die Neuauflage der Karl-May-Filme im Fernsehen besonders gut verkaufen ließen.

Am leichtesten hat es ein Württemberger mit einer auffälligen Deklaration. Bei Leon Gold aus Weinstadt-Gundelsbach prangt der Familienname plakativ auf den Etiketten. »Das wird oft als Phantasiebezeichnung verstanden«, schmunzelt der junge, aufstrebende Winzer. Käufer seiner Weine nehmen zur Kenntnis, dass der Flascheninhalt durchaus als flüssiges Edelmetall bezeichnet werden kann.

2015 Blutsbruder Weiß
Weingut Karl May, Osthofen
www.weingut-karl-may.de
6,20 Euro zzgl. MwSt.

Zirkus, Zirkus Zweigelt
Weingut Wiederstein, Göttlesbrunn
Bezug: Weinhelden, Baden-Baden
www.weinhelden.de
7,35 zzgl. MwSt.

2015 Gundelsbacher Riesling
Weingut Gold, Weinstadt-Gundelsbach
www.weingut-gold.de
10,90 inkl. MwSt.

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