Fine Dining New York verbietet den Verkauf von Stopfleber

Das Thema polarisiert: Foie gras bedeutet für viele Menschen Genuss – trotz der allseits bekannten Tierqualen bei der Herstellung. New York schafft jetzt Tatsachen und verbietet den Verkauf von Gänse- oder Entenstopfleber. Die Gastronomieszene hat juristische Schritte angekündigt.

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Der Stadtrat von New York stimmte am Mittwoch der Verabschiedung eines Gesetzes zu, das den Verkauf von Foie gras verbietet. Ab 2022 soll das Gesetz in Kraft treten, bei Verstößen sollen Strafen von bis zu 2.000 Euro ausgesprochen werden.

Fakt ist, dass die Zwangsernährung der Gänse nicht artgerecht ist. Es ist leicht vorzustellen, dass es für das Tier, allem menschlichen Ermessen nach, eine Qual sein muss, wenn eines seiner Organe innerhalb weniger Wochen auf ein wider­natürliches Übergewicht gebracht wird. Die Zwangsfütterung beginnt im Alter von 8 bis 10 Wochen. Über einen Zeitraum von 12 bis 21 Tagen werden die Vögel „gestopft“. Dabei wird den Tieren jeden Tag ein 50 cm langes Metallrohr gewaltsam in den Hals gestoßen, durch das ihnen 800 bis 1.000 Gramm Maisbrei in den Magen gepumpt wird.

Fakt ist auch, dass die Gänsestopf­­leber eine Delikatesse ist. Sie hat ihren Platz in der Gourmandise über Jahrtausende behaupten können. Tatsächlich waren es schon die alten Römer, die die Tiere mit Feigen mästeten – ficae, woraus sich im Italienischen bzw. Französischen »fegato« und »foie« für Leber ableitet.

Laut PETA ist Frankreich Hauptexporteur (und Konsument) von Foie gras mit 63 Prozent der weltweiten Produktion – gefolgt von Ungarn, Bulgarien, Spanien und Belgien. Europa ist für 95 % der globalen Stopfleberproduktion verantwortlich (Stand 2016). In Deutschland ist die Produktion von Foie gras nach Artikel 3 des Tierschutzgesetzes verboten, der Import ist geduldet.

Widerstand in New York angekündigt

Das Foie gras-Verbot könnte Probleme für zwei Farmen außerhalb von New York bedeuten, deren Hauptmarkt der Big Apple ist: Hudson Valley Foie Gras und die nahe gelegene La Belle Farm. Gemeinsam züchten sie nach Angaben von CBS News jährlich rund 350.000 Vögel für Foie gras.

Seitens der Bauern, aber auch in der New Yorker Gastronomieszene will man sich gegen das Verbot wehren; juristische Schritte wurden angekündigt. So erklärten die Landwirte gegenüber den Medien, dass die Zwangsernährung nicht grausam ist und dass die Foltervorwürfe übertrieben seien. Und Marco Moreira, Executive Chef and Eigentümer des französischen Restaurants “Tocqueville” in der Nähe des Union Square, sagte der “New York Times”: „New York ist das Mekka des Essens in der Welt. Wie ist es möglich, dass New York bald keine Stopfleber mehr hat? Was kommt als nächstes? Kein Kalbfleisch mehr?”


Peta

In Deutschland hatte sich vor einigen Jahren Hotel- und Gastroberaterin Eva-Miriam Gerstner öffentlichkeitswirksam gegen Foie gras ausgesprochen. Ihre These: “Man muss dringend Kompromisse finden, die nicht immer nur mit radikalem Verzicht beantwortet werden können.«

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