FCSI EAME Jahrestagung in RotterdamRoboter und "Vertical Farming" – neue Herausforderungen für die Branche

Richard Kuijpers präsentierte während seiner Keynote die „Hotelmitarbeiter der Zukunft“. (Bild: FCSI)

Zur Jahrestagung 2018 trafen sich die Mitglieder des FCSI EAME und des FCSI Deutschland-Österreich auf dem Hotelschiff SS Rotterdam, um gemeinsam über die Herausforderungen für die Hospitalitybranche zu diskutieren.

Das Programm der Tagung beinhaltete Keynote-Speeches, Masterclasses und Trendtouren. Richard Kuijpers demonstrierte mit der Präsentation verschiedener Roboter den vielseitigen Einsatz von künstlicher Intelligenz im Hotel. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch während der Pausen begegneten die Gäste den fahrenden „Mitarbeitern“, die Snacks anboten und auch Geschirr abräumten. Sie tanzten, luden zu nachfolgenden Vorträgen ein und suchten proaktiv Kontakt zu den Gästen. Die Roboter waren allgegenwärtig – und werden das in Zukunft auch im Hotel immer öfter sein.

Ökologische Verantwortung in der Küche

„In einer immer schneller werdenden Welt vergessen wir unsere Wurzeln.“ Diese These vertritt Theodor Falser, Küchenchef im Hotel Engel Gourmet & Spa. Der Sternekoch blickt auf internationale Erfahrung auf allen Kontinenten zurück und arbeitete unter anderem in Singapur, Ecuador, Peking und im Oman. Falser entführte die Teilnehmer voller Leidenschaft und Authentizität zu einer Reise in die Natur, denn bei seinem Programm „Taste Nature“ wird der Wald zur Küche. Die Produkte, die der Küchenchef verwendet, kommen mit wenigen Ausnahmen aus den Südtiroler Bergen, 1.500 Meter oberhalb von Bozen. Er beschäftigt sich intensiv mit der Suche nach geeigneten Produzenten, die ökologische Verantwortung übernehmen, sowie mit Produkten und deren Zubereitungsmöglichkeiten.

Studie: “Vertical Farming” wird traditionelle Landwirtschaft ersetzen

Dr. Fritz-Gerhard Schröder geht als Professor für Horticulturale Wissenschaften am Zentrum für angewandte Forschung und Technologie in Dresden der Frage nach, wie eine gute und ausreichende Ernährung der Weltbevölkerung beim Bewahren der ökologischen wie ökonomischen und sozialen Ressourcen erreicht werden kann. Die Ergebnisse, die er auch auf der Tagung präsentierte, zeigen, dass es keinen Weg zurück zur traditionellen Landwirtschaft geben wird, da die Ressourcen nicht mehr ausreichen und der Klimawandel zu Alternativen zwingt. Als Kennzahl nannte er, dass in Deutschland jeden Tag 100 Hektar Ackerland verloren gehen – in den vergangenen 25 Jahren waren es eine Million Hektar. Die Lösungen liegen seiner Ansicht nach im „Vertical Farming“: In urbanen, mehrstöckigen Gebäudekomplexen werden ganzjährig Früchte, Gemüse, Pilze und Algen angebaut. Basierend auf Kreislaufwirtschaft und Hydrokulturen lassen sich so Gewächshausbedingungen schaffen, die eine Unabhängigkeit von externen Faktoren wie dem Wetter ermöglichen.

Mitarbeiter müssen Gastgeber sein

Nachdenkliche Momente gab es beim Auftritt von Niek van den Adel, der mit seinem Hund Joep im Rollstuhl auf die Bühne kam. Er hatte 2010 einen Motorradunfall, durch den er ab der Brust querschnittsgelähmt ist. Sein Credo lautet: „Some People need a brush with death to start living“, also: “Manche Leute müssen erst den Tod streifen, um mit dem Leben zu beginnen.”
Als Absolvent der Hotelfachschule in Stenden (Holland) verbindet ihn eine intensive Beziehung zur Hotellerie. In seinem Alltag, den er autark mit Hilfe seines Hundes bestreiten kann, sind es Begegnungen mit Menschen, die ihm Freude bereiten. Niek gab seinem Publikum den Rat, die Motivation, Gastgeber zu sein, jeden Tag in den Mittelpunkt des eigenen Handelns zu stellen – denn in dieser Branche würden Glücksmomente verschenkt und somit dazu beigetragen, die menschliche Welt der Gäste positiv zu verändern.

Versanstaltungsort der Tagung war das ehemalige Kreuzfahrtschiff SS Rotterdam

Um den Bezug zur Praxis nicht zu verlieren, waren alle Delegierten eingeladen, an zehn unterschiedlichen Masterclasses teilzunehmen. Die Themen reichten dabei von Marketing/Socialmedia über Küchenorganisation bis hin zu 3-D-Printing, Generation Z und Richtlinienstandards.
Getagt haben die Teilnehmer der FCSI EAME-Konferenz auf der SS Rotterdam. Ein Kreuzfahrtschiff, das seine Jungfernfahrt 1958 nach New York erlebte und seit 2010 als Hotel genutzt wird. Die aufwendige Renovierung verlief unter der Maßgabe, trotz moderner Funktionalität den Charme der damaligen Zeit zu bewahren. Es verfügt über 254 Zimmer, Restaurants, Bars und diverse Decks für den Blick in die Ferne. Sie liegt im Hafen von Rotterdam, wo sie zum Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Bettina von Massenbach