FBMA-Präsident Oliver Fudickar im Interview: “Wollen die größte branchenübergreifende F&B-Community werden”

Oliver Fudickar (32) ist seit Frühjahr Präsident der FBMA. (Bild: FBMA)

Nach 17 Jahren hat die Food & Beverage Management Association (FBMA) einen
neuen Präsidenten: Oliver Fudickar ist nun seit rund 100 Tagen im Amt. Mit Tophotel
sprach er über seine große Leidenschaft für den F&B-Bereich, seine Ziele und die
Gastrotrends der Zukunft.

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Tophotel: Herr Fudickar, was hat Sie an der Präsidenten-Position bei der FBMA gereizt?

Oliver Fudickar: Ich finde es wichtig, mich zu engagieren. Unsere Branche hat es samt ihrer Herausforderungen verdient, dass man sich für sie einsetzt ­– den jungen Menschen die Chance gibt, durch Veranstaltungen Kontakte zu knüpfen. Und den Mitgliedsbetrieben hilft, die eigene Arbeitgebermarke zu stärken.

Was bedeutet die FBMA für Sie per­sönlich?

Ich bin zwar Hotelier, aber im Herzen bin ich wegen meiner Vita einfach F&Bler. Und ich fand es schon immer unglaublich spannend, dass ich bei der FBMA wunderbar Kontakte zu den Fördermitgliedern knüpfen konnte und kann: zur Industrie, zu den Getränkehändlern, zu den Produzenten. Hier ist eine Plattform entstanden, auf der ich als Teil der Branche sehr schnell Menschen treffe, die mir Hilfestellung für die täglichen Probleme geben können – und das weiß ich aus eigener Erfahrung. Als ich 2012 als F&B-Verantwortlicher bei Arcona zur FBMA gekommen bin, haben mir diese Kontakte sehr geholfen, Erfolge für unsere Hotelgruppe zu erzielen.

Sieben Jahre nach Ihrem Beitritt sind Sie Präsident des Verbandes. Welches Fazit ziehen Sie nach Ihren ersten rund 100 Tagen im Amt?

Es war mir am wichtigsten, mit Udo Finkenwirth und seinem Stellvertreter Michael Bläser den ehemaligen Vorstand sauber zu verabschieden und mit dem neuen Gremium ordentlich zu beginnen. Ich finde, dass wir diesen Übergang für beide Seiten sehr wertschätzend hinbekommen haben. Was ich auch gemerkt habe, ist, dass das Interesse der Kollegen an der FBMA sehr hoch ist. Und dass die FBMA ein fest verankerter Verband in der Branche ist. Das bietet uns natürlich eine einmalige Chance: Wenn wir unseren Job jetzt ordentlich machen, werden wir schnell in der Lage sein, weitere interessante Mitglieder zu akquirieren. Auch die Gastronomen, Caterer und Systemgastronomen nehmen uns immer mehr wahr, da müssen wir aber trotzdem noch mehr tun. Auch wenn wir den ersten Schritt mit unseren neuen Vorstandsmitgliedern Kerstin Rapp-Schwan (Anm. d. Red.: Geschäftsführerin Schwan Restaurants), Georg Broich (geschäftsführender Gesellschafter Broich Premium Catering) und Torsten Petersen (geschäftsführender Gesellschafter Enchilada Franchise) gemacht haben.

Welche Maßnahmen werden konkret bereits umgesetzt?

Bei unserem ersten E-Meeting, sprich einer Online-Konferenz, haben wir den Mitgliedern das neue Logo und die neue Ausrichtung vorgestellt. Wir haben uns viel vorgenommen, aber unsere Ziele sind realistisch. Aktuell arbeiten wir an einem Relaunch des Corporate Designs – Logo, Homepage, Printprodukte wie Flyer bekommen einen modernen Look. Zudem gibt es neue Veranstaltungsformate. Am 1. Oktober startet die ‚FBMA University next‘ mit dem Lehrgang ‚F&B-Management‘, gefolgt von Webinaren, unter anderem zum Thema Onlinemarketing. Im Januar steht das erste FBMA-Camp an, bei dem sich die Mitglieder treffen. Und auch sogenannte ‚Expeditionen‘, also Trendtouren, wird es geben. Aber einige bekannte Formate wie unser Mentoren-Symposium ‚Meet the best‘ bleiben bestehen.

Also wird es sowohl Formate online als auch offline geben?

Ja, es wird eine gesunde Mischung aus Online- und Offline-Veranstaltungen sein. Für den weiterbildenden Bereich muss ich heute niemanden mehr quer durch die Republik schicken. Das kann man genauso gut am Computer durchführen. Aber für die Community, wenn wir zusammenkommen wollen, sprechen wollen, gemeinsam etwas erleben wollen – dafür muss es natürlich weiter Präsenzseminare geben.

Sie wollen neue Mitglieder dazugewinnen. Was bietet die FBMA Hoteliers?

Wir wollen künftig einerseits Kompetenzzentrale sein, aber auch Antworten geben und Trends setzen. Auf der anderen Seite müssen wir Ansprechpartner und Austauschplattform sein. Hoteliers bieten wir die Möglichkeit, das eigene Management auch mal in Frage zu stellen. Und eine Plattform, auf der sie die Chance haben, neue Prozesse kennenzulernen. Die Hotel-
iers dürfen uns ihre Mitarbeiter anvertrauen, damit diese sich weiterbilden können.

Werden Sie aktiv Werbung machen?

Ich glaube, dass ganz viel passieren wird, wenn wir mit den Veranstaltungsformaten beginnen. 2019 haben wir bisher genutzt, um den Vorstand neu aufzustellen und uns vielfältiger nach Außen zu präsentieren. 2020 müssen wir den Veranstaltungskalender knallhart durchziehen, um den Interessierten das Vertrauen zu geben, damit sie sagen ‚Okay, die machen das ehrlich. Ich werde Mitglied bei der FBMA.‘

Ist es auch ein Ziel der FBMA, sich weiter zu verjüngen?

Natürlich. Aber ich finde, Verjüngen hört sich oft so an, als ob die ältere Generation uns bremsen würde. Was wir brauchen, ist generationsübergreifendes Zusammenkommen. Das heißt, wir müssen der älteren Zielgruppe gerecht werden und wertschätzend sein, aber auch den Jungen etwas bieten.

Wie sehen Ihre weiteren Ziele aus? Wo soll die FBMA in fünf Jahren stehen?

Da wir in fünf Jahren unser 50-jähriges Bestehen feiern, wäre mein Wunsch, dass wir dann unseren Platz für die nächsten 50 Jahre klar gefunden haben. Wir wollen es geschafft haben, ein F&B-Berufsverband zu sein – für Gastronomen aller Branchenzweige. Wir wollen die größte branchenübergreifende F&B-Community werden.

Was macht den F&B-Bereich generell für Hotels so spannend?

F&B ist lebendig, es steigert die Aufenthaltsqualität. Zudem blüht unsere Wirtschaft, die Leute wollen und können häufiger als einmal in der Woche raus und etwas erleben. Zum Glück haben wir auch endlich verstanden, dass ein reines Hotelrestaurant einfach nicht sexy ist. Wir brauchen Restaurant-Konzepte, die zwar in einem Hotel umgesetzt werden, aber eigenständige Produkte sind. Dann haben sie auch das Potenzial, gute Umsatzgeber zu werden. Gerade was die regionale Bekanntheit angeht, ermöglicht ein funktionierendes, gastronomisches Konzept auch Auslastung.

Was sind Ihrer Ansicht nach die Gastrotrends der Zukunft?

Natürlich ist das Thema Sharing etwas, das wir nicht mehr wegdenken können. Zudem glaube ich, dass wir uns auch gegenüber dem Thema Delivery nicht verschließen dürfen. Die Frage ist: Wie schaffen wir es, den Leuten unsere Produkte nach Hause zu bringen, beziehungsweise eine Abholung möglich zu machen? Beim Thema Getränke bin ich gespannt, was nach Gin kommt. Es wird ja gemunkelt, dass Korn ein großes Thema werden könnte. Auch wird interessant sein, wie es mit den kleinen Craft-Manufakturen weitergeht – ob die alle so bestehen können. Aber auch das Thema Wein wird immer wichtiger, vor allem bei der jüngeren Generation. Immer mehr junge Leute trinken guten Wein und interessieren sich dafür.

Sie selbst trinken gern ein gutes Glas Riesling. Bleibt dafür noch Zeit? Wie
vereinbaren Sie das Ehrenamt mit Ihrem Vollzeitjob als Corporate Director of
Operations bei Arcona?

Das Entscheidende ist, dass ich für einen Konzern arbeite, dem die Verbandsarbeit wichtig ist. Natürlich engagiere ich mich zusätzlich zu meinem Beruf. Aber es bleibt auch noch ein wenig Zeit für Hobbys, ich gehe zum Beispiel sehr gern Golfen – da kann ich gut entspannen. Und ein Glas Riesling auf der Terrasse ist in der Tat auch mal drin.

Interview: Verena Usleber


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